Bittenbrunn

Doppelt Grund zum Feiern

Stadtrat Ralph Bartoschek gehört dem Gremium seit zehn Jahren an und feiert 60. Geburtstag

01.10.2022 | Stand 01.10.2022, 11:00 Uhr

Stadtrat Ralph Bartoschek wird an diesem Samstag 60 Jahre alt. Foto: Appel-Fischer

Von Sebastian Hofmann

Bittenbrunn – „Ich hol’ immer so weit aus, wenn ich was erzähl’“ oder „ich schweif’ schon wieder ab“, sagt Ralph Bartoschek während des Gesprächs mit unserer Zeitung anlässlich seines 60. Geburtstags – mehr als einmal. Das ist okay, denn der Mann hat was zu berichten. Und das nicht nur in der Neuburger SPD, wo er kommissarischer Ortsvorsitzender ist, und im Neuburger Stadtrat, dem er an diesem Samstag seit exakt zehn Jahren angehört. Bartoschek ist vielschichtig.

Da ist der leitende Angestellte Ralph Bartoschek, Chef des AWO-Seniorenzentrums Katharinengarten Ingolstadt. 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählt die Einrichtung, in der Bartoschek seit mehr als 20 Jahren tätig ist. Dass der Diplom-Sozialpädagoge einmal diesen Weg einschlagen wird, war relativ früh klar – vollkommen gerade war sein Weg nicht.

In der Gustav-Philipp-Straße geboren, verschlug es die Familie Bartoschek alsbald nach Bittenbrunn, wo der junge Ralph auch die Grundschule besuchte. Danach ging es aufs Gymnasium, dann auf die Paul-Winter-Realschule. Das Fachabitur machte er schließlich an der Ingolstädter FOS. Und dann wurde er zum Pionier, denn von 1984 bis 1987 lernte Ralph Bartoschek den Beruf des Kinderkrankenpflegers – er war damit der zweite Mann überhaupt in Bayern. Ausschlaggebend sei der Vater seines besten Freundes gewesen. Professor Peter Sachtleben war seinerzeit Leiter der Neuburger Kinderklinik und durch Gespräche mit ihm hatte Ralph Bartoschek Interesse am Pflegeberuf entwickelt. Seine Lehrschwester war die spätere und nun ehemalige Generaloberin Schwester Maria Goretti Böck. „Sie hat mich sehr unterstützt“, sagt Bartoschek rückblickend auf eine schwierige Zeit.

Denn dass der junge Neuburger diesen Beruf erlernte, brachte einige Probleme mit sich, die im Vorfeld wohl nicht abzusehen gewesen seien. „Es hat Vorbehalte gegen Männer in diesem Beruf gegeben. Bei der Arbeit am Kind war das gar kein Thema, aber als es zur Wochenbett-Geschichte oder zur Mitwirkung an einer Geburt ging, schon“, berichtet er. Nur: Diese Themen gehörten mit zur Ausbildung, Bartoschek musste sie also bearbeiten. Nach vielen Gesprächen habe man Lösungen gefunden. „Ich war zum Beispiel bei einem Kaiserschnitt dabei, stand aber hinter einem Paravent, so dass mich die werdende Mutter nicht sehen konnte.“ Seine Ausbildung betrachtet Bartoschek rückblickend als die wohl lehrreichste Zeit seines Lebens. „Das hat mich unheimlich geprägt.“

Doch lange hielt es ihn nicht im Krankenhaus. Grund war die Familienplanung. Bereits in jungen Jahren war Bartoschek mit seiner heutigen Frau Anna-Maria liiert und 1989 erblickte der älteste Sohn, Simon, das Licht der Welt – 1990 sollten Moritz und 1997 Georg folgen und damit das Familienglück der Bartoscheks perfekt machen. „Man hat sich schon überlegt, ob das genug Geld ist, eine Familie zu ernähren“, sagt Ralph Bartoschek über sein Gehalt als Krankenpfleger.

