Lehrerkonzert am Gymnasium
Gelungene Neuauflage einer gelungenen Veranstaltung

25.01.2024 | Stand 25.01.2024, 11:00 Uhr |

Dass Eltern und Lehrer zusammen musizieren – so wie auf dem rechten Bild Sebastian Bauer und Rita Brunner – gibt es auch nicht alle Tage. Am Schrobenhausener Gymnasium funktionierte dieses Konzept mal wieder wunderbar. Foto: Erdle

Zum zweiten Mal nach 2018 hat es am Gymnasium Schrobenhausen vor vollem Haus ein Lehrerkonzert gegeben. Vorgeblich eingeschüchtert durch den erheblichen Publikumsandrang „musste“ Schulleiter Markus Köhler zum Auftakt eine Lehrer-Eltern-Blasmusik (aus Lehrern, Eltern und mit Michael Sandt sogar mit einem Lehrer-Elter) in der Polka-Hymne vom „Böhmischen Traum“ dirigieren. Das Instrumentalkollegium der Schule hatte sodann, ohne weiteres Dirigat, einen sehr runden Abend vom Renaissancemadrigal bis zur Musicalmelodie auf die Beine gestellt, sozusagen einen Kessel bunter Klassik mit Nebeneffekt; denn so erleben Schüler „ihre“ Lehrer einmal in umgekehrter Rolle.

„Gell“, kann der Schüler beruhigt feststellen, „Sie waren gestern auch leicht nervös, gell, der eine Takt hätte ein bisschen mehr Proben vertragen, und das gemeinsame Verbeugen gehört gescheit geübt!“ Dass es sich also auch bei Lehrern um Künstler, und gleichzeitig auch um Menschen handeln kann, ist nicht der schlechteste pädagogische Ertrag so einer dankenswerten Veranstaltung, in die sicher einiges an überobligatorischer Probenzeit investiert wurde. Christian Nees vertrat mit einem Solowalzer die These, dass man „selbst auf dem Kontrabass Musik machen“ könne; und nach dem Motto „Was kann schlimmer sein als ein Kontrabass?“ folgte sogleich für drei Kontrabässe eine vergnügliche Volkslied-Bearbeitung.

Zwei Ungarische Tänze



Ansonsten waren natürlich vor allem die Pianistinnen und Pianisten gefragt, begleitend als Akkordarbeiter oder auch solistisch. Zwei Ungarische Tänze von Brahms fanden sich da schwungvoll mitreißend in den vier rührigen Händen von Brigitte Mezger und Angelika Sandt, Dominik Lindner unterstützte nicht nur die Opernstimme von Giulio Caselli in vier Liedern aus Schuberts „Schöner Müllerin“, sondern steuerte eine eigene spätromantische „Mondnacht“-Vertonung bei, ganz ohne Furcht vor dem Schumannschen Vorbild, und trat auch solistisch mit dunkel-virtuosem Skrjabin hervor. Manche Multi-Instrumentalisten wechselten während des knapp zweistündigen Programms gar umstandslos zwischen Blech- und Holzblasinstrument und zwischen Griffbrett und Klaviertasten. Stark im Gedächtnis blieben die Flötentöne: Sebastian Bauer zeigte als Elternvertreter im makellosen Bach-Spiel mit Rita Brunners Violine, dass er mitnichten auf den Spezialtiefbau spezialisiert ist; Markus Bartholomé soll während der rasenden Sechzehntelläufe einer für das Hörvergnügen höchst dankbaren Konzertpolonaise angeblich tatsächlich sogar einmal geatmet haben, und Mina Voet und Nicola Göbel spielten sich die barocken Figurationen in Telemanns ungewöhnlich besetztem Konzert für Block- und Querflöte nur so zu. Und schließlich machten die Mitwirkenden ganz ohne Instrumente als Lehrerchor im sechsstimmigen Abendlied von Rheinberger auch vokal konzerttaugliche Figur.

Schulleiter haben (in der Schule) immer recht



Schulleiter haben (in der Schule) bekanntlich immer recht, aber Direktor Köhlers Ankündigung eines „amüsanten, abwechslungsreichen und unterhaltsamen Abends“ war nicht nur angesichts des mächtigen Schlussbeifalls eine ziemliche Untertreibung. Lehrerkonzerte am Gymnasium: ein andermal bald mehr davon.

SZ