Joachim Herrmann in Hirschberg

Verpflichtendes soziales Jahr eine „Katastrophe für den Arbeitsmarkt“?

Innenminister äußert sich in Hirschberg zu der aktuellen Debatte

20.06.2022 | Stand 20.06.2022, 16:50 Uhr

Im prächtigen Rittersaal auf Schloss Hirschberg hat Innenminister Joachim Herrmann am Sonntag gesprochen. Foto: F. Rieger

Im Mittelpunkt der Festrede, die der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Sonntag auf Schloss Hirschberg gehalten hat, stand der Krieg in der Ukraine. Bei der anschließenden Diskussionsrunde interessierte die Teilnehmer des Hirschberg-Forums noch ein anderes aktuelles Thema.



Wie steht Herrmann zu den jüngst von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ins Spiel gebrachten Überlegungen, für junge Leute ein verpflichtendes soziales Jahr einzuführen?

Der Staatsminister machte keinen Hehl daraus, dass bei dieser Frage zwei Herzen in seiner Brust schlagen. Grundsätzlich sei er stets ein Befürworter der Wehrpflicht gewesen. Auch dann noch, als sie unter Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, ebenfalls Christsozialer, ausgesetzt wurde. Das habe ihn an Guttenberg „wesentlich mehr gestört“ als dessen Doktorarbeits-Thematik, scherzte der Bayerische Innenminister. Er hätte sich eher eine Modernisierung dieser Pflicht gewünscht. Und er sei grundsätzlich der Meinung, dass es wichtig wäre, jungen Mitbürgern die Bedeutung eines Engagements für die Allgemeinheit und den Staat zu vermitteln.

„Massive Warnungen gehört“

Aber: Aus der Freiwilligkeit nun wieder eine Pflicht machen? Diesbezüglich habe er von Verbandsvertretern aus der Arbeitswelt massive Warnungen gehört, sagte Herrmann. Man steuere auf Zeiten zu, in denen sich der Fachkräftemangel schon allein aus demografischer Sicht weiter verschärfen werde. Ausgerechnet dann einen kompletten Jahrgang an nachkommenden Kräften für ein Jahr herauszunehmen, müsse man wohl als „totale Katastrophe für den Arbeitsmarkt“ bewerten.

Aus Teilnehmerkreisen kam in Hirschberg die Anregung, dass eventuell schon ein halbes Jahr ausreichen würde. Ein solcher Dienst könne durchaus eine wichtige Erfahrung sein.

rgf