Pegel auf Rekordniveau
Hochwasser in Schrobenhausen: Antworten auf drängende Fragen – Updates folgen

03.06.2024 | Stand 03.06.2024, 11:39 Uhr |

Das Leipa-Werk in Schrobenhausen steht unter Wasser. − Foto: M. Schalk

Die Hochwassersituation im Schrobenhausener Land hat sich in weiten Teilen wieder beruhigt, dabei steht der Pegel Mühlried immer noch auf Rekordniveau: 3,4 Meter wurden vor diesem Wochenende erst zweimal überhaupt registriert. Die SZ-Redaktion beantwortet die drängendsten Fragen – nach und nach.



Aufgrund der extremen Hochwasserbedingungen musste das Leipa-Werk in Schrobenhausen in der Nacht zum Sonntag evakuiert werden. „Alle Mitarbeiter konnten in Sicherheit gebracht werden, es gibt keine Verletzten und es wird niemand vermisst“, meldet die Unternehmensleitung.

Wie geht es bei Leipa weiter?


„Die Geschwindigkeit und das Volumen des Wasseranstiegs waren nicht mit bisherigen Hochwassersituationen vergleichbar“, berichtet Christian Schürmann, Geschäftsführer bei Leipa. „Für eine genaue Schadensbewertung ist es derzeit noch zu früh, da weite Teile des Werkes aktuell noch nicht zugänglich sind.“ Die anhaltend hohen Pegelstände verhindern den Zutritt.

Aktuelle Nachrichten zur Hochwasser-Situation im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen finden Sie in unserm Newsblog.

„Unsere Mitarbeiter haben routiniert und vorbereitet auf die Situation reagiert. Der Einsatz und die schnelle Reaktion aller Beteiligten haben Schlimmeres verhindert“, lobt Schürmann. Leipa werde in den kommenden Tagen die Situation weiter beobachten und die notwendigen Schritte zur Wiederherstellung des Betriebs einleiten. „Wir bleiben optimistisch, dass wir die Herausforderun-
gen meistern und den Betrieb so schnell wie möglich wieder aufnehmen können.“

Wie funktioniert der Busbetrieb ohne den Busbahnhof?



„Der Schrobenhausener Stadtbus fährt zurzeit nicht“, sagt Busunternehmer Josef Spangler, „und auch etliche andere Linien fallen zurzeit aus. Man muss sehen, was möglich ist.“ Er und seine Mannschaft waren das ganze Wochenende über damit beschäftigt, sich mit Kommunen und anderen Betreibern abzusprechen. So wurde eine Ersatzhaltestelle beim Aldi an der Pöttmeser Straße eingerichtet, nachdem der Busbahnhof nicht zur Verfügung steht.

Am Sonntag waren die Spanglers mit Bussen unterwegs und bei der Altenheim-Evakuierung beteiligt, haben die Geretteten in der Bahnhofstraße eingesammelt und dann auf freie Betten verteilt, in Neuburg, Bergheim, wo immer Platz war – ehrenamtlich. „Da stellen wir nichts in Rechnung“, sagte Josef Spangler. Was ihn beeindruckte: Wie die Hilfe überall im Kleinen funktioniert – die Menschen kamen mit nichts aus dem Altenheim, ohne Wechselkleidung, mit nichts außer ihren Medikamenten. Aber es ist immer jemand da, der hilft, der etwas besorgt, der zupackt.

Die RBA, die viele Linien im Schrobenhausener Land bedient, meldete am Montag auf Anfrage dies: „Aktuell wird der Busbahnhof in Schrobenhausen, sowie Ortschaften die vom Hochwasser betroffen sind nicht bedient. Wir können leider nicht wirklich planen da wir ebenso kurzfristig reagieren müssen.“

Stromversorgung beeinträchtigt



Das Bayernwerk hat wegen der Hochwassersituation eine Flut von Störungen zu bewältigen. Am Sonntagmittag waren im Netzgebiet bis zu 7500 Haushalte zeitweise ohne Strom, etliche auch im Schrobenhausener Land. Die Stromversorgung sei weiterhin stellenweise eingeschränkt, meldet das Unternehmen. Das Bayernwerk bittet alle vom Hochwasser Betroffenen um besondere Vorsicht in der Nähe von elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln wie Hausanschlusskästen, Verteilerschränke und Zähleranlagen, die insbesondere im Kellerbereich eine Gefahr darstellen können. Überflutete Bereiche sollten deshalb nicht betreten werden. Bei Überflutungen elektrischer Anlagen in Wohngebäuden sollte der jeweilige Netzbetreiber informiert werden.

Sparkasse in der Stadt geschlossen



Auch die Geschäftsstelle der Sparkasse in Schrobenhausen von der Hochwassersituation betroffen. Das Beratungscenter Schrobenhausen (am Lenbachplatz) ist für Service und Beratung vorübergehend geschlossen. Die Bargeldversorgung in Schrobenhausen ist über die SB-Stellen an der Pöttmeser Str. 6b bzw. an der Gerolsbacher Str. 9 sichergestellt.

Wie sieht es bei den Schrobenhausener Apotheken aus?



Bekanntlich sind alle Schrobenhausener Apotheken in der Altstadt; die war am Sonntag noch wegen des Hochwassers kaum erreichbar, am Montag hat sich die Lage soweit entspannt, dass einige wieder öffnen konnten. „Die Rathaus-Apotheke ist geöffnet“, meldet Apotheker Hanns J. Schultes, „wenn auch nicht unter Volllast, weil noch nicht alle Stromkreise wieder hergestellt sind.“ Die Ring-Apotheke hingegen hatte am Montagvormittag noch zu wenig Strom, um wieder in Betrieb zu gehen; das Bayernwerk arbeitet mit Hochdruck an der Behebung der Schäden.

In der Engelhardt-Apotheke ist der Keller vollgelaufen, es gab dort am Montag keinen Strom. Das Team öffnet aber am Montag, um vorbestellte Medikamente abzugeben. „Ansonsten sind wir aktuell nicht betriebsbereit“, meldet Apotheker Jürgen Mill. „Wenn wir wieder Strom haben, könnten wir in einen Notbetrieb gehen.“ Das Wasser sei im Kundenbereich zirka fünf Zentimeter hoch gestanden. Nicht verschreibungspflichtige Medikamente können in geringem Umfang abgegeben werden und vorerst händisch verbucht werden. Vorsicht – Kartenzahlung nicht möglich. „Mit einer derartigen Überschwemmung haben wir nicht gerechnet“, sagt Mill, deshalb seien am Samstag auch keine Vorbereitungen getroffen worden.