Nach vier Tagen verlobt
Ehepaar Gümüs aus Stepperg ist heuer 60 Jahre verheiratet

11.05.2024 | Stand 11.05.2024, 7:00 Uhr
Ralf Schmitt

Verliebt wie am ersten Tag ist das Ehepaar Zeynep und Fikri Gümüs aus dem Rennertshofener Gemeindeteil Stepperg auch nach 60 Jahren noch. Foto: Schmitt

Kein Mensch auf dieser Welt würde vermutlich auch nur einen Cent darauf verwetten, dass eine Ehe, die bereits vier Tage nach dem Kennenlernen beschlossen wird, auch halten könnte. Zeynep und Fikri Gümüs liefern den Beweis, dass es geht – und feiern an diesem Samstag ihren 60. Jahrestag.

Aber zuerst ein Blick zurück in den März 1964. Die 21-jährige Zeynep begleitet ihren Vater, einen wohlhabenden Kaufmann aus Istanbul, für den sie als Sekretärin arbeitet, auf eine Geschäftsreise nach Deutschland. Da beide der deutschen Sprache nicht mächtig waren, wurde ein Dolmetscher gesucht und in dem damals 29-jährigen Fikri auch gefunden. Der junge Türke aus Ankara mit kaukasischen Wurzeln hatte da schon einige Jahre in Deutschland gearbeitet und beherrschte die Landessprache.

Für die Eheleute war es Liebe auf den ersten Blick

Bereits beim ersten Blick zwischen den beiden, hat es so gefunkt, dass die dabei entstandenen Blitze weithin sichtbar gewesen sein müssen. Schon unglaubliche vier Tage später war ein weiterer gemeinsamer Lebensweg eine „beschlossene Sache“.

Diese Entscheidung war so fest „in Stein gemeißelt“, dass Zeyneps Vater die Rückreise in die Türkei da bereits wieder alleine antreten musste. Allerdings legten die Behörden dem frisch verliebten Paar noch einen kleinen Stein in den Weg. Der Antrag zur Genehmigung der Ehe brauchte sechs Wochen zur Bearbeitung. Am 11. Mai war es dann endlich soweit und die Trauung konnte im türkischen Konsulat in München vollzogen werden. Da zu der Zeit keine Verwandtschaft in Deutschland wohnte, mussten zwei zufällig anwesende Beamte als Trauzeugen herhalten.

Allein die Fahrt mit dem Zug nach München liest sich wie ein Roman. Die Braut, bereits in weißem Hochzeitskleid und der ebenfalls dem Anlass entsprechend gekleidete Bräutigam, erregten schon am Bahnhof von Friedrichshafen, deren damaligem Wohnort, großes Aufsehen. Beim langsamen Vorbeifahren an geschlossenen Schranken winkten und jubelten die Wartenden den offensichtlichen „Hochzeitern“ zu. „Beim Umsteigen in Ulm bildeten die anderen Reisenden sogar ein Spalier durch das wir gehen mussten und riefen uns ihre Glückwünsche zu“, erinnert sich Zeynep Gümüs lachend.

Da die beiden Deutschland genauer kennenlernen wollten, hat sich Fikri Gümüs nach ein paar Jahren für eine neue Arbeitsstelle in Frankfurt entschieden. Weitere Stationen waren Köln und Uelzen. Seinen letzten Arbeitstag hatte er wieder in Friedrichshafen bei Zeppelin. „In all den Jahren war ich keinen einzigen Tag arbeitslos“, erwähnt der Jubilar nicht ohne berechtigten Stolz.

Der gemeinsame Sohn Can ist beruflich in Ingolstadt tätig und hat zusammen mit seinen Eltern vor zwölf Jahren ein eigenes Haus in Stepperg gebaut, welches auch gemeinsam bewohnt wird. „Hier fühlen wir uns sehr wohl und auch irgendwie angekommen“, so Fikri Gümüs.

Das Schicksal als „Geheimrezept“

Die Verbindungen in die alte Heimat sind allerdings nie ganz abgerissen. Es gibt noch eine eigene Wohnung in Istanbul, die für mehrere Monate im Jahr genutzt wird. Da hängen auch viele Familienfotos und weitere schöne Erinnerungen. „Fast wie in einem Museum“, scherzt Zeynep Gümüs.

Nach einem funktionierenden Rezept für eine so lange und auch glückliche Ehe befragt, wissen beide nur ein einziges Wort und das heißt – Schicksal. Auf eine große Feier müssen die beiden Jubilare diesmal verzichten. Der Sohn ist mit seiner Gattin Aysu beruflich in China und die beiden erwachsenen Enkelkinder Filiz und Ciham leben in München und Berlin. Der logistische Aufwand wäre etwas „zu groß“. Allerdings hat sich Bürgermeister Georg Hirschbeck bereits angekündigt, um die Glückwünsche der Marktgemeinde zu überbringen.

Das heißt aber nicht, dass der Jubeltag nicht gebührend nachgeholt wird. Für die Familie Gümüs haben Hochzeitstage oder Geburtstage der Familienangehörigen einen sehr hohen Stellenwert und werden deshalb auch ausgiebig gefeiert. Auf die Frage, ob der Ehemann den Hochzeitstag schon einmal vergessen hat, antwortet der auch gleich selbst: „Wie könnte ich das. Die Vorbereitungen dazu beginnen bereits Wochen vorher.“

DK