GEDANKEN ZUM SONNTAG
Am Aschermittwoch ist alles vorbei...

18.02.2024 | Stand 18.02.2024, 11:00 Uhr

Georg Leonhard Bühler ist seit 2018 Schrobenhausener Stadtpfarrer. Foto: Petry

Liebe Leserinnen und Leser,

...diesen alten Faschingsschlager haben sicher auch in diesem Fasching wieder viele Faschingsbegeisterte gesungen, besonders diesen Dienstag, Fastnacht. „Gott sei Dank!“, werden sich die einen gedacht haben, die dem ganzen närrischen Treiben so gar nichts oder nur wenig abgewinnen können. „Leider! Schade!“, werden sich die anderen gedacht haben, denen Fasching nicht lang genug dauern kann und für die die Faschingszeit heuer sicher zu kurz war. Ganz nebenbei bemerkt: Kaum zu glauben, dass dieses Karnevalslied, dessen Text von Hans Jonen und dessen Melodie von Jupp Schmitz stammte, voriges Jahr 70 wurde!

Und dabei ist auch klar, dass der Titel natürlich maßlos übertreibt. Denn am Aschermittwoch ist ganz bestimmt nicht alles vorbei, sondern nur eins: eben „nur“ der Fasching. Im Gegenteil. Es beginnt sogar was Neues: die Fastenzeit oder – wie sie offiziell heißt – die österliche Bußzeit. Und diese Zeit beginnt im Zeichen der Asche, im Zeichen des Aschenkreuzes, das uns Menschen jedes Jahr am Aschermittwoch auf den Kopf gestreut oder auf die Stirn gezeichnet wird.
Die Asche ist dabei wie von selber das Zeichen der Vergänglichkeit, das Zeichen von „Schluss, Aus, Ende, Amen“. Denn wenn etwas verbrannt wird, bleibt als Rückstand Asche übrig. Allerdings können wir die Asche auch als Zeichen eines Neuanfangs sehen. Denn Asche enthält viele Nährstoffe und wird deshalb auch gern als Dünger für Pflanzen verwendet. Mit Asche kann also Neues heranwachsen und aufblühen.
Beides – Vergänglichkeit und Neuanfang – spiegelt sich auch in den Begleitworten des Aschenkreuzes. Das eine lautet: „Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst.“ Das andere heißt: „Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium.“ Das eine ist dem Urteil Gottes über den Menschen nach seinem Sündenfall nachempfunden, wie er im Alten Testament – und zwar im ersten Buch der Bibel überhaupt, dem Buch Genesis, dem ersten Buch Mose – erzählt wird. Bei Genesis 3,19 sagt Gott zum Menschen: „Im Schweiße deines Angesichts wirst du dein Brot essen, bis du zum Erdboden zurückkehrst; denn von ihm bist du genommen, Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück.“ Das andere ist das erste Wort Jesu im Neuen Testament, das er nach dem ältesten Evangelium, dem nach Markus, am Beginn seines öffentlichen Auftretens und Wirkens in Galiläa nach seiner Taufe durch Johannes den Täufer sagte; es steht bei Markus 1,15.
So wünsche ich uns allen, dass wir es heuer in der Fastenzeit schaffen, Abstand zu nehmen von so manchem, was schädlich ist für uns selber, für unsere Mitmenschen, für unsere Welt. Und dass wir es schaffen, neu anzufangen, auf Gottes Wort zu hören, mit ihm so manches zum Besseren zu verändern, durch Spenden für Menschen in Not, durch Gebet und Besinnung, durch Fasten und Verzicht. All das soll ganz besonders für Frieden und Versöhnung fruchtbar werden.
In diesem Sinne wünsche ich uns allen von Herzen eine ganz gesegnete Fastenzeit!

Georg Leonhard Bühler

Stadtpfarrer
Pfarreiengemeinschaft

Schrobenhausen