Niemals die Hoffnung verlieren!
GEDANKEN ZUM SONNTAGvon Pfarrer Marek Pokorski aus Schrobenhausen

16.06.2024 | Stand 16.06.2024, 5:00 Uhr |

Pfarrer Marek Pokorski ist selbst auch vom Hochwasser betroffen Foto: privat

Liebe Leserinnen und Leser,

das Hochwasser ist seit zwei Wochen dominierendes Thema. Viele Menschen im Schrobenhausener Land und in Bayern wurden durch die Katastrophe heimgesucht. Ich auch. Das erste Mal in meinem Leben bin ich Opfer eines Hochwassers geworden. Viele Male habe ich in den letzten Jahrzehnten Berichte über Hochwasser in den Medien verfolgt. Dieses Mal habe ich es am eigenen Leib erleben müssen.

Samstagabend nach der Vorabendmesse in St. Jakob konnte ich noch mein Auto in Sicherheit bringen. Es folgte eine schlaflose Nacht. Im Keller drang Wasser ein. Kurz nach vier Uhr morgens klopfte jemand an die Terrassentür. „Nehmen Sie die nötigsten Sachen mit. Wir müssen Sie evakuieren, weil das Wasser steigt!“

Mit meinen Nachbarn ging ich durch das Wasser, das zu diesem Zeitpunkt bereits bis zu den Knien stand. Mit einem Radlader wurden wir aus unseren Häusern geholt und in Sicherheit gebracht. Einige Stunden verbrachte ich in der Alten Schweißerei. Dort wurden wir sehr freundlich aufgenommen. Jeder bekam ein Feldbett, eine Decke, etwas Warmes zum Trinken und auch etwas zum Essen. Die Evakuierung lief ruhig und professionell ab. Man hat immer wieder nachgefragt, ob da noch jemand in der Wohnung geblieben ist.

In meinem Namen und aller Geretteten sage ich an dieser Stelle allen Helferinnen und Helfern ein „Herzliches Vergelt’s Gott“!

Ich war nur einige Stunden im Gebäude der Firma Bauer. Dann wurde ich von einer Familie in Steingriff herzlich aufgenommen. Somit wurde ich für fünf Tage ein Steingriffer. Danke dieser Familie und allen Familien, die die Opfer des Hochwassers aufgenommen haben.

Wenn man der furchtbaren Hochwasserkatastrophe etwas Positives abgewinnen will, dann vielleicht dies, wie unglaublich die Menschen zusammengerückt sind, wie jeder dem anderen hilft, so gut es geht. Das bestätigt auch unser Bürgermeister Harald Reisner. Er sagte gegenüber der Schrobenhausener Zeitung: „Es gibt ein enormes Gemeinschaftsgefühl. So habe ich das bei uns in Schrobenhausen selten erlebt.“ Auch ich habe in meinem Haus mit mehreren Wohnungen diese Erfahrung gemacht. Man hilft sich gegenseitig beim Aufräumen und lernt sich dadurch besser kennen.

Liebe Brüder und Schwestern, viele Menschen haben ihr Hab und Gut verloren, auch ich. In diesen Tagen denke ich an ein Sprichwort, das ich vor vielen Jahrzehnten gehört habe: „Hast du deinen Reichtum verloren, hast du nichts verloren. Hast du deine Gesundheit verloren, hast du die Hälfte verloren. Aber wenn du die Hoffnung verlierst, dann hast du alles verloren.“

Verlieren wir also nicht die Hoffnung. Sie ist in diesen Tagen besonders wichtig.

Ich grüße Sie und
Euch herzlich!
Marek Pokorski, Pfarrer