Schrobenhausen
Grüne Lungen

Schützenswerte Gebiete im Landkreis bieten seltenen Tieren und Pflanzen eine Heimat

02.06.2022 | Stand 22.09.2023, 22:40 Uhr |

Das Goachat zählt zu Schrobenhausens Naturschätzen. Foto: H. Müller

Von Harald MüllerSchrobenhausen/Neuburg – Im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen gibt es viele schöne Orte. Manche von ihnen sind besonders schützenswert. Vier dieser Gebiete stellen wir hier vor. Im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen wurden in den 50 Jahren seines Bestehens 13 Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen. Sie liegen mit einer Gesamtfläche von 2957 Hektar in allen wertvollen Landschaften des Landkreises, im Jura im Norden, den Donauauen, im Donaumoos und im Paartal im Süden. So werden alle heimatkundlich bedeutenden Regionen berücksichtigt. Das Wellheimer Donautrockental (bei den Mauerner Höhlen), das Usseltal, das Donautal westlich von Neuburg, das Dachsholz im Donaumoos, das Asperwäldchen (zwischen Sandizell und Grimolzhausen), Sandizeller Laich bei Ludwigsmoos, das Polnhölzl bei Karlskron, Am Albersbach im Gemeindebereich von Brunnen, die Paarauen um Schrobenhausen und der Beinberg bei Gachenbach.nFinkenstein: Auf halbem Wege zwischen Stepperg und Neuburg erhebt sich am Nordufer der Donau fast von der Höhe des Flussspiegels ein etwas mehr als 50 Meter hoher Fels – der Finkenstein. Ob er seinen Namen von den Finken herleitet, die es dort natürlich auch gibt, mag dahingestellt bleiben; in der handschriftlichen Karte des Landvogtamtes Neuburg aus dem Jahre 1588 ist er als „Farckenstein“ bezeichnet.

Der zum Fränkischen Jura zugehörige Finkenstein besteht aus vor 180 Millionen Jahren entstandenen Plattenkalken. Vor einigen 10000 Jahren nahm die Donau einen neuen Lauf und schaffte den Neuburger Donaudurchbruch bei Stepperg zusammen mit dem Neuburger Flüsslein und legte in den folgenden Jahrtausenden unterschiedliche Felsenbrüche in seinem heutigen Tal frei. Der Rifffelsen des Finkensteins und seine unmittelbare Umgebung sind durch eine Pflanzenwelt ausgezeichnet, die aus vorwiegend wärmeliebenden Arten besteht.

Eine besondere Reptilienart, die sich gerne am Finkenstein sonnt, ist die Schlingnatter. Das Naturschutzgebiet Finkenstein ist 4,8 Hektar groß, hier siedelten auch verschiedene Pflanzenarten aus den östlichen wärmeren Gegenden Mitteleuropas. Eine der seltensten Pflanzenarten ist das Bayerische Federgras, das weltweit ausschließlich auf diesem Felshang wächst. Wegen dieser seltenen Flora und Fauna ist das Gebiet um den Finkenstein durch Verordnung der Regierung von Schwaben bereits 1941 unter Naturschutz gestellt worden und zählt somit zu den ältesten schützenswerten Gebieten Deutschlands.

Das Goachat: Das Goachat zählt zu Schrobenhausens Naturschätzen, hier finden nicht nur Tiere ihre Ruhe, sondern auch der Mensch kann hier wunderbar abschalten. Das Goachat bezeichnet die Wiesen und Auen in der Paar-Niederung südwestlich von Schrobenhausen. Das Paartal mit der ungebändigt mäandernden Paar ist eine der letzten naturnahen Flusslandschaften im Herzen Bayerns mit feuchten Streuwiesen, weiten Schilffeldern, Altwässern und Bruchwäldern. Viele seltene Tier- und Pflanzenarten haben hier ihren Lebensraum.