Letztlich entschied er sich für ein Studium der Sozialpädagogik in Eichstätt – und stellte die Weichen für die Zukunft, begann er doch, nebenbei als Krankenpfleger bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) am Standort Neuburg zu arbeiten. Über seine Diplomarbeit fand er letztlich auch den Einstieg in die Altenpflege, der er bis heute verbunden ist. In der Arbeit musste er lernen, dass jeder Mensch seine Grenzen hat. Überlastung brachte ihn dazu, seine Sicht auf den Beruf zu ändern. „Ich habe mich zurückgenommen und gesehen, es geht auch ohne mich“, sagt er. Mittlerweile habe er ein junges Team um sich geschart. „Die Strategie stimmt.“ Loslassen sei nicht unbedingt gleichbedeutend mit einem Verlust.

Neben dem leitenden Angestellten ist da natürlich noch der Politiker Ralph Bartoschek. Um 2006 war es, da wurde er in den SPD-Ortsverband Neuburg geholt. Der kürzlich gestorbene Grandseigneur Michael Kettner hatte den Bittenbrunner überredet. 2008 bewarb sich Bartoschek zum ersten Mal um einen Sitz im Stadtrat – und scheiterte zunächst. „Mir haben nur 171 Stimmen oder so gefehlt, dann hätte ich es geschafft“, sagt er heute. Bis zur nächsten Wahl musste er aber nicht warten. Der andere Große bei den Neuburger Sozialdemokraten, Horst Gutjahr, nahm 2012 aus privaten Gründen Abschied aus dem Stadtrat, Bartoschek rückte nach.

Zweimal – 2014 und 2020 – schaffte er bislang die Wiederwahl. Verblüffend mutet da eine Aussage an: „Ich glaube, dass der Stadtrat für mich erst mit dem Referat so richtig losgegangen ist“, sagt der Jubilar. Die Erklärung liefert er gleich hinterher: Zum einen brauche man als gewählter Volksvertreter seiner Ansicht nach überhaupt erst mal fünf Jahre, bis man die Mechanismen der Kommunalpolitik und der Verwaltung verstehe. Und zum anderen habe ihn seine Aufgabe als Sozialreferent sehr verändert.

Dieses Ehrenamt, das sehr zeitintensiv sei, weil viele Termine anstehen, sei eine sehr schöne Tätigkeit. Es sind die Gespräche mit Ehejubilaren und Menschen, die hohe runde Geburtstage feiern, die einem viel brächten. „Das ist eine Nähe zum Bürger, die man sonst nicht so leicht hat.“

Abseits von Arbeit und Politik widmet sich Ralph Bartoschek auch zahlreichen Hobbys. Auf dem Fußballplatz kennt man ihn schon seit mehr als 50 Jahren, hat er doch als neunjähriger Bub beim SC Ried angefangen. In der Jugend gab es ein Intermezzo beim VfR Neuburg, wo er unter Trainer Horst Sandner in der A-Junioren-Bezirksoberliga spielte. Seit sein Sohn Moritz bei den Lila-Weißen kickt, schaut sich Ralph Bartoschek auch alle Heimspiele an – ist aber weiterhin dem SC Ried, für den er über viele Jahre als Fußballabteilungsleiter und an der Spitze des Gesamtvorstands tätig war, treu.

Zusammen mit Ehefrau Anna-Maria geht es für Ralph Bartoschek auch gerne auf Reisen. Urlaub, drei oder vier Mal im Jahr, müsse sein. Ob der Gardasee, der Lago Maggiore oder Städtereisen nach Berlin, Ziele gibt es viele. Neben all dem ist der nun 60-Jährige auch begeisterter Waldbesitzer und macht sein Brennholz selbst. Gerne fährt er dann mit seinem Oldtimer-Traktor der Marke Deutz – „der ist ein Jahr jünger als ich“ – in das kleine Wäldchen in der nähe seines Hauses raus.

Eine ganz neue Rolle füllt er zudem seit fast einem Jahr aus: Die Geburt des ersten Enkels Laurin hat Ralph Bartoschek zum Opa gemacht – zu einem sehr stolzen noch dazu. „Er ist eine unheimliche Bereicherung. Ein Enkelkind rundet das Leben noch mal mehr ab. Da nimmt sich der Opa auch mal ein, zwei Stunden aus der Arbeit raus“, sagt er.

DK