Rückkehr aus Australien

Appell im Taktischen Luftwaffengeschwader 74 Neuburg: Jetzt sind wieder alle gesund daheim

13.10.2022 | Stand 13.10.2022, 22:04 Uhr

Der Chef mit den Geehrten: Für besondere Verdienste während des langen Australien-Einsatzes verlieh Kommodore Oberst Gordon Schnitger (links) Urkunden an eine Schar seiner Soldaten. Foto: S. Hofmann

Von Sebastian Hofmann

Ein wenig „zittern“ haben die Angehörigen des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 in Neuburg am Mittwoch noch müssen, am Donnerstag um 1.20 Uhr stand dann aber fest: Es sind alle gesund aus Australien zurückgekehrt.



Dem großen Appell und damit dem Abschluss dieser historischen Bundeswehrmission am anderen Ende der Welt stand also nichts mehr im Wege. Dazu hatte sich am Donnerstag fast das gesamte Geschwaderpersonal und zahlreiche Ehrengäste in der Werft des Nato-Flugplatzes eingefunden.

Alles war im Großen und Ganzen glatt gelaufen, da konnte es Oberst Gordon Schnitger, Kommodore des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 Neuburg, mit Humor nehmen, dass beim Beginn des großen Rückkehr-Appells das Mikrofon zunächst nicht mitspielen wollte. „Das ist tatsächlich wie bei der Verlegung. Genau so ist das“, kommentierte er die kleine Panne süffisant.

Als das Gerät dann schließlich seinen Dienst tat, hielt Schnitger eine feierliche Rede, in der er die vergangenen sieben Wochen Revue passieren ließ. Diese Verlegung sei das bisher größte Abenteuer für den Verband und die gesamte Luftwaffe gewesen. Er erinnerte an die Überführung der Maschinen nach Singapur binnen eines Tages, welche die Schlagfertigkeit der Bundeswehr demonstrieren sollte und von zahlreichen Medien verfolgt worden war.

Technischer Defekt

Auf der ersten Etappe hatte es gleich einen Eurofighter erwischt. Der mit einer besonders gestalteten Folie überzogene Air Ambassador, das Flaggschiff auf dieser Verlegung, musste wegen eines technischen Defekts nach der Zwischenlandung in Abu Dhabi erst mal am Boden bleiben. Auf dem dortigen Flugplatz sollte eigentlich Major Holger W. die Maschine weiterfliegen, musste aber erst einmal warten, bis das entsprechenden Ersatzteil eintraf. Nach fünf langen Tagen durfte er den Eurofighter dann „endlich“ gen Singapur steuern. Das sei ein befreiendes Gefühl gewesen, wie der 35-jährige Pilot im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet.

Wie seine Kollegen kam auch er zu mehreren Einsätzen bei den Übungen „Pitch Black“ und „Kakadu“ in Australien. Zwar sei die Belastung für die Maschinen in Australien aufgrund der anderen Umweltbedingungen schwieriger. Dennoch würde W. sofort wieder ans andere Ende der Welt aufbrechen. „Das war ein Erlebnis, wie man es im Leben nicht so häufig hat.“ Beruflich sei die Verlegung des Verbands ein unglaublicher Erfahrungszuwachs gewesen. Eine besondere Ehre wurde dem Major dann zum Ende der Verlegung zuteil: Er durfte den Air Ambassador in Neuburg landen. „Ich habe geschaut, dass ich eine weiche Landung hinbekomme, weil Spotter und viele Zuschauer da waren“, berichtete W.

Bis Mittwoch war das Geschwader allerdings noch nicht wieder komplett daheim, wie Kommodore Schnitger berichtete. Erst am Montag hatte sich das Nachkommando, das in Australien „alles besenrein“ gemachte hatte, auf den Heimweg gemacht. Diese landete letztlich kurz nach 0 Uhr am Donnerstag in Nürnberg. Mit Bussen ging es für die verbliebene Neuburger Mannschaft dann zum Flugplatz Zell, wo sie gegen 1.20 Uhr antraf.

„Müssen lernen, wieder zu einer wehrhaften Demokratie zu werden“

Mit ein paar wenigen Ausnahmen trat also fast das gesamte militärische Geschwader-Personal zum Appell an. Dabei konnte es noch mal hören, warum die Übung überhaupt stattgefunden hatte: „Es gibt einen Krieg in Europa, der uns fordert, und gleichzeitig wurde die Verlegung durchgeführt. Die Politik und die Führung der Luftwaffe haben die Antwort gegeben: Nicht entweder oder – sondern beides. Was im indopazifischen Raum heute passiert, betrifft uns sprichwörtliche morgen früh“, rekapitulierte der Kommodore. Weiter meinte Schnitger: „Wir müssen lernen, wieder zu einer wehrhaften Demokratie zu werden. Wir brauchen Partner, hier in Europa, aber eben auch im Indo-Pazifik.“ In diesen schwierigen Zeiten sei es umso wichtiger, mit Wertepartnern weltweit den Schulterschluss zu suchen und gemeinsam zu trainieren.

DK