Riedenburg
„Ich habe meiner Schule viel zu verdanken“

Fußballprofi Philipp Hercher besucht nach zehn Jahren wieder die Staatliche Realschule Riedenburg

24.12.2022 | Stand 17.09.2023, 6:55 Uhr
Miro Lippoldt

Ein Autogramm wollte fast jeder Schüler von Philipp Hercher (rechts) haben, sodass die Schlange sich durch die halbe Sporthalle zog. Foto: Lippoldt

Riedenburg – Der Fußballprofi Philipp Hercher, Spieler beim 1. FC Kaiserslautern, hat seine alte Schule in Riedenburg besucht: Die Staatliche Realschule. Sein ehemaliger Sportlehrer Martin Schmid hatte ihn eingeladen und Schüler durften dem Zweitligaprofi Fragen stellen. Genau 50 davon hatten sie sich aufgeschrieben, es konnten jedoch wegen Zeitmangels nicht alle gestellt werden.

Philipp Hercher wurde im Jahr 1996 im badischen Rheinfelden geboren und wuchs in Ihrlerstein auf. Er besuchte die Staatliche Realschule in Riedenburg und spielte dort in der Schulmannschaft. Seinen Realschulabschluss machte er im Jahr 2012. Im Jahr 1999 begann er beim SV Ihrlerstein mit dem Vereinsfußball und ging 2006 zum SSV Jahn Regensburg. 2011 wechselte er in die Jugend des 1. FC Nürnberg. Seit 2019 spielt er beim 1. FC Kaiserslautern. Seine Position liegt im rechten Mittelfeld.

Martin Schmid, der Organisator der Aktion, freute sich sehr über den Besuch. „Der Philipp war bei uns in der Schulmannschaft und ich hatte ihn jahrelang im Sportunterricht“, erklärte er. „Ich habe seinen Werdegang über die Jahre verfolgt und wir hatten immer Kontakt und deshalb freue ich mich, wenn er Zeit hat und vorbeischauen kann.“ Schon damals war Schmid das Talent des Fußballers aufgefallen. „Er war damals schon ein überdurchschnittlich guter Fußballer. In der Schulzeit hat er schon beim SSV Jahn in Regensburg und beim 1. FC Nürnberg gespielt – das schaffen ja nur die wenigsten.“

Philipp Hercher beantwortete dann Fragen zu seiner Schulzeit, der Karriere und seinen Erfahrungen. Hier eine Auswahl:

Wie fühlt es sich an, in einem voll besetzten Stadion zu spielen?
„Es ist immer wieder ein besonderes Erlebnis. Bei uns in Kaiserslautern passen fast 50000 Leute in das Fritz-Walter-Stadion. Wenn das voll ist, ist es relativ laut, aber wenn man selbst auf dem Platz steht, blendet man das aus und merkt es erst, wenn man selbst oder der Gegner ein Tor schießt.“

Wie gehst Du mit dem Druck um?
„Ich versuche immer, es positiv zu sehen. Es gibt Berufe, in denen man wesentlich mehr Druck hat als beim Fußball. Wir machen das, was uns Spaß macht. Man muss den Druck in positiven Druck ummünzen und dann kann man auch die Spiele gut meistern.“

Wie fühlt es sich an, das Entscheidungstor in einem Relegationsspiel zu schießen?
„Richtige Worte für den Moment damals in Dresden habe ich nicht. Als ich das Zwei-zu-Null geschossen habe, war mir bewusst, dass wir es wahrscheinlich gepackt haben, da es ja schon in der Nachspielzeit war. Aber direkt danach kannst du gar nicht alles wahrnehmen.“

Kennst Du Deinen aktuellen Marktwert und was hältst du davon?
„Das müssten wahrscheinlich so 400000 bis 500000 Euro sein, wobei ich das aus dem Kopf nicht sicher weiß. Transfermarkt.de macht die Marktwerte und im Endeffekt kommt es auch viel darauf an, was der Verein selbst sagt, wie viel ich für ihn wert bin.“ (Siehe eigenen Bericht.)

