FCS-Stürmer in Stuttgart live im Stadion
„Ich hoffe auf ein Unentschieden“: Gabor Gulyas fiebert bei der EM mit dem deutschen und dem ungarischen Team

18.06.2024 | Stand 18.06.2024, 17:18 Uhr |

Die Farbe Rot als Konstante: Hierzulande kennt man Gabor Gulyas (l.) vor allem im Trikot des derzeitigen B-Klassisten FC Schrobenhausen. Foto: M. Schalk

Deutschland ist im EM-Fieber. Und natürlich hat es auch einige aus dem Schrobenhausener Land „erwischt“, die ihre Nationalmannschaft unterstützen. Das muss nicht zwangsläufig die deutsche sein. Gabor Gulyas kann sich an diesem Mittwochabend quasi bei jedem Spielausgang freuen.

Dank seiner Frau im Stadion dabei

Und das Beste aus seiner Sicht: Er wird an diesem Abend live in Stuttgart dabei sein, wenn im jeweils zweiten Gruppenspiel der beiden Teams Deutschland auf Ungarn trifft. „Wir haben uns beide beworben – und meine Frau hat dann glücklicherweise Karten bekommen“, verrät der Schrobenhausener lächelnd. Klar, dass er mitdarf. Als „halber“ Ungar erst recht. „Ich freue mich auf die Stimmung“, sagt Gulyas. Wohl auch, weil es für seine stark vom Hochwasser betroffene Familie eine schöne Abwechslung sein wird. Und mit welchem Ergebnis rechnet der 29-Jährige? „Am liebsten wäre mir ein Unentschieden“, betont er, „damit beide Teams noch die Chance haben, eine Runde weiterzukommen.“

Es ist nicht das erste Mal, dass Gulyas bei einem Fußballgroßereignis live dabei ist. Schon 2016, bei der Europameisterschaft in Frankreich, hatte er das ungarische Nationalteam bei dessen Gruppenspiel gegen Island in Marseille (1:1) unterstützt. Das ist auf den Tag genau acht Jahre her. „Ich bin ja in Deutschland geboren, habe hier mein bisheriges Leben verbracht“, sagt Gulyas. Aber da ist eben auch der ungarische Vater, der viel zu früh verstorbene frühere FCS-Funktionär Ferenc Gulyas, und die Verwandtschaft in Ungarn, die der Schrobenhausener mindestens einmal im Jahr besucht. Logisch, dass sein Herz bei dieser EM also irgendwie für beide „Heimatländer“ schlägt. Und logisch, dass der Fußballfan beiden einiges zutraut. Schon bei der Europameisterschafts-Endrunde 2021 waren sie ja in der Vorrunde aufeinandergetroffen. Damals hatte eine starke ungarische Mannschaft dem deutschen Team in der Münchner Allianz-Arena ein verdientes 2:2 abgetrotzt.

„So kenne ich dieMannschaft nicht“

Da wäre aktuell nur noch ein Problem: „So, wie Ungarn beim Auftakt gegen die Schweiz gespielt hat, kenne ich die Mannschaft nicht“, sagt Gulyas enttäuscht. Vor allem die erste Halbzeit bei der 1:3-Niederlage habe nichts mit den Auftritten in den Jahren zuvor zu tun gehabt. Bis kurz vor der EM (1:2 beim Test in Irland) war das ungarische Team ja fast eineinhalb Jahre lang ungeschlagen gewesen, hatte auch die Qualifikation für das Turnier als Gruppenerster ohne Niederlage abgeschlossen. So gut sei eine ungarische Mannschaft lange nicht gewesen, weiß auch Gulyas: „Das war deshalb ein ziemlicher Fehlstart von ihr. Aber ich hoffe, dass sie trotzdem noch irgendwie weiterkommt.“ Was das Team um Star Dominik Szoboszlai vom FC Liverpool – auch in Verbindung mit den lautstarken Fans – kann, habe man ja nach dem Anschlusstreffer zum 1:2 gesehen, als es gegen die Schweiz mit neuer Energie auf den Ausgleich drückte.

Gulyas‘ Hoffnung ist nun, dass vier oder vielleicht sogar nur drei Zähler am Ende zum Achtelfinaleinzug reichen könnten. „Portugal ist 2016 mit drei Punkten nach der Vorrunde sogar noch Europameister geworden“, erinnert er sich. Nur als einer der besten Dritten waren die Portugiesen damals weitergekommen – hinter Gruppensieger Ungarn.

Höhen und Tiefen auch beim FCS

Übrigens: Auf und Abs wie aktuell mit der ungarischen Nationalmannschaft kennt Gabor Gulyas auch aus seinem persönlichen Fußballeralltag. „So schnell wie beim FC Schrobenhausen Höhen da sind, sind auch wieder Tiefen da“, sagt der Stürmer lachend. Dem Verein ist er trotzdem seit vielen Jahren treu, hat zwar – auch verletzungsbedingt – nicht jede Saison einen Großteil der Spiele gemacht, dabei aber trotzdem immer wieder getroffen. Wie die eigene sportliche Planung aussieht? „Ich bin jetzt fast 30, habe eine Familie. Da werde ich keine Experimente mehr wagen, sondern beim FC Schrobenhausen bleiben“, sagt Gulyas. Das bedeutet aktuell nur in der B-Klasse. Aber für die ganz große Fußballbühne gibt es ja Ausflüge wie an diesem Mittwoch zum Länderspiel nach Stuttgart.

SZ