Essing

Die Ortsgeschichte in Stein gemeißelt

Markt Essing stellt bei einer Vernissage die Ergebnisse des zweiten Bildhauersymposiums vor

04.09.2022 | Stand 04.09.2022, 16:09 Uhr

Von Lorenz Erl

Essing/Riedenburg – Eine Woche lang ist der Pfarrhofgarten in Essing ein Freiluftatelier für vier Künstler gewesen. Mit viel Passion wurde gesägt, geschliffen, gemeißelt und geschweißt. Alle Künstler hatten in diesem zweiten Bildhauersymposium der Marktgemeinde die Aufgabe, aus für die Region typischen Materialien ein Kunstobjekt zu schaffen, das einen Bezug zur Geschichte des Marktes und der Region hat (wir berichteten).

Am Samstagnachmittag mussten die drei Männer und eine Frau bei einer Vernissage präsentieren, welche ihrer Gedanken zu diesen Vorgaben konkrete Gestalt angenommen haben. Bürgermeister Jörg Nowy (FCW) übernahm die Aufgabe, die Teilnehmer und den Ursprung dieses Symposiums den gut 50 Gästen vorzustellen. „Ich denke, dass es für so einen kleinen Ort keine Selbstverständlichkeit ist, sich an so ein Projekt heran zu wagen“, sagte er und dankte seinen Markträten, dass sie diesen mutigen Schritt mit ihm gegangen sind.

Bereits nach dem ersten Symposium 2018 war gemeinsam beschlossen worden, weitere Künstlertreffen zur Erweiterung des im Jahr 2004 installierten Kunstwegs entlang des Altwassers zu organisieren. Mit diesem Kunstweg wollen die Markträte die einzigartige Geschichte Essings im öffentlichen Raum darstellen und ständig mit neuen Objekten erweitern.

Pfarrhof dient nach der Sanierung für Ausstellungen

„Das haben die Künstler wieder in idealer Weise umgesetzt, auch wenn dieses Vorhaben wegen Corona verschoben werden musste“, erläuterte Nowy. Kurz ging der Bürgermeister noch auf das historische Pfarranwesen ein, das die Marktgemeinde im vergangenen Jahr gekauft hat. Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten soll es für verschiedene Ausstellungen und natürlich für die Einheimischen nutzbar sein.

Als erster aus der Künstlerrunde zog Michael Königer das verhüllende Tuch von seiner Stele. Das Werk aus seiner Karner-Reihe nennt er Karner V. „So ein Karner – ein Beinhaus – hat auch in Essing existiert. Das gesamte Altmühltal ist mit seinen Korallenkalken ein großes Beinhaus“, ging er auf die Ortsgeschichte ein. Mit den steinernen Totenschädeln im Block des Juramarmors mahnt er die Vergänglichkeit alles Lebenden und die Irrwege der Evolution an. „Wir sind zu gierig und wir sind zu viele. Wir haben in unserer Entwicklung irgendwann die falsche Abfahrt genommen und sind auf Verführungen wie die Religionen hereingefallen“, erläuterte er die Hintergründe seiner Gedanken zu diesem Werk.

Günter Schinn aus Riedenburg mit Wurzeln in Essing und Organisator des Symposiums verwurzelt sein Werk gleichfalls in der Steinzeit. Er schuf aus Kelheimer Auerkalk einen abgebrochenen Mammutzahn, in den er die steinzeitliche Elfenbeinritzung eines Mammuts einfügte. „In der Oberen Klausenhöhle wurde eine Elfenbeinscheibe gefunden, in die ein Vorzeitmensch ein Mammut eingeritzt hatte. Ich dachte, ich hole euch das Kunstwerk wieder zurück nach Essing“, erläuterte er. „Kunst ist wichtig für die Entwicklung der Kultur“, betonte Schinn und dankte dem Markt Essing für dessen Engagement zu diesem Projekt.

Einen Bezug zur Steinzeit stellte auch Florian Zeitler mit seinem Zeitstempel her. Er hat seine Gedanken zu einem zentnerschweren Stempel aus Stein werden lassen, der in einem Metallkörper ruht und gedreht werden kann. Die eine Seite des Stempels versah er mit einer steinzeitlichen Felsritzung und die andere Seite mit dem Abdruck seiner Hand, wie sie Frühmenschen in manchen Höhlen hinterlassen haben. „Die Zeit drückt jedem von uns ihren Stempel auf und ich habe hier eine Momentaufnahme aus der Steinzeit gewählt“, erläuterte er. Zeitler war zum zweiten Mal bei einem Symposium in Essing vertreten. „Es ist mir eine Ehre, wieder teilnehmen zu dürfen“, versicherte er.

Bergfried von Randeck als Holzskulptur

Als Vierte in diesem Künstlerquartett hat Annette Scheder den Bergfried von Randeck in einer Holzskulptur interpretiert. „Man sieht der Burg von unten gar nicht an, was in ihr steckt“, meinte sie. Sie ließ sich von der nicht eckigen und auch nicht runden Form des Bergfrieds fesseln. „Der Bergfried hat eine Tropfenform und die habe ich in der Skulptur nachempfunden – mit den Felsen darunter und dem angedeuteten Dorf zu seinen Füßen“, wies die Ernährungswissenschaftlerin und leidenschaftliche Freizeit-Holzbildhauerin auf die Details hin.

Nowy dankte sowohl den Sponsoren für die Spende des Marmorkalks und des Holzstammes als auch den Akteuren für ihre künstlerischen Leistungen und versprach, die Objekte am Kunstweg aufstellen zu lassen, sobald die Betonsockel dafür fertig seien.

DK