Karlshuld/Weichering

Aus für Karlskron, mehr Schüler für Karlshuld

Bürgermeister wollen Gespräche über mögliche Änderungen führen – Verbandsstruktur vor Änderung

21.05.2022 | Stand 21.05.2022, 12:00 Uhr

Die beiden Mittelschulen in Karlshuld und Karlskron arbeiten schon lange zusammen. Nun droht Letzterer das Aus, so dass Karlskron eine reine Grundschule würde. Fotos: Eberl/Janda

Von Stefan Janda

Karlshuld/Weichering – Die Mittelschullandschaft in Neuburg-Schrobenhausen steht vor einer Veränderung: Das drohende Aus für die Einrichtung in Karlskron bedeutet für die Mittelschule in Karlshuld zusätzliche Schüler – und für den Schulverband Karlskron, zu dem auch Weichering gehört, wohl das Aus.

Ausdiskutiert ist das alles zwar noch lange nicht, wie alle Beteiligten betonen. Für den Karlskroner Rathauschef Stefan Kumpf (CSU) ist das Szenario angesichts der aktuellen Prognosen aber unausweichlich. „Voraussichtlich in drei Jahren wird es keine Mittelschule mehr in Karlskron geben“, erklärt er. Für einen dauerhaften Fortbestand fehlen schlicht und ergreifend die Schüler. Kinder kommen seinen Worten zufolge zwar genügend nach, doch diese gehen überwiegend auf andere Schulen.

Auf dem Papier würde sich durch ein Aus für die Mittelschule allerdings erst mal nichts ändern; immerhin arbeitet der Schulverband Karlskron seit Jahren über einen Verbund mit dem in Karlshuld zusammen. Sollte in einer der Einrichtungen eine Klasse zu wenig Schüler haben, folgt durch die Kooperation die Zusammenlegung der Jahrgangsstufe in beiden Einrichtungen. Weil das Gros der Kinder in der Regel in Karlshuld in den Unterricht geht, müssen die Schüler aus Karlskron pendeln. Eine Ausnahme, die künftig wohl zum Regelfall wird.

Nachdem Kumpf zufolge kaum Chancen bestehen, genügend Schüler für eine eigenständige Klasse in Karlskron zu erreichen, steht mit der Mittelschule freilich der gesamte Schulverband zur Debatte. Über diesen tragen die beiden Gemeinden Karlskron und Weichering die Mittelschule. „Wie das dann abläuft, müssen wir rechtlich klären“, sagt Kumpf. Sein Weicheringer Amtskollege Thomas Mack, aus dessen Gemeinde aktuell zwölf der insgesamt 54 Karlskroner Mittelschüler kommen, hält einen Fortbestand des Schulverbands indes für unrealistisch. „Wir werden ihn wohl auflösen müssen“, so der CSU-Politiker. Zumindest für seine Kommune halten sich die Änderungen aber wohl in Grenzen. Für die Kinder aus dem Ortsteil Lichtenau wäre der Weg nach Karlshuld minimal länger, für die aus dem Kernort indes deutlich kürzer.

Anders sieht es beim Gebäude aus, wo Mack, ebenso wie die Verantwortlichen in Karlshuld, mittelfristig Sanierungsbedarf sieht. 156 Schülerinnen und Schüler aus der Gemeinde sowie aus nahezu alle Königsmooser Ortsteilen – einzig Klingsmoos gehört zum Schulverband Ehekirchen – besuchen derzeit die Mittelschule. „Es ist aber nicht so, dass bei uns die Räume leer stehen würden“, betont der momentan amtierende Bürgermeister Werner Hecht (FW). Einem Anschluss Karlskrons und Weicherings an den Schulverband steht er aber grundsätzlich offen gegenüber. „Dazu müssen wir uns zusammensetzen und die Zahlen durchschauen“, betont Hecht, dem eine gute Lösung am Herzen liegt.

Der stellvertretende Rathauschef verschweigt allerdings nicht, dass in seinen Augen für jede Gemeinde eine Schule schön wäre. „Doch mit dieser Entwicklung müssen wir nun leben und das Beste daraus machen“, sagt er. Immerhin gebe es mit der Entwicklung der Schülerzahlen ja einen Grund, warum Karlskron nicht zu halten sei. Für Karlshuld schließt Hecht deshalb eine bauliche Veränderung nicht kategorisch aus. „Das können wir aber in Ruhe besprechen, denn die Kinder werden ja nicht von heute auf morgen da sein.“

Und selbst wenn die Umstrukturierung erfolgt, geht es nicht unbedingt schnell. Denn für manche Kinder wird der Schulweg dann deutlich länger sein. Eltern aus den Karlskroner Ortsteilen Grillheim oder Walding werden es sich daher wohl gründlich überlegen, ob sie ihrem Nachwuchs jeden Tag knapp 15 Kilometer einfache Strecke im Bus zumuten wollen. Kein Wunder, dass sich Karlskron lange vor dem nun Unvermeidbaren gesträubt hatte. „Wir haben alles in unserer Macht stehende versucht“, erinnert Bürgermeister Kumpf an das bisherige Vorgehen. Wie berichtet, hatte Karlskron den Verbund mit Karlshuld zwischenzeitlich aufgekündigt und nach neuen Partnern gesucht. Allerdings waren die Verantwortlichen sowohl im benachbarten Reichertshofen als auch in Ingolstadt mit ihren Bemühungen gescheitert. Und nicht nur das: Während in Karlskron die Mittelschule vor dem Aus steht, plant die Großstadt zur Entlastung der eigenen Standorte nicht mal zwölf Kilometer von der Donaumoos-Gemeinde entfernt in Ringsee eine neue Mittelschule. Eine Entwicklung, die Kumpf schier sprachlos macht. „Wenn sich nicht grundlegend etwas ändert, haben die Schulen auf dem Land keine Zukunft mehr“, betont er.

DK