Beilngries

Startschuss für „VGI-Flexi“

ÖPNV-Pilotprojekt: Rufbus für die Gemeinde Beilngries, Teile von Kinding und Plankstetten

01.06.2022 | Stand 01.06.2022, 16:41 Uhr

Es kann losgehen: Der offizielle Auftakt für das Rufbus-Pilotprojekt „VGI-Flexi“ ist am Mittwochvormittag auf dem Beilngrieser Kirchplatz erfolgt. Fotos: F. Rieger

Von Fabian Rieger

Beilngries – Nun gut, so ehrlich muss man sein: Es war nicht der offizielle Auftakt des Rufbus-Projektes „VGI-Flexi“, wegen dem am Mittwochvormittag in Beilngries weitere bunte Lampions in der Altstadt aufgehängt wurden. Die sollen vielmehr als Dekoration den nahenden Sommer begrüßen. Bürgermeister Helmut Schloderer (BL/FW) sagte am Kirchplatz vor einer Reihe von versammelten Funktionsträgern aber dennoch: „Heute ist ein Feiertag für Beilngries.“ Weil es eben etwas ganz Besonderes sei, dass man ab sofort über ein Rufbus-System verfüge, das alle Beilngrieser Ortsteile an die Stadt anbindet, außerdem den Brückenschlag nach Kinding und zum dortigen Bahnhof herstellt und auch noch Plankstetten samt Kloster mit ins Boot holt.

Die ausführliche „Festrede“ zu diesem besonderen Anlass hielt am Mittwoch Landrat Alexander Anetsberger (CSU). Er verwies darauf, dass dieses Pilotprojekt im Landkreis Eichstätt, dem weitere an anderen Orten folgen könnten, einen mehrjährigen Vorlauf benötigt habe. Er dankte seinem anwesenden Amtsvorgänger Anton Knapp ebenso wie allen weiteren in irgendeiner Form am Entstehungsprozess oder der Umsetzung Beteiligten – den Gemeinden, der DB Regio Bus, Altmühl-Jura, der Verkehrsgesellschaft Großraum Ingolstadt (VGI), der Firma Padam Mobility, dem ausführenden Bus-Unternehmen Hengl und nicht zuletzt seinen eingebundenen Mitarbeitern am Landratsamt. Man feiere hier nicht weniger als den „Übergang in eine neue Form des ÖPNV“ – der sich flexibel ganz individuell und an den Bedarf des Nutzers angepasst buchen lasse (siehe Kasten). Nicht zuletzt sei dieses neue Angebot auch deshalb sehr attraktiv für die Bürger, weil es mit allen Dauerkarten aus dem VGI-Tarifsortiment (aktuell auch mit dem 9-Euro-Ticket) nutzbar ist und ansonsten der Preis für eine Einzelfahrt, egal wie lange sie geht, mit 1,50 Euro pro Erwachsenem und 1,00 Euro pro Kind ausgesprochen human ausfalle. Zu verdanken sei dies nicht zuletzt einer Förderung durch den Freistaat. Diese decke anfangs 65 Prozent der anfallenden Kosten für das Projekt – der Zuschuss nehme dann schrittweise ab, bis er sich bei dauerhaften 35 Prozent einpendelt. Das nach Abzug der Förderung verbleibende Betriebskostendefizit decken für vorerst vier Jahre zur Hälfte der Landkreis und zur anderen Hälfte die Gemeinden. Für Beilngries war vor einigen Monat im Stadtrat zu hören gewesen, dass man als Kommune mit einer jährlichen Aufwendung von im Schnitt 25000 Euro rechne.

Anetsberger richtete an die Bürger den Appell, das Angebot rege zu nutzen. Und er sagte: „Ich hoffe sehr, dass sich mancher Automobilist davon überzeugen lässt“ – gerade in den kommenden drei Monaten, wo man mit dem 9-Euro-Ticket besonders günstig in das Modell hineinschnuppern könne.

Auch Bürgermeister Schloderer betonte, dass man sich viele Mitfahrer wünsche für dieses Angebot, das zahlreiche Vorteile biete. So könne man Bürgern aus den Ortsteilen eine einfache und bequeme Möglichkeit eröffnen, in die Stadt zu kommen. Das könne beispielsweise für ältere Bürger attraktiv sein, wenn ein Arztbesuch ansteht oder der Viehmarkt besucht werden soll. Sehr wichtig sei zudem die Anbindung an den Kindinger Bahnhof. Und für Umwelt und Klima könne man einen wichtigen Beitrag leisten.

