„Das hässliche Gesicht des Krieges vor Augen geführt“
Zum Totengedenken haben sich Vereine, Politiker und Bürger in Zell an der Speck getroffen

20.11.2023 | Stand 20.11.2023, 11:00 Uhr

Zahlreiche Kriegervereine aus dem Landkreis und Ehrengäste aus der Politik waren zum Totengedenken nach Zell an der Speck gekommen. Foto: Gabler

Kein ruhmreicher Ort, aber eine geschichtsträchtige Gedenkstätte ist der Soldatenfriedhof in Zell an der Speck, an dem jedes Jahr am Volkstrauertag eine Gedenkveranstaltung der Kreiskriegervereinigung Eichstätt-Land stattfindet.

„In Zell wurde allen das hässliche Gesicht des Krieges bildlich vor Augen geführt“ erinnerte der Vorsitzende der Kreiskriegervereinigung Eichstätt-Land, Andreas Husterer, Hier mussten am 25. April 1945 neunzehn junge Männer auf sinnloseste Art und Weise ihr Leben lassen. Diesen gefallenen Soldaten möchten wir zur besonderen Ehrerbietung namentlich gedenken, sagte er. Zahlreiche Fahnenabordnungen und Kameraden der Kriegervereine aus der Umgebung sowie Kameraden des Standortes Neuburg und Gäste aus der Politik waren anwesend. Die diesjährige Feier stand nicht nur im Gedenken an die gefallenen Soldaten der beiden Weltkriege, sondern auch in dem aktuellen Terror in der Ukraine und im Gaza-Streifen. Pfarrer Andriy Mykhaleyko segnete die Gedenkstätte.

Der Frieden ist das dringlichste, dass die Welt in diesen Tagen braucht“, sagte Mykhaleyko. Jeder sollte sich selbst fragen, was er persönlich dazu tun könne. Damit die Welt etwas heller werde, müssten alle täglich daran denken und gestalten. Frieden sei aber nicht alleine eine Sache der Menschen, Jesus Christus würde dabei mithelfen. „Wir müssen das Gespräch suchen und gerade mit der Jugend im Kontakt bleiben“, fordere er für eine Zukunft in Frieden.

Bürgermeister Thomas Hollinger begrüßte neben den Ehrengästen den Ehrenvorsitzenden der Vereinigung, Heinz Reber. „Bei Krieg denken wir zwangsläufig an die vielen Menschen, die in den verschiedensten Teilen der Welt ihr Leben auf Schlachtfeldern gelassen haben“, betonte er. Wir dächten an weinende, verwaiste Kinder, zerstörte Heimatorte, Trauer und Leid. Und genau diese Bilder kämen uns aktuell wieder vor Augen – aus gar nicht so weit entfernten Länder: zerbombte Wohnblöcke, katastrophale medizinische und hygienische Notstände, Hungersnöte und Bilder von scheußlichsten Taten und Kriegsverbrechen. Mit Trauer, aber auch mit Empörung, blickten wir auf den Krieg in der Ukraine. Ebenso entsetzt sähen wir in den Nahen Osten nach Israel, wo man seit Jahrzehnten von einem Pulverfass spreche. Dort hätte nun jemand die Zündschnur entfacht. Damit sei Krieg auf einmal wieder ganz aktuell, ganz nah und brandgefährlich, sagte er. Es zeige leider auf abscheuliche Weise, wie wackelig der Frieden in Europa sei.

Husterer, stellte den Leitspruch zum Volkstrauertag des Volksbundes: „Versöhnung über den Gräbern“, heraus. Nicht nur die Tradition, sondern die Einsicht beantworte die Zweifel, ob dieser Gedenktag – fast 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges – überhaupt noch gebraucht werde, erläuterte er. Diese Momente des Innehaltens seien wichtig wie die Orte des Gedenkens, damit das Geschehene nicht verdrängt werde. Es sei ein Gebot der Menschlichkeit, sich für den Schutz von Zivilisten einzusetzen und humanitäre Hilfe zu leisten. Große Bedeutung hätte auch die Demonstration von militärischer Leistungsfähigkeit, um ernste Folgen zu vermeiden.

Kränze legten Thomas Hollinger und Edmund Graf für den Markt Nassenfels sowie Andreas Husterer für die Kreiskriegervereinigung, den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und die Bundeswehr nieder. Musikalisch umrahmt wurde die Gedenkfeier von der Meilenhofener Blasmusik.

hpg