Eichstätt

Vernissage, Lesung und Filmabend mit Li Portenlänger und Akos Doma

27.06.2022 | Stand 27.06.2022, 17:07 Uhr

In ihrem Lithografiekunstwerk „Hinein“ zeigt Li Portenlänger ein Bild eines in einen fiktiven Weltraumtunnel Hineinwandernden. Foto: Luff

Eichstätt – Es war eine kongeniale Zusammenarbeit zwischen der Künstlerin Li Portenlänger und dem Schriftsteller Akos Doma: Am Samstag präsentierten die beiden Eichstätter in der Lithografie-Werkstatt und anschließend im Caritas-Pirckheimer-Hof ihr interdisziplinäres Projekt „Eichstätt – Baikonur.“

Während die Lithografin ihre Ausstellung „Hinaus in die Welt, hinein in den Raum“ eröffnete und dabei eine Auswahl herausragender Drucke vorstellte, in denen die Themen Garten und Raumfahrt eine reizvolle Symbiose eingehen, las Doma anschließend unter freiem Himmel Textausschnitte bekannter und weniger bekannter Autoren vor, die sich mit Zukunftsvisionen und Utopien beschäftigten. Den Abschluss der einzigartigen Veranstaltung bildete die Vorführung des tschechoslowakischen Schwarz-Weiß-Films „Ikarie XB 1“ von Jindrich Polák aus dem Jahr 1963.

Juri Gagarin, Weltraumhund Leika, Wernher von Braun und der erste künstliche Erdsatellit Sputnik 1 berührten Li Portenlänger schon seit ihrer Kindheit. In einem Großteil ihrer Drucke hat sie diese Figuren und die Weltraumkapsel lithographisch meisterhaft eingearbeitet, so vor allem in ihrem Triptychon „Raumgarten“. In nicht weniger als 26 Passagen druckte sie als Hintergrund vergrößerte Artischockenblätter aus dem „Hortus Eystettensis“ von 1603, fügte darauf dann mit Pixelung verfremdete Bilder von Gagarin, Leika und von Braun hinzu und ergänzte die Werke mit ihren spezifischen Kreisen, Linienformen und Bordüren. Im ersten Ausstellungsraum indes hat sich die Künstlerin ganz auf die Spuren von Sputnik und Co. begeben: Raumschiffe vor schwarz-blauem Hintergrund, isolierte Menschen in technischen Tunnels und interplanetarische Kreiskonstellationen vor gigantischen Netzen bieten faszinierende Einblicke in das Weltall aus Künstlersicht.

Im Caritas-Pirckheimer-Hof stellte sich bei der Lesung von Akos Doma sogleich eine Atmosphäre ein, die zur Fantasiereise in ferne Zeiten und Galaxien einlud. Und Doma nahm sein Publikum mit auf eine literarische Tour, die zeigte, dass es das Genre Science-Fiction bereits vor mehr als 200 Jahren gab. Sein erster Autor, der radikale Aufklärer Carl Ignaz Geiger aus Ellingen, hatte sogar Lokalkolorit und sein Kurzroman „Reise eines Erdbewohners in den Mars“ (1790) führte den staunenden Zuhörer mit einem Luftschiff aus der Erdatmosphäre bis auf den roten Planeten, der von ganz unterschiedlichen Wesen bewohnt wird, die in vier Staaten leben.

Im zweiten Block der Lesung ging Doma von den bisherigen Utopien zu Dystopien über, die ein deutlich pessimistischeres Bild von der Zukunft zeichnen. Dabei entwarf er mit dem allseits bekannten Roman „1984“ von George Orwell das Schreckensszenario eines totalitären Überwachungsstaats, der jede Individualität und menschliche Regung durch Gewalt und Folter bricht. In einer Schlüsselszene, aus der Doma las, erklärt der Spezialist für Gedankenverbrechen O-Brien dem soeben gefolterten Winston Smith die perfide Logik der Macht durch totale staatliche Kontrolle. Zum Schluss präsentierte Doma noch Ausschnitte aus H. G. Wells Werken „Ein modernes Utopia“, „Die offene Verschwörung“, „Was kommen wird“ und „Die neue Weltordnung“, die zwischen 1928 und 1939 verfasst wurden.

Passend dazu führte der anschließende Science-Fiction-Film „Ikarie XB 1“ vor, wie man sich vor knapp 60 Jahren die Erkundung des 4,3 Lichtjahre entfernten Sternensystems Alpha Centauri im Jahr 2163 vorstellte: Ein radioaktiv verstrahltes Raumschiff aus dem 20. Jahrhundert birgt eine tödliche Gefahr auf dieser Reise und dennoch erreichen die Forscher am Ende den erdenähnlich zivilisierten Planeten.

Die Ausstellung in der Pfahlstraße 25 ist noch bis 10. Juli 2022 jeweils mittwochs, donnerstags und freitags von 16 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 13 Uhr geöffnet.

EK