Neuburg

Der Mann für die trockene Materie

Max Direktor ist seit zwei Jahrzehnten Kreisarchivpfleger – An diesem Freitag wird er 70 Jahre alt

03.06.2022 | Stand 03.06.2022, 7:00 Uhr

Engagierter Jubilar: Der Neuburger Max Direktor, mittlerweile seit zwei Jahrzehnten Archivpfleger des Landkreises, wird an diesem Freitag 70 Jahre alt. Foto: Janda

Ihn als Hüter des Landkreis-Gedächtnisses zu bezeichnen, ist sicherlich nicht übertrieben. Immerhin engagiert sich Max Direktor seit mittlerweile zwei Jahrzehnten als Kreisarchivpfleger von Neuburg-Schrobenhausen. An diesem Freitag wird er 70 Jahre alt.

Was für ihn eine Leidenschaft ist, halten anderen wohl für die trockenste Materie der Welt. Doch auch Direktor widerspricht nicht. „Es ist wirklich brutal trocken“, sagt er und grinst. Dennoch haben es ihm die alten Akten angetan. Sogar so sehr, dass er seine Freizeit gerne mal mit dicken Ordnern in altdeutscher Schrift verbringt. „Beruf und Hobby sind bei mir schwer zu trennen“, sagt der Kreisarchivpfleger, der es wie kaum einer geschafft hat, die unterschiedlichen Teile des Landkreises in seinem Lebenslauf zu vereinen.

Vom Donaumoos nach München und Berlin

Geboren und aufgewachsen ist er im heutigen Königsmooser Ortsteil Obergrasheim im Donaumoos, damals Teil der Gemeinde Berg im Gau. Nach der Schulzeit in Untermaxfeld und in Neuburg hatte Direktor aber genug vom Leben auf dem Land. „Ich wollte raus, wollte studieren“, erinnert er sich an die Zeit in München und Berlin, wo er Lehramt für Geschichte, Deutsch und Sozialkunde studiert hat.

Auf den Abschluss folgte das Referendariat und dann die Ernüchterung. Denn Stellen mit dieser Fächerkombination waren Mangelware, weshalb es erst mal zum Arbeitsamt ging. Und dort schickte man ihn nach Schrobenhausen – für eine Teilzeitstelle als Stadtarchivar. Der Beginn einer jahrzehntelangen Tätigkeit. Direktor grinst. „Die Maßnahme war sehr erfolgreich, das kann man heute so sagen.“

Mit der Arbeit in der Spargelstadt, die er Anfang der 1980er-Jahre begann, legte der heute in Neuburg wohnhafte Direktor den Grundstein für seine Berufung auf Kreisebene. „Der Landkreis hat gesucht. Und da haben sie eben einen genommen, der sich auskennt“, erinnert er sich. Seitdem ist er vor allem in beratender und unterstützender Tätigkeit für die Gemeinden zuständig, die keinen eigenen Archivar haben – also alle außer Neuburg und Schrobenhausen.

Der Erhalt der eigenen Archive ist in Bayern sogar eine Pflichtaufgabe der Kommunen. Seit 2001 hat Direktor dieses Ehrenamt für den südlichen Landkreis inne, seit 2006 für das gesamte Gebiet. „Dass ich das jemals machen würde, hätte ich aber nie gedacht“, sagt er. Dabei hat er sich mehr oder weniger selbst empfohlen, als er das Archiv der Verwaltungsgemeinschaft Neuburg, also von Bergheim und Rohrenfels, überarbeitete. „Das war eine Art Musterbeispiel für die anderen Gemeinden“, berichtet er.

Den Job in Schrobenhausen hat der Neuburger mittlerweile so gut wie aufgegeben, lediglich einige Stunden pro Woche ist er noch dort. Über zu viel Freizeit kann sich Max Direktor dennoch nicht beschweren. „Für die Kreisarchivpflege gibt es aber keine festen Stundenvorgaben“, erklärt er. Stattdessen könne sich jederzeit jeder Bürger oder jede Verwaltung bei ihm melden.

Alle paar Jahre ist er zudem selbst vor Ort und überprüft den Zustand der Sammlungen. Immer mit dabei: sein Hygrometer, mit dem Direktor die Luftfeuchtigkeit in den Archiven überprüft. Sein Dank gilt bei dieser Arbeit vor allem seinen Vorgängern Hans Göttler und Valentin Rieß. „Beide haben eine tolle Vorarbeit geleistet.

Das Interesse an der Materie hat auch mit seiner Liebe zur Heimat zu tun. „Ich bin gerne überall im Landkreis“, sagt er. Denn Neuburg-Schrobenhausen biete ja viel Abwechslung. Das Erlebnis genießt er vor allem mit einer Wandergruppe, zu der Freunde gehören, unter anderem der Neuburger Maler Viktor Scheck. „Wir sind über zehn Jahre hinweg in mehreren Etappen auch schon vom Bodensee bis an die Ostsee gewandert“, erinnert er sich.

Mehr oder weniger nebenbei ist Max Direktor auch versierter Autor. Nicht nur für die Heimatzeitung, sondern auch für heimatgeschichtliche Publikationen, so wie derzeit für das Landkreisjubiläum. Darüber hinaus hat er auch lange freiberuflich in dieser Branche gearbeitet und ist Verfasser mehrerer Bücher rund um die Themen Bauen und Energie.

Seine Leidenschaft gilt aber vor allem der Sozialgeschichte, denn diese ist in seinen Augen noch zu wenig erforscht. „Die einfachen Menschen sind mir wichtig, und zwar im gesamten Landkreis“, sagt er. Über Fürsten und andere Regenten gebe es schließlich schon genug Stoff.

Ein Geburtstag ohne große Feier

Dass er zu seinem Geburtstag an diesem Freitag selbst in den Fokus rückt, ist dem Kreisarchivpfleger hingegen gar nicht so recht. Deshalb will er den 70. auch gar nicht so groß feiern. „Ich werde wohl mit verschiedenen Kleingruppen mal in Ruhe zum Essen gehen“, sagt der dreifache Vater, der auf Gratulationen wenig Wert legt.

Viel wichtiger ist ihm eigenen Worten zufolge der Erhalt der Geschichte. „Wenn’s der Sache dient, bin ich immer dafür“, betont er. Wer das auch so sieht und eine Frage an Direktor hat, kann sich jederzeit bei ihm melden. Seine Kontaktdaten sind unter neuburg-schrobenhausen.de/kreisarchivpflege im Internet zu finden.

DK