Authentisch und wahrhaftig sein
Zimmerermeister Richard Betz gibt Eichstätter Mittelschülern Tipps für ihren Lebensweg

19.06.2024 | Stand 19.06.2024, 17:00 Uhr |

Die Brücke des Lebens: An der Mittelschule Schottenau in Eichstätt waren die Zimmerer Michael Kraus, Richard Betz (v. l.) und Johann Mack zu Gast. Vier Schüler des Technik-Zweigs unterstützten am Ende beim Bau der Da-Vinci-Brücke. Foto: Wühr

„Wie finde ich meinen eigenen Weg im Leben?“ Mit dieser Frage startete Zimmerermeister Richard Betz seine Aufführung an der Mittelschule Schottenau in Eichstätt. Um die 50 Jugendliche, die das Fach „Technik“ zum Profilfach im berufsorientierenden Zweig gewählt haben, versammelten sich in der Aula, um dem „Ein-Mann-Theaterstück“ zu lauschen. Und lauschen traf es tatsächlich ganz gut: Ab der ersten Minute waren die Schülerinnen und Schüler von Betz in Bann gezogen.

Vor einer Holzwand mit dem Slogan „Handwerk ist (un)cool!“ erzählte er in typischer Zimmerer-Kluft über seinen Werdegang. Dass der Weg nicht immer geradeaus läuft und dass auch Betz nach der Schule zunächst „keinen blassen Schimmer“ hatte, was er tun sollte, das wurde den Schülern schnell klar. Hier zeigten sich erste Parallelen zwischen dem Solisten und seinen Zuschauern. Doch wichtig sei für den Zimmerer immer: „Sei authentisch, sei wahrhaftig, mach dein eigenes Ding.“ Nur so könne man seinen Weg finden.

Betz berichtete von seinem Umweg über ein Architekturstudium und seine Zeit im Ausland als Begleiter von Abenteuerreisen. Über seine Suche nach einer Heimat und dem damit verbundenen Kauf einer „Bruchbude“. Und schließlich über sein „Ankommen“ am ersten Arbeitstag in einer Zimmerei. „Ich war völlig fasziniert vom Holz, vom Geruch und von den Kollegen. Da war der Manfred, der auf der Walz war und beinahe die ganze Welt gesehen hat.“ Bereits am dritten Tag unterschrieb er einen Ausbildungsvertrag und fand in diesem Handwerk seine Erfüllung.

Doch warum hat das so lange gedauert, bis er schließlich seinen Weg gefunden hatte? Für Betz liegen die Antworten auf der Hand: dass ein Studium für die Gesellschaft noch immer einen höheren Wert als eine solide Ausbildung habe, dass das Handwerk von Vorurteilen behaftet sei – etwa mit Aussagen wie „Handwerker sind dumm!“, „Das Handwerk ist dreckig!“ oder „Alle Handwerker trinken ihr erstes Bier vor 8 Uhr!“. Auch hier verdeutlichte der Zimmerer den Jugendlichen, dass das Handwerk natürlich anstrengend sei, doch es mache auch glücklich. Man sehe am Ende des Tages, was man geschafft habe, arbeite in einem kleinen Team, sei keine Nummer unter vielen. Und auch Frauen fänden zunehmend in die Berufszweige. „Ich habe die beste Zimmerin im Bezirk ausgebildet, die war besser als alle Jungs!“ Der Wunsch der heutigen Gesellschaft, in einer besseren Welt zu leben – auch diesen Punkt griff Betz in seiner Vorführung auf. „Wenn die Welt klimaneutral sein soll, dann muss diese Welt auch jemand bauen. Nur vom Plakatehochhalten passiert nichts. Da braucht es Leute, die installieren, dämmen, bauen: also uns Handwerker!“

Am Ende stand der Zimmerer schließlich auf einer Brücke, die er nebenbei im Stil Leonardo da Vincis ganz ohne Schrauben auf der Bühne aufgebaut hatte – so, wie auch er sein Leben und seine Karriere und seinen „Sinn“ im Leben aus Einzelteilen zusammengebaut hatte. Er hielt einen Richtspruch auf Da Vinci und das Handwerk. Darauf, dass er auf seinem Weg sich selbst kennengelernt hat und dass er nichts davon bereut. Darauf, dass es auf dem Weg zur richtigen Berufswahl keine falschen Entscheidungen gebe – problematisch wäre nur, „keine Entscheidungen“ zu treffen. Dies waren auch die wichtigsten Tipps, die Zimmerer Betz den Jugendlichen mit auf den Weg geben wollte.

In einer Fragerunde gesellten sich der selbstständige Zimmerermeister Michael Kraus und der Obermeister der Zimmerer-Innung Eichstätt, Johann Mack, zu Betz auf die Bühne. Sie beantworteten den Schülern Fragen zum erforderlichen Abschluss, zu den Weiterbildungsmöglichkeiten, den Aufgabengebieten und dem Verdienst. Auch die Kluft wurde erklärt und dass sie Ausdruck des Berufsstolzes ist und auch für Ansehen sorgt. Außerdem ermutigten sie die Jugendlichen zu einem Praktikum, um den Beruf einfach mal auszuprobieren und sich vielleicht auch „vom Fieber anstecken“ zu lassen. So wie es Betz’ Tochter erging, die nach dem Abitur doch in die Ausbildung zur Zimmerin starten wird.

Am Schluss holte der Zimmerer noch vier Schüler auf die Bühne, die seine Brücke nicht nur testen, sondern diese auch zerlegen durften und dann souverän wieder aufbauten – als Team.

EK