Neuburg

Die neue Turmchefin

Führungswechsel: Stefanie Martin beerbt Ralph Zaffrahn als Leiterin des Bücherturms

23.09.2022 | Stand 23.09.2022, 5:00 Uhr
Vicky Müller-Toùssa

Liest selbst leidenschaftliche gerne: Stefanie Martin ist die neue Leiterin des Neuburger Bücherturms. Foto: Müller-Toùssa

Von Vicky Müller-Toùssa

Neuburg – Der Neuburger Bücherturm hat seit dieser Woche offiziell eine neue Leitung. Stefanie Martin beerbt Ralph Zaffrahn, der nach 30 Jahren in den Ruhestand geht – jedoch nicht ohne seine Nachfolgerin Martin vorher ordentlich eingearbeitet zu haben. Dieser freue sich nun auf’s „Wandern, Tanzen und Lesen“, wie Zaffrahn selbst unserer Zeitung gegenüber sagt.

Unterstützung von allen Seiten

Seit 1. Juli sei Martin bereits vor Ort und habe sich alles von Zaffrahn zeigen lassen. Aber auch ihr Stellvertreter, Herbert Wittmann, wird ihr noch darüberhinaus mit Rat und Tat zur Seite stehen. Denn einige Aufgaben seien nur alle paar Wochen fällig, und da in dem Falle noch die Routine fehle, freue sie sich über die Unterstützung von Wittmann, so die 35 Jahre alte Schönesbergerin.

Überhaupt seien die Mitarbeiter der Stadtbibliothek ein eingespieltes Team und haben sie mit offenen Armen empfangen. Ab Tag eins habe Martin schon Kundenkontakt gehabt, was ihr besonders gut gefalle. Mit der einen oder dem anderen ins Gespräch zu kommen und unter anderem Lesetipps zu geben, um dann eine Woche später von derselben Person zu erfahren, dass man deren Geschmack getroffen habe, das gefalle ihr sehr. Viele seien auch überrascht, dass Martin noch so jung sei, „das ist schon ganz süß“.

Sie helfe auch beim Einstellen der Bücher in der Früh mit, denn so bekam sie schon rasch einen Überblick, wo sich was im Bücherturm befindet. Sehr viele neue Leserausweise hätte sie erfreulicherweise vergangene Woche ausgestellt. Desweiteren plane sie die bestehenden Veranstaltungen um weitere, wie um einen Vorlesetag im November oder einer Kinderbuchlesung, zu erweitern. „Ich schaue mir aktuell diverse Konzepte an und überlege, wie was umsetzbar ist“, erzählt die neue Leiterin und ergänzt, dass auch ein multikultureller Gedanke mitschwinge. Konkret wolle sie für Fremdsprachler weitere Bücher zu Verfügung stellen und den Bücherturm mehr zu einem Aufenthaltsort mit „Flats-Ecken“ umgestalten.

Auf die Frage, was die Zukunft für den Bücherturm bringt, entgegnet Martin: „Ich habe tatsächlich Veränderungen vor und lasse ein Bibliothekskonzept erstellen.“ Eingereicht sei es und man werde sehen, ob und wie es wird. Auf alle Fälle seien die Veränderungen dann erst 2023 und 2024 in Zusammenarbeit mit ihren Mitarbeitern geplant.

Anstellung ist eine einmalige Gelegenheit

Überhaupt sei diese Anstellung für sie eine Once-in-a-Lifetime-Chance, findet Martin. Doch wie kam es dazu, dass die ausgebildete Rechtsanwaltsfachangestellte, die im zweiten Bildungsweg Sprach- und Textwissenschaften („ist vergleichbar mit einem Germanistikstudium“) in Passau studierte, nun hier in Neuburg arbeitet? Schließlich war sie nach ihrem Studium elf Jahre lang für einen Verlag, dem Marktführer für juristische Kommentarliteratur, tätig. Das habe zwei Gründe, fängt Martin an zu erklären. Zum einen lebe sie seit vier Jahren wieder in Schönesberg und der Anfahrtsweg sei dann einfach zu weit gewesen. Da sei zu viel Freizeit auf der Strecke geblieben. Zum anderen seien die Aufgaben in einer Bücherei vielfältiger und bediene auch mehr ihre Leidenschaft. „Juristische Texte sind jetzt nicht so interessant zu lesen“, lacht Martin und outet sich gleich als riesiger Sebastian-Fitzek-Fan.

Tatsächlich haben es ihr Psychothriller angetan. „Ganz toll“, finde sie aber auch Juli Zehs Buch mit dem Titel „Über Menschen“. „Sie bricht darin das Schubladendenken auf, genauso wie auch meines“, fügt Martin hinzu.

Sieben oder acht Bücher müssen in den Koffer

Sie liebe Podcasts, einzig Hörbücher höre sie eher weniger. „Ich mag auch keine E-Books“, sagt die Bibliothekschefin. „Ich möchte tatsächlich das gedruckte Buch in der Hand haben“, folgte sogleich ihre Erklärung dazu. So nehme sie gut und gerne sieben oder acht Bücher mit in den Urlaub. „Obwohl ein E-Book da wesentlich leichter wäre, das catcht mich irgendwie nicht.“

Da fällt noch der Name des Autors Antony Doerr, den sie gut findet. Ihn durfte sie bei einer Lesung aus seinem Buch „Alles Licht was wir nicht sehen“ während ihrer Verlagstätigkeit erleben und beim Signieren von fünf Büchern („Ich hatte auch welche von Freunden zum Signieren dabei“) ins Gespräch kommen. Auch Brigdet Jones könne sie immer lesen, „das ist ein Seelenbuch und gehört jeden Herbst zu meiner Lektüre“, erzählt Martin weiter. In Jane Austens Bücher, wie beispielsweise „Stolz und Vorurteil“, schmökere sie ebenso immer wieder gern.

Sie gehe auch ab und an ins Kino, „aber da gucke ich mir dann eher „Marvel’s The Avengers“ an. Denn schon im Studium habe sie gelernt, dass „jedes Werk das Abbild der eigenen Wirklichkeit“ sei und so müsse man sich davon lösen, dass Bücher und deren Verfilmungen zusammengehören, aber auch ihr fiele das zu Weilen nicht so leicht. Drum belasse sie es gerne dabei, manche Bücher nur in ihrer Fantasie Wirklichkeit werden zu lassen.

DK