Was hältst du von der Debatte zur „One Love“-Binde?
„Das ist immer schwierig. Wir Fußballer wollen natürlich einfach für die Weltmeisterschaft spielen – für Spieler ist das das größte Ereignis, das man sich vorstellen kann. Das ganze Politische ist schlecht, sollte nicht sein. Es ist schwierig, sich auf eine Seite zu stellen und es ist doof, wie sich Katar teilweise dagegen gestellt hat. Das sieht man nicht gerne.“

Was ist Deine Meinung zur WM in Katar?
„Politisch ist da viel falsch gelaufen bei der Vergabe nach Katar. Wir Spieler wollen allerdings einfach Fußball spielen und die Leute sollen sich mehr Gedanken darüber machen.“

Wer ist Deiner Meinung nach der beste Spieler aller Zeiten und warum?
„Lionel Messi. Er ist ein sehr guter Spieler. Bei ihm sieht man, wie viel man mit Ehrgeiz und Disziplin erreichen kann. Bei Messi sieht man, was Talent ausmachen kann. Er ist ein unfassbarer Spieler und man kann sich einiges abschauen. So wie er spielt, werde ich in meinem Leben nicht spielen.“

Wie oft bist Du unter der Saison in Ihrlerstein?
„An Weihnachten versuche ich natürlich immer herzukommen. Ansonsten bin ich leider nicht mehr so oft hier, weil es 400 Kilometer entfernt ist. Das ist schade, weil ich meine Eltern nur noch relativ selten besuchen kann, aber ich versuche schon, zwei-, dreimal im Jahr hier zu sein.“

Hast Du einen Spielberater?
„Ja, den habe ich. Ich finde es wichtig, dass man einen hat. Ich arbeite mit meinem jetzt schon acht, neun Jahre zusammen. Wir haben ein freundschaftliches Verhältnis. Es ist nicht so, dass es rein geschäftlich ist und er nur wegen des Geldes etwas mit mir zutun haben will, sondern wir fahren auch mal in den Urlaub zusammen.“

Wer war in der Schulzeit Dein Lieblingslehrer an der JSM und wen mochtest du am wenigsten?
„Natürlich alle Lehrer, die hier im Raum sind. Ein paar sind auf jeden Fall noch da. Ansonsten kann ich über die Zeit hier sagen, dass es sehr schön war. Der JSM habe ich viel zu verdanken. Sie haben mich oft mal freigestellt, wenn große Turniere oder Spiele waren und ich schaue immer wieder gerne auf die Zeit zurück. Ich werde versuchen, im nächsten Jahr öfter vorbeizuschauen – nicht nur alle zehn Jahre.“

Was hat Dir besonders gefallen an der JSM?
„Das Zusammensein. Es war immer ein entspanntes Klima und auch das Weihnachtskonzert war zu meiner Zeit damals schon richtig schön und solche Sachen sind einmalig – dafür steht die Schule. Ihr könnt froh sein, dass ihr hier seid.“

Inwiefern hat Deine Familie Anteil daran, dass Du Profi bist?
„Sehr großen Anteil. Ich bin meiner Familie dafür sehr dankbar. Vor allem meine Mutter hat mich überall herumgefahren. Ohne meine Eltern hätte es wahrscheinlich nicht so geklappt.“

Welche Träume hattest Du als Kind bezüglich Deiner Fußballkarriere?
„Mein Traum war, bei einem großen Verein in einem vollen Stadion zu spielen – und Woche für Woche Fußball auf hohem Niveau spielen zu können. Ich habe immer noch Träume: Dass ich in der ersten Liga oder vielleicht mal international spielen werde. Ich glaube, es ist auch für euch wichtig, dass ihr immer Träume habt.“

Zum Schluss gab es langen Applaus, bevor die Schüler sich Autogramme abholten und für ein Foto mit dem 26-jährigen Fußballprofi posierten. Dann wurden sie in die Weihnachtsferien entlassen.

DK