Neuburg

Abschied von Michael Kettner

Große Trauergesellschaft bei Beisetzung des ehemaligen Dritten Bürgermeisters und Vizelandrats

12.08.2022 | Stand 12.08.2022, 19:00 Uhr

Der frühere Dritte Neburger Bürgermeister und ehemalige Landratsstellvertreter Michael Kettner wurde am Freitag in seiner Heimatstadt Neuburg zu Grabe getragen. Foto: S. Hofmann

Von Sebastian Hofmann

Neuburg – Familie, Freunde, Weggefährten aus Politik und Gesellschaft, die Stadt Neuburg und der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen, Vereine und Verbände haben Abschied von Michael Kettner genommen: Am Freitag wurde der frühere Dritte Neuburger Bürgermeister und ehemalige Landratsstellvertreter auf dem alten Friedhof in seiner Heimatstadt beigesetzt. Die Trauerfeier war geprägt vom langjährigen Wirken des kantigen wie herzlichen SPD-Politikers.

„Die große Anzahl Trauergäste zeigt, welch hohe Wertschätzung Michael Kettner als Politiker und vor allem auch als Mensch genießt“, sagte Neuburgs Oberbürgermeister Bernhard Gmehling (CSU) bei der Trauerfeier für seinen langjährigen politischen Weggefährten.

Wie recht das Stadtoberhaupt doch damit hatte. Staatssekretär Roland Weigert (FW), Landtagsabgeordneter Matthias Enghuber (CSU), Bezirksrat Ludwig Bayer (FW), die beiden Landratsstellvertreterinnen Rita Schmidt (CSU) und Sabine Schneider (SPD), der frühere Landratsvize Alois Rauscher (CSU), große Teile des aktuellen Neuburger Stadtrats, viele ehemalige Mitglieder aus dem Gremium sowie zahlreiche heutige und frühere Kreisrätinnen und Kreisräte, Bürgermeister benachbarter Kommunen, Nachbarn, Freunde, Familien – sie alle wollten Michael Kettner auf seinem letzten Weg begleiten.

Der waschechte Neuburger, 1952 geboren in der Oberen Altstadt und groß geworden in der damals noch wenig bebauten Jahnstraßen-Siedlung, wie Ruhestandspfarrer Gerhard Steiner in seiner Traueransprache berichtete, war ein Mensch, der begeistern konnte. So einer sei er geworden, weil er, Sohn eines Kriegsversehrten, unbeschwert habe aufwachsen können. Michael Kettner habe sich zu einem Mann entwickelt, der für seine Anliegen, für die soziale Gerechtigkeit und ein friedliches Miteinander, gekämpft habe. „Wir sind im Stadtrat nebeneinander gesessen, körperlich und auch im Geiste“, sagte der Ruhestandspfarrer, der, wie Kettner, die Sozialdemokratische Partei in Neuburgs höchstem politischen Gremium vertrat.

Nach dem Abitur am hiesigen Descartes-Gymnasium im Jahr 1972 studierte Michael Kettner Lehramt mit den Fächern Deutsch, Geschichte und Sozialkunde. Er lehrte in Ingolstadt, sein eigentliches „hauptberufliches Ehrenamt“, wie Pfarrer Steiner sagte, sei aber die Politik gewesen. „Er kämpfte, ist dran geblieben. Mancher hat ihn als stur bezeichnet, ich würde es Beharrlichkeit nennen.“ Weiter berichtete Steiner von einer Patenschaft, die Michael Kettner für ein Kind aus Mali übernommen hatte, um das er sich rührend gekümmert habe. 2001 heirateten er und seine Frau Renate. Besondere Freude habe das Paar an Urlauben zu wichtigen historischen Stätten gehabt, unter anderem in die Normandie.

Steiner erinnerte weiter an die Bürgermedaille, die „der Kettner“ – die Nennung des Vornamens habe es in Neuburg eigentlich nicht gebraucht – erst heuer für seine Verdienste um die Stadt erhalten hatte, sowie die Auszeichnung mit der Willy-Brandt-Medaille durch die SPD im Jahr 2017.

Oberbürgermeister Bernhard Gmehling überbrachte Michael Kettners Wittwe die Kondolenz nicht nur der Stadt, sondern auch des gesamten Landkreises. „Wir stehen hier tief erschüttert“, so das Stadtoberhaupt. Gmehling sprach von einem ehrenwerten und hoch angesehenen Mann, den Neuburg schmerzlich vermissen werde. Der „Kommunalpolitiker aus der Mitte der Bevölkerung“ sei stets ein Kämpfer für seine Heimat gewesen. „Seine Stimme hatte Gewicht, Michael Kettner wurde gehört.“

Für den SPD-Ortsverein Neuburg richtete dessen Vorsitzender Ralph Bartoschek Worte des Dankes und der Anerkennung an Kettners Witwe für das jahrzehntelange Wirken ihres gestorbenen Mannes. „Helmut Schmidt war eines der großen Vorbilder für Michael Kettner, so, wie er selbst es für die SPD Neuburg war“, sagte Bartoschek. Als die schwere Demenzerkrankung begann, Kettners Leben stark zu beeinflussen, habe er sich als „Mann, der seine persönliche Geschichte mit Ruhe und Geduld annahm“ gezeigt.

Bevor das letzte Geleit von der Aussegnungshalle zum Grab begann, ertönte aus den Lautsprechern ein Lied, das sich Michael Kettner einst selbst gewünscht haben soll und wohl passender nicht hätte sein können: Frank Sinatras Version von „My Way“.

DK