Diesen Aspekt hob auch VGI-Geschäftsführer Robert Frank hervor: „Unser Auftrag lautet, dass wir Teil der Mobilitätswende werden.“ Bedarfsorientierte Angebote, die sich nur dann auf die Strecke begeben, wenn wirklich jemand mitfahren will, könnten hier ein wichtiger Bestandteil sein.

Mit Blick auf Kinding betonte Bürgermeisterin Rita Böhm (CSU), dass Beilngries für Bürger ihrer Gemeinde als Einkaufs- und Schulstadt einen wichtigen Bezugspunkte darstelle. Man sei daher sehr froh, Teil dieses Pilotprojekts sein zu dürfen.

Letzteres ist auch beim Berchinger Bürgermeister Ludwig Eisenreich (CSU) und bei Abt Beda Maria Sonnenberg vom Kloster Plankstetten so. Die Aufnahme erfülle ihn mit „ungeheurer innerer Freude“, so der Vorsteher der Mönchsgemeinschaft. Diese Rufbus-Anbindung an Beilngries und vor allem an den Bahnhof Kinding werde das Kloster für Besucher noch attraktiver machen. Damit bei den Fahrten stets alles gut geht, spendete der Abt den Segen.

Ja, es gab viel zu sagen rund um diesen Startschuss für das Angebot, das den Namen „VGI-Flexi“ trägt. Eines wollte dabei niemand versäumen, und zwar den Dank an Christian Geyer, der sich am Landratsamt federführend um das Projekt kümmert – und dem es als „Mr. Nahverkehr“ (Zitat Rita Böhm) maßgeblich zu verdanken sei, dass dieses erfolgsversprechende Rufbus-System nun an den Start gehen könne.

SO FUNKTIONIERT DAS ANGEBOT

„Bedarfsverkehr“, „VGI-Flexi“, „ÖPNV-Pilotprojekt“ – seit Monaten sind diese Begriffe in der Öffentlichkeit. Aber nicht jeder wird sich direkt einen Reim darauf machen können, wie das denn nun in der Praxis funktionieren soll mit dem Rufbussystem, in das neben dem kompletten Beilngrieser Gemeindegebiet ein Teil der Marktgemeinde Kinding und der Ort Plankstetten eingebunden sind.

Ganz vereinfacht ausgedrückt: Bürger können einen Kleinbus ordern, der genau dann zu einem von mehr als 70 möglichen Abfahrtspunkten kommt, wenn es für sie nötig ist – und der selbst für eine einzige Person fährt. Auf diese Weise soll das Angebot möglichst viele Interessierte erreichen, weil es den persönlichen Bedürfnissen anpassbar ist – ganz gleich, ob man mit dem Bus zur Arbeit, zum Arzt, zu einem Freizeitangebot oder zum Bahnhof fahren möchte. Und mit Blick auf eine (zumindest mit öffentlichen Fördermitteln) stemmbare Wirtschaftlichkeit ist es entscheidend, dass für den Bus keine Leerfahrten entstehen –weil er eben nur dann losfährt, wenn er gebraucht wird.

Buchungen müssen bis spätestens 60 Minuten vor der gewünschten Abfahrtszeit erfolgen. Fahrten sind innerhalb folgender Zeiträume möglich: werktags von 5.15 bis 22.30 Uhr, samstags von 8 bis 22.30 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von 8 bis 20.30 Uhr. Eine Fahrt buchen kann man per Anruf unter der Nummer (0800) 8442844, online unter flexi.vgi.de und mit der App „VGI-Flexi“. Die Routenführung wird stets so gestaltet, dass sie für alle Mitfahrer am schnellsten ist – ob nun bei einer Person oder bei mehreren. Ein konkretes Beispiel zur Veranschaulichung: Sollte ein Bürger aus Paulushofen am Freitagvormittag einen Arzttermin in Beilngries haben, so kann er auf besagten Wegen vorab diese Fahrt anmelden. Ihm wird dann die exakte Abfahrtszeit an der für ihn nächsten Haltestelle (zum Teil mehrere pro Ort, erkennbar an entsprechenden Schildern) genannt und dort holt ihn der Bus dann ab. Sollte zur selben Zeit beispielsweise auch noch jemand aus Aschbuch nach Beilngries wollen, wird die Fahrt für beide passend gemeinsam konzipiert.

Eine Fahrt kostet 1,50 Euro pro Person (für Kinder einen Euro), alle VGI-Dauerkarten sind gültig. Eine Übersicht zum Angebot „VGI-Flexi“ sowie zu allen gut 70 Haltestellen gibt es in einem vielerorts ausliegenden Flyer sowie im Internet, zum Beispiel unter www.beilngries.de/verkehr/vgi-flexi-40301/.

rgf