Geformt wurde das Goachat wie das Paartal in der Eiszeit vor zirka 20000 Jahren durch Schmelzwasser. Mit vielen Windungen und Kurven floss die Paar auch durch die Auen kurz vor Schrobenhausen. Doch etwa Ende des 19. Jahrhunderts gab es hier einen entscheidenden Eingriff durch die Leinfelder-Papierfabrik. Um Strom erzeugen und Zellulose herstellen zu können, wurden große Wassermengen benötigt. Um den Bedarf zu decken, erhielt das Unternehmen um 1882 die Erlaubnis, die Paar zu stauen und in einen künstlichen Kanal umzuleiten. In der Folge trocknete das alte, geschlängelte Flussbett aus und bildete das Goachat.

Doch was bedeutet der Name „Goachad oder Goachat“? Der Name rührt von dem altbayerischen Wort Goachat für Eiche her und lässt sich auf die Auwälder mit deren Eichenbestand zurückführen.

Die Donauauen: Zwischen Neuburg und Ingolstadt befindet sich auf zirka 20 Kilometern eines der bedeutendsten Auwaldgebiete an der deutschen Donau. Die eigentlichen Auwaldflächen wie auch die Vielzahl anderer Lebensräume, die man in den Donauauen finden kann, sind Heimat für eine herausragend hohe Zahl an Tier- und Pflanzenarten: vom Biber bis zum Eisvogel, von der Gelbbauchunke bis zum Frauenschuh, vom Bitterling bis zum Hirschkäfer. Das Vorkommen all dieser Arten und Lebensräume in den Donauauen hat zu deren Ausweisung als Natura2000-Gebiet geführt – ein Ausdruck für die Bedeutung dieses Naturschatzes auch auf europäischer Ebene.

Um die Bedeutung dieses Naturerbes zu unterstreichen, die Renaturierung der Donau zu unterstützen und die Öffentlichkeit darüber zu informieren, wurde vom Förderverein Auenzentrum Neuburg das Auenzentrum Neuburg/Donau gegründet. Es hat seinen Sitz im Jagdschloss Grünau. Vom Schloss Grünau aus bieten sechs Themenwege die Möglichkeit, die Schönheit und Bedeutung der Donauauen kennen zu lernen.

Informationen zur Dynamisierung und Renaturierung der Donauauen gibt es in Verbindung mit einer Führung durch das Aueninformationszentrum mit Gästeführerin Maria Weibl am 25. Juni von 14 bis 16.30 Uhr. Treffpunkt ist am Eingang von Schloss Grünau mit anschließender Exkursion in den Auwald. Weitere Führungen sind im Internet zu finden unter https://www.auenzentrum-neuburg-ingolstadt.de/aueninformationszentrum/index.html.

Der Englische Garten: Das Auwaldgebiet, das wir als „Englischen Garten“ bezeichnen, erstreckte sich bis Anfang des 17. Jahrhunderts zwischen einem nördlichen und südlichen Donauarm, der etwa in der Mitte des heutigen Donaukai vom nördlichen Flussbett abzweigte. Dieser Auwald in Richtung Ingolstadt war von Altwasserarmen leiterartig durchzogen und bildete auf diese Weise Inseln, sogenannte „Schütten“. Die westlichste, stadtnächste dieser Schütten diente als Wildgehege und trug daher den Namen Wildprettschütt.

Anfang des 19. Jahrhunderts begann die erste große Regulierung der Donau und die Altwasserarme verschwanden. Zur gleichen Zeit nahm Maria Amalia, Herzogin von Zweibrücken nach dem Tod ihres Gemahls Karl II. August von Zweibrücken († 1795) ihren Witwensitz in Neuburg. Der damalige bayerische Kurfürst Max IV. Joseph, der spätere König Max I. Joseph, besuchte seine Schwägerin Maria Amalia in Neuburg des Öfteren und blieb mehrere Wochen. Es muss ihm in Neuburg gut gefallen haben, allerdings vermisste er dort einen Englischen Garten, wie er ihn in München vorfand.

Deshalb wollte Kurfürst Max IV. Joseph seiner Schwägerin Maria Amalie „eine sonderbare Lustbarkeit“ erweisen. Er verfügte, dass die „Wildprettschütt“ am besten für dieses Vorhaben geeignet sei. Der von Friedrich Ludwig von Sckell gestaltete Englische Garten in München sollte als Vorbild dienen. Der Englische Garten ist in die Denkmalliste aufgenommen und seit 1987 als Landschaftsschutzgebiet anerkannt.

SZ