Schrobenhausen
Für weiterhin gutes Trinkwasser

Wie und warum alte Leitungen ausgetauscht werden – Die Schrobenhausener Trinkwasserversorgung (4)

13.06.2022 | Stand 22.09.2023, 22:19 Uhr

Im Auftrag der Stadtwerke Schrobenhausen läuft die Baustelle im Moment, abschnittsweise tauschen Bautrupps die 70 Jahre alte, unterirdische Trinkwasserhauptleitung aus und verlegen die neue Leitung. Fotos: Floerecke

Von Thomas Floerecke

Schrobenhausen – Tobias Zimmermann hat die Sache fest im Griff. Seit 22 Jahren arbeitet der Mühlrieder bei den Schrobenhausener Stadtwerken und befasst sich unter anderem mit dem Einbau neuer und dem gleichzeitigen Austausch alter Trinkwasserleitungen. Er kennt sie fast alle, hat von nahezu allen Unterlagen im Archiv. Und das sind nicht wenige. Zusammengerechnet gibt es im Schrobenhausener Stadtgebiet mit den direkt angrenzenden Ortsteilen immerhin 110 Kilometer unterirdische, weit verzweigte Trinkwasserhauptleitungen. Von dort aus verlaufen zusätzlich gut 70 Kilometer Wasserleitungen an 4300 Hausanschlüsse.

Gerade beschäftigt sich der Bauingenieur mit der Kerschensteinerstraße. Dort läuft eine der Baustellen des Kommunalunternehmens. Die Arbeiten sind in vollem Gange. Weil die Leitungen hier bereits 70 Jahre alt sind, tauscht sie eine beauftragte Baufirma aus und ersetzt sie durch neue. In den vergangenen zehn Jahren ist es an dieser Stelle außerdem zum einen oder anderen Wasserrohrbruch gekommen. Und dann neigen alte Leitungen „irgendwann sogar zum Brechen“, weiß Zimmermann aus langjähriger Erfahrung. Und dem, sagt der Bereichsleiter für die Wasserwirtschaft, heiße es vorzubeugen und für die Anwohner „die hohe Versorgungssicherheit und Wasserqualität dauerhaft zu gewährleisten“. Genügend Gründe also, weshalb im Versorgungsgebiet nach und nach die zwischen 60 und 100 Jahre alten Trinkwasserleitungen ersetzt werden. Weil sie unterirdisch verlegt seien, berichtet Zimmermann, müsse der Austausch „in offener Bauweise“ durchgeführt werden. Mit anderen Worten: Die Bagger müssen anrollen.

Die Planungen führen die Stadtwerke über die Wintermonate durch. So wie für die Kerschensteinerstraße, die 190 Meter lange und relativ enge Verbindung zwischen Konrad-Kuhn-Straße und Pestalozzistraße. Die Bautrupps gehen dabei abschnittsweise vor und verlegen die neuen Hauptwasserleitungen mit einem Durchmesser von 100 Millimeter. Dazu ist diese Straße für den Durchgangsverkehr gesperrt, die Anwohner können zu Fuß ihre Grundstücke erreichen.

Platz für die neue Trinkwasserleitung finden

Der Graben hier ist um die 1,20 Meter breit und um die 1,60 Meter tief. Die genaue Lage der neuen Trinkwasserleitung wurde in der Planung festgelegt. Denn man müsse wissen, sagt Tobias Zimmermann, dass der Platz unterirdisch beengt sei, auf die bereits vorhandenen Leitungen müsse man achten: Wasserleitung, Kanal, Gas, Strom, Telefon. Während die Bauarbeiten laufen, bleiben die bestehenden Trinkwasserleitungen laut Zimmermann angeschlossen und aktiv: „Selbstverständlich müssen die einzelnen Häuser auch während der Bauphase mit Trinkwasser versorgt werden“.

Nach dem Aufbruch und Aushub wird die neue Leitung eingelegt. Etliche sechs Meter lange Rohre sind zu sehen, die Stück für Stück zusammengesteckt und gesichert werden. Im Anschluss daran werden sie mit Sandbettungen umhüllt und verdichtet. Sind die Trinkwasserleitungen abschnittsweise verlegt, werden sie ans Netz angeschlossen. Dann folgen zahlreiche Tests und Wasserproben, die neuen Leitungen werden zusätzlich immer wieder durchgespült. Zug um Zug erfolgt im nächsten Schritt der Anschluss an alle Hausanschlüsse. Funktioniert das alles reibungslos nach den Probeläufen, können die alten Leitungen entfernt, der Graben mit unterschiedlichstem Auffüllmaterial bis hin zur Asphaltdeckschicht wieder dicht gemacht werden.

Einmal eine Handgranate ausgegraben

Bislang ist in der Kerschensteinerstraße alles nach Plan verlaufen, der Fertigstellungstermin in wenigen Wochen kann voraussichtlich eingehalten werden. Mitunter auch deshalb, berichtet der Mühlrieder Bauingenieur, weil die Erdschichten relativ leicht zu durchdringen gewesen seien, was man vorher nicht immer genau wisse. Gefunden haben die Bautrupps auch nichts, bisher zumindest nichts. Nichts historisch Wertvolles. Auch keine Überbleibsel aus dem Zweiten Weltkrieg. Das käme im Schrobenhausener Raum ziemlich selten vor, erzählt Tobias Zimmermann. Und erinnert sich dabei an einen Trinkwasserleitungsaustausch in der Georg-Leinfelder-Straße vor 15 Jahren, als eine Handgranate von einem Bagger ausgegraben worden ist. Nichts ist passiert, der herbeigerufene Kampfmittelräumdienst hat das Fundstück zur Untersuchung mitgenommen.

Üblicherweise greifen die Stadtwerke bei ihren Planungen im Vorfeld auf Luftbilder und historische Aufzeichnungen wie etwa Feuerwehrtagebücher und Brandschadenslisten zurück. Daraus lassen sich erkennen, an welchen Stellen es während des Zweiten Weltkriegs zu Kampfhandlungen und Artilleriebeschuss gekommen ist. Erst wenn nach Prüfung sämtliche Risiken ausgeschlossen sind, ist zu erfahren, können die Arbeiten vor Ort beginnen.

Hohe Investitionen in das Trinkwassernetz

Damit in Schrobenhausen ein mit Genuss trinkbares Grundnahrungsmittel Nummer eins aus der Wasserleitung kommt, betreiben die Stadtwerke Schrobenhausen eine Menge Aufwand und nehmen auch ordentlich Geld in die Hand. Dazu zählt eben auch die kontinuierliche Erneuerung bestehender Trinkwasserleitungen. Für dieses Jahr ist die Umsetzung mehrerer solcher Ausbauprojekte geplant. So wie jedes Jahr. Heuer bekommt neben der Kerschensteinerstraße beispielsweise die Freifrau-von-Moreau-Straße eine neue Trinkwasserleitung.

Für die regelmäßige Erneuerung von rund anderthalb Kilometer an Hauptwasserleitungen und Hausanschlussleitungen investieren die Stadtwerke pro Jahr zwischen ein und zwei Millionen Euro brutto. Diese Kosten werden nicht eigens den Anliegern in Rechnung gestellt, sie werden über die Wassergebühren finanziert. Unterm Strich, ist sich Tobias Zimmermann ganz sicher, „bedeuten neue Wasserleitungen langfristig nicht nur unbedenklich trinkbares Wasser ohne jegliche Verunreinigungen sondern auch Nachhaltigkeit“.

SZ