Rückblick auf bewegtes Leben
„Die Schulfamilie stand immer zusammen“

Bernhard Aschenbrenner, früherer Leiter der Staatlichen Realschule und Ministerialbeauftragter, wird 70

25.09.2023 | Stand 25.09.2023, 4:50 Uhr

Auch mit 70 Jahren ein Teamplayer: Bernhard Aschenbrenner. Foto: Janda/Archiv

An seinem 70. Geburtstag an diesem Montag blickt Bernhard Aschenbrenner voll Dankbarkeit auf sein Leben zurück. Es sei ihm in den vergangenen Jahrzehnten vergönnt gewesen, viele „Dinge zu gestalten und vermittelnd zu regeln“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Doch nicht nur beruflich stand der frühere Leiter der Staatlichen Realschule Riedenburg und Ministerialbeauftragte für die Realschulen in Niederbayern zumeist auf der Sonnenseite. Gemeinsam mit seiner Frau Gisela fand er ab 1980 in Riedenburg auch privat sein Glück und er freut sich, dass ihrer beiden Söhne in seine Fußstapfen traten und ebenfalls ins Lehramt strebten. Dass die beiden Schwiegertöchter ebenfalls Lehrerinnen sind, rundet alles noch ab.

Seine berufliche Karriere war dem 1953 in der kargen Nachkriegszeit im damals noch bitter armen Bayerischen Wald geborenen Bernhard Aschenbrenner gewiss nicht an der Wiege gesungen worden. Der Vater arbeitete bei der Post. Doch der Bub aus dem kleinen Blaibach schaffte den Sprung ans Gymnasium in Cham, wo er täglich mit dem Zug hinfuhr.
Nach dem Abitur studierte er in Nürnberg und Regensburg Lehramt für Realschulen. „Katholische Religionslehre und Wirtschaftswissenschaften – das war eine exotische Fächerkombination“, erinnert sich Aschenbrenner lachend.

Dass es ihn ab 1980 nach Riedenburg verschlug, kam so: Über gemeinsame Jugendarbeit für die Diözese Regensburg hatte er den damals in Riedenburg tätigen Kaplan Karl Schreiber kennengelernt, der ihn auf eine freie Planstelle an der hiesigen Staatlichen Realschule aufmerksam gemacht hatte. Während des Studiums in Regensburg hatte Aschenbrenner seine Frau Gisela kennengelernt und dank der Nähe zur Domstadt erwies sich Riedenburg als optimaler Ort, um hier die Familie zu gründen. Schulleiter an der Johann-Simon-Mayr-Realschule (JSM) war damals der legendäre Konrad Hering.

Aschenbrenner sagt von sich selbst, dass er „Lehrer aus Leidenschaft“ ist, aber auch die administrative Seite dieses Berufs reizte ihn. Im Jahr 2000 wurde er zum zweiten Konrektor an der JSM berufen. Nur drei Jahre später wurde der Riedenburger zum Leiter der Staatlichen Realschule in Landshut befördert. Doch als 2007 die Stelle des Chefs an der JSM frei wurde, zog es ihn zurück in seine vertraute Riedenburger Schulfamilie.

Doch auf den neuen Leiter der Staatlichen Realschule warteten gewaltige Herausforderungen. Ab 2009 wurde ein Großteil der vorhandenen Gebäude abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. „Das war eine heftige aber schöne Zeit“, erinnert sich Aschenbrenner. „Die Schulfamilie stand immer zusammen, obwohl wir alle am Limit waren.“ Er dankt für das Glück, in seinen Positionen stets „großartige Teams“ an seiner Seite gewusst zu haben.

Nach dem Abschluss der Bauarbeiten, der Auszeichnung als MINT-Schule und der erfolgreichen Arbeit als Seminarschule für angehende Lehrkräfte, hätte Aschenbrenner es bis zu seiner Pensionierung etwas gelassener angehen lassen können. Zu seinem 60. Geburtstag war er von der Schulfamilie sogar zum „besten Chef der Welt“ ernannt worden. Umso überraschender war – nicht zuletzt für ihn selbst –, dass er 2014 wieder nach Landshut wechselte. Als Ministerialbeauftragter für die Realschulen in Niederbayern fungierte er bis zum Ende seiner beruflichen Laufbahn als verlängerter Arm des Kultusministeriums. Das war zwar nie ein Teil seiner Lebens- und Berufsplanung gewesen. Aber „jedes Neue hat seinen Reiz und es war die richtige Entscheidung“, sagt er heute im Rückblick.

Doch Langeweile bleibt für Aschenbrenner auch seit seinem Ruhestand 2019 ein Fremdwort. Sein Sohn Florian leitet die Stadtkapelle Riedenburg und als eine Vereinsgründung erforderlich wurde, ließ sich Vater Bernhard als Vorsitzender in die Pflicht nehmen. Dieser juristische Schritt sei wegen der Professionalisierung der Jugendarbeit nötig gewesen. Der Erfolg stellte sich ein, etwa 30 junge Musiker werden derzeit ausgebildet und die Stadtkapelle genießt musikalisch ein hohes Renommee. „Alle arbeiten mit viel Idealismus“, lautet Aschenbrenners Einschätzung. „Dabei bin ich wahrscheinlich weit und breit der einzige Nicht-Musiker, der bei einer Kapelle eine Leitungsfunktion innehat“, ergänzt er mit der ihm eigenen Selbstironie.

rat