Schrobenhausen

IHK: Besorgte Unternehmer

Die Energiekrise war das Hauptthema bei der Sitzung des IHK-Regionalausschusses

24.11.2022 | Stand 25.11.2022, 14:02 Uhr
Fritz Endres

Als Hausherr des Unternehmens stellte Geschäftsführer Stefan Dick (links) die Südstärke vor. Christian Krömer (v.l.) und Catherine Schrenk hatten die Sitzung organisiert. Mit dabei war auch Landrat Peter von der Grün. Fotos: Endres

Mit dem Thema Energiekrise beschäftige sich der IHK-Regionalausschuss Neuburg-Schrobenhausen bei seiner jüngsten Sitzung. Die Runde war zu Gast bei der Südstärke in Schrobenhausen. Energiekrise, aber auch Fachkräftemangel und Preisentwicklung waren schließlich die meistgenannten Schlagworte beim gemeinsamen Austausch zur aktuellen Lage aus Sicht der Unternehmen.

Neben den Mitgliedern des IHK-Regionalausschusses begrüßte Vorsitzender Christian Krömer auch Landrat Peter von Grün (FW) und den Landtagsabgeordneten Mathias Enghuber (CSU). Die Zukunftsprognosen wurden von vielen Unternehmern alles andere als positiv bewertet. Die Handlungen der Bundesregierung seien für viele nicht nachvollziehbar. Es gab zum Teil auch deutliche Kritik.

Klare Forderungen an die Politik

„Die Kartoffelernte in diesem Jahr war sehr schlecht. Anstatt der geplanten 600000 Tonnen werden in diesem Jahr nur rund 400000 Tonnen Kartoffel verarbeitet“, informierte Südstärke-Geschäftsführer Stefan Dick, der das Unternehmen zunächst bei einer Betriebsbesichtigung und in Form eines kurzen Referats vorgestellt hatte. Rund 50 Millionen Euro zahle das Unternehmen an die Landwirte für die Anlieferung der Kartoffeln. Das Geld bleibt damit in der Region. Zwischen 110000 und 150000 Tonnen Stärke würden pro Jahr hergestellt. Wegen der Sanktionen gegen Russland habe man etwa 5 Prozent des Umsatzes verloren. Sehr ausführlich demonstrierte Stefan Dick, in welchen Produkten und Lebensmitteln die Stärke mehr oder weniger unverzichtbar ist. Zum Thema Energie hat der Geschäftsführer eine klare Meinung und auch eine Forderung an die Politik: „Wir brauchen eine Gaspreisbremse. Ansonsten wird es sehr schwierig, diese Krise zu bestehen.“

„Energie im Wandel – heiße Luft und harte Fakten“ war anschließend das Thema eines weiteren Kurzvortrags von Sebastian Brandmayr (kleines Foto), dem Technischen Vorstand der Schrobenhausener Stadtwerke. Der Stadtrat habe einen Grundsatzbeschluss gefasst, dass die Stadt bis 2040 klimaneutral sein möchte. Im privaten Bereich dürfte dieses Ziel zu erreichen sein. „Aber es gibt in Schrobenhausen viele Betriebe, die sehr viel Energie für die Produktion benötigen – nicht nur Strom, sondern auch Wärme“, meinte Brandmayr. Hinsichtlich der Preisentwicklung beim Strom hatte der Redner eine klare Meinung: „Preisbildung an der Börse durch das Merit-Order-Prinzip ist für die Preissteigerung bei Strom verantwortlich und müsste geändert werden. Die Politik muss hier handeln“.

Schlechte Stimmung in den Unternehmen

Einen Blackout bei Strom halte er für kaum vorstellbar. Bei Gas sei die Gefahr allerdings wesentlich größer, da die Vorlaufzeit nur etwa zehn bis zwölf Stunden betrage. Das Umspannwerk in Schrobenhausen sei voll ausgelastet. In den Netzausbau müssten in den nächsten Jahren bayernweit etwa vier Milliarden investiert werden.

„Die Stimmung bei den Unternehmen ist in den vergangenen Wochen eingebrochen. Sie war noch nie so negativ wie zurzeit“, führte Elke Christian, Abteilungsleiterin für Ehrenamt und Politik bei der IHK, in ihrem kurzen Vortrag aus. Bei der Vollversammlung der DIHK im September war eine Resolution zur Energiekrise verfasst worden. Darin wurden zehn Forderungen aufgestellt. Bereits im Juli dieses Jahres hatte die IHK-Notfallmaßnahmen zur Sicherung der Energieversorgung gefordert. „Die Lage am Gas- und Strommarkt hat sich seither dramatisch verschlechtert. Preisbremsen sind unumgänglich“, heißt es in dem Papier.

Christian Krömer moderierte abschließend einen gemeinsamen Austausch zwischen Unternehmensvertretern und Politik. Der Ehrenvorsitzende des IHK-Regionalausschusses Hartmut Beutler sieht einen sozialen Brennpunkt im nächsten Jahr kommen. „Wenn die ersten Vorauszahlungen für Strom und Gas kommen und dies auf dem Kontoauszug zu lesen ist, wird es in der Bevölkerung einen Aufschrei geben“, befürchtet er.

Die Firma Leinfelder ist mit ihrer Energieversorgung zurzeit noch gut dran. Die Versorgung mit Kohle sei planbar. Er sei froh, dass die Umstellung auf Gas noch nicht vollzogen ist, sagte Michael Mehner, Prokurist des Schrobenhausener Unternehmens. Zur Standortsicherung der Leipa in Schrobenhausen werde in nächster Zeit kräftig investiert.

Landesgartenschau als Chance?

„Ist Schrobenhausen wirklich ein Mittelzentrum? Daran habe ich meine Zweifel. Den politischen Willen dies zu erreichen, sehe ich zurzeit nicht“, äußerste sich Mehner kritisch in Richtung der Stadtpolitik. Stefan Reindl, Personalchef der Firma Bauer, meinte indes, die Landesgartenschau könne für die gesamte Region eine große Chance werden. Auch der Regionalausschuss der IHK könne dazu Impulse bei der Planung mit einbringen.

„Wir haben die nächste Asylkrise. Zurzeit werden wir von Asylbewerbern, vor allem aus der Ukraine, überschwemmt. Das ist ein großes Problem für die Kommunen“, äußerste sich Landrat Peter Von der Grün abschließend. Aus Berlin und Brüssel fehle hierbei aus seiner Sicht die notwendige Unterstützung.

SZ