Ehekirchen

Galoppierende Baukosten für Kinderkrippe

Seit Juni 2017 steht fest, dass die Einrichtung erweitert werden muss – nun gibt es einen neuen Plan

09.11.2022 | Stand 09.11.2022, 17:00 Uhr

Laut Planung des Architekten könnte der Baubeginn für die neue Kinderkrippe, die hinter dem Alten Pfarrhof entstehen soll, im September 2023 erfolgen. Bezugsfertig wäre das Gebäude dann ein Jahr später. Foto: Budke

Von Heidrun Budke

Ehekirchen – Bereits im Juni 2017 wurde beschlossen, dass im Ehekirchener Ortsteil Walda eine neue Kinderkrippe mit drei Gruppen entstehen soll. Im Verlauf der Planungen ergab sich, dass das Projekt über das europäische Vergabeverfahren ausgeschrieben werden muss. Als Ergebnis wird der bisherige Planer Martin Käser durch ein neues Architekturbüro abgelöst. In der Ratssitzung am Dienstagabend stellte Inhaber Matthias Kruppa den aktuellen Sachstand vor.

Als Machbarkeitsstudie müsse man ansehen, was bisher an Plänen erstellt worden war, blickte Architekt Matthias Kruppa zurück. Tatsächlich fußen Pläne auf jene, die Martin Käser in der Vergangenheit erstellt hatte, auf. So soll die neue Kinderkrippe in Walda hinter dem Alten Pfarrhof entstehen, der Gebäuderücken wird quasi parallel zur Staatsstraße 2035 verlaufen. Auf dieser Seite der Krippe sollen sich die Personalräume befinden, während die Gruppenräume zum Alten Pfarrhof hin und damit gleichzeitig zum Außenspielbereich ausgerichtet werden.

Gebäude erinnert anFlugzeug-Tragflächen

Auf der Skizze erinnert das Gebäude an die Tragflächen eines Flugzeuges: Von einer Mitte, in der sich ein variabler Mehrzweckraum mit dem Eingangsbereich zu einem großen Raum verbinden lässt, zweigen die beiden Gebäudeteile nach rechts und links ab und orientieren sich an dem Verlauf der Böschung zur Staatsstraße. Dadurch, dass die Flügel leicht abknickend angeordnet sind, wird zur Böschung hin kein Raum vergeben und dadurch gleichzeitig der Spielbereich zwischen neuem Gebäude und Altem Pfarrhof vergrößert.

Eine Sache, die die Gemeinderäte unter anderem interessierte, war die Frage, aus welcher Richtung der Zugang erfolgen solle. Bisher war die Idee, dies über die Zufahrt zum Kirchenparkplatz zu regeln, die links am Grundstück vorbeiführt. Kruppa plant mit einer Zufahrt, die rechts am Alten Pfarrhof und damit auf der anderen Seite platziert werden soll. Das sei sicherer.

Holzbauweise lässt sichschneller umsetzen

Außerdem plädierte Kruppa für eine Holzbauweise, die sich schneller umsetzen lasse und bei Abwägung aller Vor- und Nachteile, zum Beispiel Trocknungszeiten der Materialien, nicht teurer sei als Ziegelbauweise. Das Dach solle begrünt werden. Auf Nachfrage von Thomas Braun (FW) erklärte Kruppa den Aufbau, in dem auch ein wurzeldichtes Vlies enthalten sein muss und zerstreute Bedenken hinsichtlich erhöhtem Wartungsaufwand: „Das pflegt sich selber.“ Es reiche aus, wenn einmal im Jahr bei der ohnehin notwendigen Reinigung der Dachrinnen jemand nach dem Rechten schaue. Zu befürchteten Undichtigkeiten stellte der Architekt fest, das sei bei einer „ordentlichen Bauweise“ kein Problem. Das neue Konzept hatte Kruppa bereits mit der Kindergartenleitung besprochen und Anregungen aufgegriffen. Außerdem fließen in die Entwürfe des erfahrenen Planers Fragen zu Klimaschutz, Energiesituation und Nachhaltigkeit grundsätzlich mit ein. Dies hatte Kruppa vorgestellt, bevor er die Gebäudeskizzen präsentierte. Insgesamt trafen die Pläne die Zustimmung der Gemeinderäte. Details können „wie bei einer Autobestellung“, so Kruppa, später abgestimmt werden.

Still wurde es im Sitzungssaal, als die Kosten angesprochen wurden. Im Februar 2021 hätte die Schätzung bei zirka 4,34 Millionen Euro gelegen. „Seither sind die Baukosten quasi galoppiert“, stellte Kruppa fest, „die Entwicklung ist dramatisch.“ Nun seien es „zirka 5,8 Millionen Euro, die wir ansetzen müssen, ohne dass das Gebäude anders geworden ist.“ Controlling sei ein Thema in seinem Büro, auf das viel Wert gelegt werde, betonte Kruppa: „Wir nehmen den Kostenrahmen sehr ernst.“ So werden auf die zu erwartenden Baukosten Risikopuffer aufgerechnet, damit die Gemeinde einen Ansatz in den Haushaltsplan stellen kann, der letztlich nicht überschritten werde.

Wie hoch die Förderungen sein werden, wollte nicht nur Gemeindeoberhaupt Günter Gamisch wissen. Auch aus dem Gremium kam diese Frage. „Das interessiert jeden im Raum“, war Gamisch sicher. Da Kruppa das aufgrund der komplizierten Fördersituation nicht spontan beantworten könne, soll er für den nächsten Termin eine Schätzung vorbereiten.

Gebäude soll im September 2024 fertig sein

Als Zeitplan hatte Kruppa avisiert, dass das Gebäude im September 2024 endlich fertig sein könnte. Gerd Kaufmann (FW) hakte mit Blick auf die zurückliegende lange Planungszeit nach: „Wie realistisch ist das – wir haben ja schon Erfahrungen?“ Kruppa antwortete an das Gremium gewandt: „Das liegt letztlich an Ihnen – ich halte es für realistisch, aber es hängt von Ihrer Entscheidungsfreudigkeit ab und von den Fachplanern.“ So forderte Josef Hermann (CSU) letztlich seine Ratskollegen auf: „Auf was warten wir noch?“

Dem Vorschlag zum Grundsatzbeschluss von Gamisch, das Büro mit der Fortsetzung der Planung zu beauftragen, Zuschüsse zu klären und das pädagogische Personal miteinzubeziehen, stimmten alle Gemeinderäte zu.

DK