„Altes Glump“ wird Haus zum Wohlfühlen
Tag des offenen Denkmals in Pförring: Jurahaus der Familie Schmalzl kann am Sonntag besichtigt werden

08.09.2023 | Stand 12.09.2023, 16:11 Uhr

Ein Schmuckstück: Michael und Raimund Schmalzl vor ihrem Pförringer Jurahaus, das sie am Tag des offenen Denkmals zeigen. Foto: Kügel

Raimund Schmalzl und sein Sohn Michael haben ihr Jurahaus in Pförring aufwendig saniert. Das einstige Wohnhaus ihrer Vorfahren diente der Familie lange Jahre als Wochenendhaus. Heute wird es an Feriengäste aus aller Welt vermietet. Am Sonntag kann es besichtigt werden.

„Kelsstraße 15, ehemaliger Bauernhof, Wohnhaus erdgeschossig, mit Kalkplattendach und Putzbandgliederung, Ende 18./Anfang 19. Jahrhundert.“ So lautet der Eintrag in der Bayerischen Denkmalliste. Nichts Besonderes also – zumindest auf den ersten Blick. „Schiab’s weg, des alte Glump“, diesen Rat mussten sich die Schmalzls nicht nur einmal anhören, wenn es um die Zukunft des Hauses ging. Dass sie es nicht taten, liegt nicht zuletzt an den vielen Erinnerungen, die die beiden mit dem Haus verbinden.

Im Verschlag unter der Treppe gackerten die Hühner

Raimund Schmalzl, Jahrgang 1961, verbrachte seine Ferien gern bei seinen Großeltern in Pförring. Wenn er den Hausflur betritt, hat er noch heute den kleinen Verschlag unter der Treppe vor Augen, wo im Winter Omas Hühner gackerten. Später verbrachte die ganze Familie die Wochenenden von April bis Oktober in Pförring. „Im Frühjahr und im Herbst dauerte es eine Weile, bis der Holzofen die Kälte vertrieben hatte, dafür war es selbst im Hochsommer hinter den dicken Mauern angenehm kühl“, erzählt Michael Schmalzl. Und außerdem hätten sich ihre Pförringer Freunde jeden Freitag darauf gefreut, dass die Schmalzl-Buben Michael und Florian mit ihren Eltern aus München kamen.

Einen ersten Renovierungsversuch unternahm die Familie 2009. Mit dem Stemmeisen wurden die Fußböden im Erdgeschoss vom PVC-Belag befreit, den die Großeltern auf die Natursteinböden geklebt und so unfreiwillig ein Biotop für den Messingkäfer geschaffen hatten.

Als Michael Schmalzl 2016 sein Masterstudium an der TH Ingolstadt aufnahm, wurde für ihn Erdgeschoss renoviert: eine ebenso geräumige wie ungewöhnliche Studentenbude. Die große Überraschung erlebten die Bauherren beim anschließenden Vorprojekt für die große Sanierung: Die den-drochronologische Untersuchung der Dachbalken ergab, dass die Bäume im Winter 1540/41 geschlagen worden sind. Die Schmalzls sahen sich nun umso mehr verpflichtet, dieses Kulturgut zu erhalten und weiterhin sinnvoll zu nutzen. Noch vor der Sanierung begannen sie, das Gebäude unter dem Motto „Das Jurahaus 1540 – Urlaub im Denkmal“ an Feriengäste zu vermieten. Ob der positiven Resonanz waren sie selbst überrascht. Gäste aus aller Welt erfreuen sich seither am Knarzen der Holztreppe, loben die Kühle im Sommer und genießen den guten Schlaf unter dem dicken Steinplattendach.

Die große Renovierung teilte man in zwei Bauabschnitte auf. 2019 wurde der schwere Dachstuhl ausgebessert und komplett neu mit Kalksteinplatten eingedeckt. Zwei Monate dauerte die Arbeit, die nur noch wenige Dachdecker beherrschen. 2021 ließen die Bauherren dann die Fassade neu verputzen, denkmalgerechte Fenster setzen und eine zum Alter und Stil des Hauses passende neue Haustüre einbauen. Auf ein ebenfalls renoviertes Nebengebäude wurde eine PV-Anlage montiert, die das 500 Jahre alte Haus nun ganz ökologisch und modern mit Strom versorgt. Mit der Sanierung des Gewölbekellers und der Rauchkuchel fand das Projekt Anfang 2022 seinen Abschluss.

Unterstützung vonKommune und Land

Eine solche Renovierung sei natürlich immer mit Risiken verbunden und sehr kapitalintensiv, räumen die Schmalzls ein. Aber die Unterstützung, die man von Kommune und Land erhalte, minderten diese Sorgen und auch die Zusammenarbeit mit der Denkmalschutzbehörde sei „ganz vernünftig“ gewesen, sagt Raimund Schmalzl. Vater und Sohn sind sich deshalb einig: „Wir würden den Schritt ins Ungewisse immer wieder wagen! Und jeden, der im Besitz eines solch alten Kulturguts ist, können wir nur ermutigen, es uns gleich zu tun!“ Ganz besonders freut es die beiden Jurahaus-Besitzer, dass ihnen selbst diejenigen, die schon den Abrissbagger rollen sahen, jetzt zu ihrem „Schmuckstück“ gratulieren.

An diesem Sonntag kann das Jurahaus, Kelsstraße 15 in Pförring, im Rahmen des Tags des Offenen Denkmals besichtigt werden. Interessierte sind „beim Feigl-Kaspar“, so der Hausname, von 14 bis 17 Uhr willkommen.

DK