Neuburg

Ein dicker Brocken ist fertig

Verschönerungsverein Neuburg weiht seinen Gesteinslehrpfad ein – 75 Exponate und Sonderausstellung

16.08.2022 | Stand 16.08.2022, 5:00 Uhr

Beim Festakt: Zahlreiche Ehrengäste waren am Samstag dabei, als der Gesteinslehrpfad offiziell eingeweiht wurde. Festreden gab es von Matthias Enghuber (oben, von links), Oberbürgermeister Bernhard Gmehling, Vereinschef Axel Kalkowski, Jens Heynisch aus dem Saale-Orla-Kreis, Dritter Landrätin Sabine Schneider und Bezirksrätin Martina Keßler. Foto: S. Hofmann

Von Sebastian Hofmann

Neuburg – Nach fünf Jahren – im Wortsinne Schwerarbeit – ist er (vorläufig) fertig: Am Samstag hat der Verschönerungsverein Neuburg offiziell seinen Gesteinslehrpfad auf der Oberen Schanz eingeweiht. Pünktlich zum 30. Jahrestag der Wiederbelebung der Vereinigung, zieren nun 75 Exponate einen Rundweg im Neuburger Westen, zu denen es allerlei Informationen gibt. Und dieses Angebot will der Verein sogar noch ausbauen und dabei einen Schritt in die Zukunft wagen.

Die Einweihung des Gesteinslehrpfades hatten Axel Kalkowski, Vorsitzender und Wieder-Gründer des Neuburger Verschönerungsvereins, und die übrigen Organisatoren mit Absicht in die Urlaubszeit gelegt. Natürlich wolle man so vielen Menschen wie möglich das eigene Schaffen präsentieren. Den Festakt dagegen hatte der Verein bewusst klein gehalten. „Leider kann man hier oben ja nicht so viele machen“, so Kalkowski. Umso mehr freuten sich seine Mitstreiter und er, dass die Ehrengäste so zahlreich erschienen waren. Unter den rund 100 Geladenen befanden sich Landtagsabgeordneter Matthias Enghuber, selbst Vereinsmitglied, Schirmherr und Laudator, Bezirksrätin und Neu-Neuburgerin Martina Keßler, Oberbürgermeister Bernhard Gmehling (alle CSU), Landratsstellvertreterin Sabine Schneider (SPD), zahlreiche weitere Stadtratsmitglieder, Delegationen aus dem Saale-Orla-Kreis und aus Lütgendortmund sowie Vertreter der Verschönerungsvereine aus Solnhofen und Stepperg. Sie alle fanden in zwei Festzelten Platz. Den musikalischen Rahmen gestaltete ein Ensemble der Neuburger Stadtkapelle, die Essens- und Getränkeausgabe bestritten Mitglieder des BSV Neuburg.

„Ich bin so mutig“, sagte Axel Kalkowski, und bezeichnete den Gesteinslehrpfad mit seinen nun 75 Exponaten als den „wohl umfangreichsten im deutschsprachigen Raum“. Er nahm die Zuhörerschaft mit auf eine kleine Zeitreise zu den Ursprüngen der Installation. Angefangen bei der Anfrage 2017 an den Neuburger Stadtrat, ob so etwas gewünscht ist, wobei es doch einiges an Skepsis zu überwinden gegeben habe. Nicht Wenige werden sich damals wohl gedacht haben, da liegt dann halt mal alle 50 Meter ein Stein, zwischen zwölf und 20 werden’s mal werden. Letztlich aber konstatierte Kalkowski: „Wir wissen, dass unsere Stadträte, unser OB, hinter uns stehen“ – und das, obwohl die von vielen gemutmaßte Menge an Exponaten weit überschritten worden war.

Kosten entstanden meist nur beim Transport

Der Vereinsvorsitzende berichtete von zahlreichen Gesprächen und Telefonaten, die geführt wurden, um die vielfältigen Gesteine zu bekommen. Die meisten Steinbrüche – die Exponate kommen aus zahlreichen europäischen Ländern – hätten sich dadurch hervorgetan, die Brocken zu verschenken, so seien Kosten meist nur aufgrund des Transports entstanden. Und wenn die Steine dann in Neuburg ankamen, so Kalkowski weiter, sei immer auf die Baufirmen Rucker, Mayr und Pettmesser Verlass gewesen, die Mensch und Maschinen bereitstellten, um die Kolosse an ihre Bestimmungsorte zu bringen. Auch Technisches Hilfswerk (THW) und Feuerwehr Neuburg hatten so manches Mal mit Tatendrang geholfen.

Viel Lob gab es letztlich für Martin Trappe, den Professor von der Katholischen Universität Eichstätt Ingolstadt, der zum „Privatdozenten“ des Verschönerungsvereins geworden sei und ohne dessen Zutun und wissenschaftliche Basisarbeit der Gesteinslehrpfad in seiner jetzigen Ausprägung gar nicht erst möglich gewesen wäre.

In fünf Jahren haben Ehrenamtliche des Vereins rund 3000 Arbeitsstunden in die Erstellung des Gesteinslehrpfads investiert, gekostet habe er laut Kalkowski etwa 70000 Euro. Immerhin 2500 Euro kommen als Zuschuss über Leader-Zuschüsse wieder in die Vereinskasse zurück.

Wissenschaftler Trappe berichtete, dass er zusammen mit dem Verein auch den nächsten Schritt gehen will: So soll in Zukunft jeder Stein entlang des Pfades eines Geschichte erzählen und so niederschwellig Begeisterung für die Wissenschaft bei allen Interessierten wecken. Dazu arbeitet Trappe schon an diversen Texten, die irgendwann mal mit dem Smartphone für jedes Einzelobjekt abrufbar sein sollen. Dies soll mittels angebrachter QR-Codes funktionieren. Bis diese allerdings vollständig sind, würden sicher noch ein paar Jahre vergehen, so Trappe.

Nur eines von über 90 Projekten des Vereins

Schirmherr Enghuber brachte in seiner Festrede – eine Laudatio hatte er schon 2019 halten dürfen, als dem Verschönerungsverein der Kulturpreis der Stadt Neuburg verliehen worden war – seine tiefe Bewunderung für den Verein zum Ausdruck. Schließlich habe es der Verschönerungsverein nach dessen Neugründung – einen Vorgänger hatte es schon von 1881 bis zum Ersten Weltkrieg gegeben – binnen weniger Jahre nach Neugründung 1992 auf eine stattliche Mitgliederzahl gebracht, die in den vergangenen Jahren rund 90 Einzelprojekte umgesetzt hätten. Zu nennen seien dabei neben dem Lehrpfad die Mariengrotte und die Instandsetzung des Ottheinrichturms, beide ebenfalls auf der Oberen Schanz, oder der Kräutergarten hinter dem Finanzamt. Der rote Faden im Wirken des Verschönerungsvereins sei, die „Neuburger Identität“ zu fördern und zu kultivieren. Oberbürgermeister Gmehling stimmte zu und stellte fest, dass die ehrenamtliche Arbeit der rund 180 Mitglieder gar nicht hoch genug angesehen werden könne. Landratsstellvertreterin Schneider stellte den Gesteinslehrpfad als ein weiteres Highlight in Neuburg heraus und outete sich selbst als begeisterte Spaziergängerin entlang dieser Route.

Parallel zur Eröffnung des Gesteinslehrpfads hat der Verschönerungsverein auch eine Ausstellung über Vulkane im Ottheinrichturm realisiert. Dieser ist an an allen Sonn- und Feiertagen geöffnet.

DK