Maria Beinberg

Gerüst über dem Ort der Mirakel

Der Turm der Wallfahrtskirche Maria Beinberg zeigt sich wegen der laufenden Sanierungsarbeiten eingehüllt

07.06.2022 | Stand 07.06.2022, 16:35 Uhr

Wetterfest sollte es schon sein, das Gerüst, das den Turm der Wallfahrtskirche Maria Beinberg umgibt – die Wolken am Horizont deuten jedenfalls auf diesem Bild auf ein Unwetter hin, das aufziehen könnte. Foto: A. Schilling

Von Thomas Floerecke

Maria Beinberg – Wer sich dieser Tage, egal aus welcher Richtung, der Wallfahrtsstätte Maria Beinberg nähert, wird bemerken, dass der Kirchturm von einem unübersehbaren Gerüst umgeben ist. Grund dafür sind die Sanierungsarbeiten. Das Mauerwerk wird in Teilen ausgebessert, die Turmzwiebel wird restauriert. Wenngleich das Gelände für die vielen kleineren und größeren Pilgergruppen, die an den Pfingstfeiertagen dort unterwegs waren, deshalb nicht vollständig zugänglich war, bleibt die Vorfreude auf die Zeit nach dem Abschluss der Baumaßnahmen im Herbst nächsten Jahres.

Wallfahrtsbetrieb auf Maria Beinberg gibt es seit gut 500 Jahren, und dass er vor 300 Jahren schon sehr rege gewesen sein muss, ist unter anderem im 1727 begonnenen Mirakelbuch festgehalten, das außerdem einen umfangreichen Einblick in die Wallfahrtsbräuche auf Maria Beinberg gewährt. Die wechselnden handschriftlichen Aufzeichnungen über mehrere Jahrzehnte hinweg zeigen gerade Einträge von Pilgern und verschiedensten Wallfahrtsgruppen, die seinerzeit darin vor Ort ihre Sorgen und Nöte der Gottesmutter Maria schriftlich anvertrauten.

Dieses Mirakelbuch ist im Original übrigens noch vorhanden. Über 2000 Einträge auf 553 Seiten mit vielen kurzen, persönlichen Dankesbotschaften aller Gesellschaftsschichten der damaligen Zeit – wie Adelige der Region, Soldaten und die überwiegend bäuerlich-ländliche Bevölkerung – sind nachzulesen, beispielsweise typische Einträge wie diese hier: „...ist herauf gegangen und ihre Bitt ist erhört worden.“ Aber auch ausführliche Wunderaufzeichnungen stehen darin, wie es Pfarrer Stephan Rauscher, der in Gachenbach aufgewachsen ist und auf Maria Beinberg seine Primiz feierte, in seiner Diplomarbeit dokumentiert hat. So schrieb etwa eine Bürgerin aus Gundertshausen um das Jahr 1730 nieder, dass „ihr Mann in schwerer Krankheit gelegen war, vier Wochen seines Verstands geraubt war, nichts geholfen hat.“ Endlich sei ihr die heilige Muttergottes in den Sinn gekommen, dann habe sie auf dem Beinberg einen Rosenkranz gebetet, und alles sei wieder gut geworden.

SZ