Riedenburg
Das Kloster St. Anna in Riedenburg Mittelpunkt einer Ausstellung von Maximilian Halbritter

03.12.2023 | Stand 03.12.2023, 14:50 Uhr

Im Obergeschoss der Tourist-Info ist die jüngste Ausstellung von Maximilian Halbritter rund um das Kloster St. Anna mitsamt der Weihnachtskrippe untergebracht. Foto: Erl

Es sind wahre Schätze, die Max Halbritter beinahe schon sein ganzes Leben lang zusammengetragen hat. Wer ihn inmitten seiner Schätze erlebt, der erkennt bald auch deren wahren Wert und lernt ihn zu schätzen. Es sind beileibe keine materiellen Schätze, die Halbritter in seiner Leidenschaft als Stadtarchivar gehortet hat. Vielmehr sind es rund 4000 Exponate, die alle von der Geschichte Riedenburgs erzählen und die alle einen authentischen Bezug zur Dreiburgenstadt und ihrer Umgebung haben.

Halbritter ist sein Leben lang schon fasziniert von der überaus vielschichtigen Vergangenheit der Region, an der er in der ersten Adventswoche auch seine Mitbürger teilhaben lässt. Seit Sonntag sind im Historischen Rathaus von Riedenburg im Obergeschoss wieder zahlreiche seiner Sammlerstücke zu sehen, die oft auch einen persönlichen Bezug zu den Vorfahren von noch heute in der Region lebenden Familien haben. Unter schützender Folie und auf langen Tischreihen hat er 70 Grafiken von 37 regionalen und nationalen Künstlerinnen und Künstlern vorbereitet, die unter dem Motto „aus/gezeichnete Zeichnungen“ markante Bauwerke und Landschaften von der Zeit um 1841 bis zur Gegenwart zeigen. Gut nachvollziehbar ist dabei auch, wie sich die Betrachtungsweisen und Techniken der Künstler im Lauf dieser 180 Jahre an den jeweiligen Zeitgeschmack angepasst haben. Wohl schon öfters als 25-mal hat Halbritter mit solchen Ausstellungen im Zusammenwirken mit der Stadtverwaltung die Adventszeit bereichert.

In diesem Jahr widmet er dem im Oktober 1860 gegründeten Kloster St. Anna und der Mädchenrealschule eine Sonderausstellung mit mehr als 260 Einzelobjekten. Mit Spürsinn und großer Sammlerenergie hat Halbritter sowohl Abzüge von den damaligen Glasplatten-Aufnahmen vom Besuch des Kronprinzen Ludwig von Bayern am 16. und 17. Mai 1906 samt seinem Spaziergang zum Kloster ausgewählt als auch zahlreiche persönliche „Absolvia“ der Entlass-Schülerinnen. Die jungen Damen hatten zum Ende ihrer Schulzeit Postkarten versandt – schon in der Zeit, als Bayern noch ein Königreich war und auch während der Nazi-Herrschaft. Anhand dieser mehr als 260 Exponate lässt sich an einzelnen Lebenswegen, Grußformeln und persönlichen Sätzen dem Geist dieser Zeiten nachspüren, in den die Geschichte der Region ebenso einbezogen war wie die Geschichte Deutschlands. Natürlich sind all die Exponate und Kunstwerke nicht verkäuflich, viel zu lange hat Halbritter dafür in Fachkreisen und auf Sammlermessen danach gesucht.

Einige Stücke, die er mehrfach besitzt, und auch einzelne Zeichnungen sowie Postkartensätze wird er aber in einem Papier-Antiquariat interessierten Menschen zu einem Schnäppchenpreis offerieren. Auch seine Bücher, von denen die Verkaufserlöse komplett an den Riedenburger Turnverein sowie an die örtlichen Kindergärten gespendet werden, stehen weiterhin zum Verkauf. Für den früheren Kassenverwalter der Stadtkasse und Ruheständler seit 2020 ist es Ehrensache und Teil seiner Historien-Passion, dass er mehr als hundert Freizeitstunden in die Vor- und Nachbereitung solcher Ausstellungen steckt, sich ein akribisches Konzept dazu überlegt und an den Öffnungstagen stundenlang persönlich vor Ort ist. Natürlich dürfen ihn die Leute da gerne ansprechen. Halbritter hat nicht nur die Hintergründe zu den gezeigten Exponaten im Kopf, er ist mit all seinem jahrzehntelangen Wissen geradezu ein unerschöpfliches lebendiges Nachschlagewerk zur üppigen Historie der gesamten Region. „Das Schönste an solchen Tagen ist, wenn die Leute Interesse haben. Sehr viele kommen von auswärts. Ich würde mir wünschen, dass auch die Riedenburger etwas mehr Geschichtsinteresse haben würden“, ist seine Erfahrung.

Vor allem über das Interesse von jungen Menschen freut er sich ganz besonders. Die Tage dieser Ausstellung und ganz besonders das Christkindlmarkt-Wochenende sind gerne angenommene, aber auch stressige Tage für Max Halbritter. „Es sind anstrengende Tage, weil ich an solchen Tagen wohl mehr rede als das ganze Jahr über. Aber es macht trotzdem Spaß, wenn man den Leuten damit eine Freude machen kann und sich auch kulturhistorisch was in Riedenburg rührt“, schmunzelt der Archivar.

Die Ausstellung samt Weihnachtskrippe der Stadt Riedenburg im Obergeschoss der Tourist-Info ist bis Freitag täglich von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Am Christkindlmarkt-Samstag ist die Öffnungszeit von 16 bis 20 Uhr, am Christkindlmarkt-Sonntag von 13 bis 20 Uhr. Der Eintritt ist jeweils frei.

DK