Anno dazumal
Stadt-Brot und Raupenzucht: Joseph Holl war von 1825 bis 1847 Eichstätter Bürgermeister

18.02.2024 | Stand 18.02.2024, 7:00 Uhr

Joseph Holl war von 1825 bis 1847 Bürgermeister der Stadt Eichstätt und starb mit 55 Jahren. Foto: Ettle, Archiv

„Bürgermeister Joseph Holl hat über zwei Dezennien die Zügel des städtischen Regiments mit Milde und Menschenfreundlichkeit geführt.“ Das schrieb das Eichstätter Intelligenzblatt im Nachruf auf das am 12. August 1847 verstorbene Stadtoberhaupt Eichstätts. Holl hatte im Jahr 1817 nach dem juristischen Studium seine Laufbahn als Aktuar im Finanzwesen beim Herzoglich Leuchtenbergischen Herrschaftsgericht begonnen, war Polizei-Offiziant, wurde im Jahr 1821 zum Magistratsrat und 1825 zum rechtskundigen Bürgermeister von Eichstätt gewählt.

Joseph Holl war erst 55 Jahre alt, als er „an Schleimschwindsucht nach dreimonatigem Schmerzenslager“ starb. Um ihn trauerten seine Frau Catharina und die Kinder Mina, Bertha, Emil, Julius und Joseph. Der Bürgermeister war gebürtiger Eichstätter und Sohn des Chirurgen Franz Nikolaus Holl, der als Bader im „Eichbad“ an der Altmühl, Pfahlstraße Nummer 23, tätig war. Joseph Holls Großvater Michael stand als Hoftrompeter in fürstbischöflichen Diensten. Der Bürgermeister war Vorsitzender des Magistratsrats und leitete den Armenpflegschaftsrat sowie die Lokalschulkommission. Sein Mühen galt der „Hebung und Belebung“ der Schulen, der Sorge für die armen Leute und dem Wohl der Bürger allgemein. Das Intelligenzblatt hob die „Leutseligkeit und rastlose Tätigkeit“ von Joseph Holl besonders hervor. 1837 ging die Stadt daran, eine Gewerbeschule zu gründen, was nach längerer Zeit und viel Mühen auch gelang. Daraus wurde die heutige Staatliche Berufsschule.

Willibaldsburg sollte Landesfestung werden



Mitte der 1820er-Jahre sollte die Willibaldsburg zu einer Landesfestung ausgebaut werden. Als man die Arbeiten plötzlich einstellte, schrieb Bürgermeister Holl an die Festungsbaudirektion Ingolstadt. Er beklagte, dass zwei Drittel der Eichstätter Stadtbevölkerung größte Not litten. Diese werde noch schlimmer, wenn die Menschen arbeitslos und somit brotlos würden. Wie Stadtforscher Edwart Mager im „Sammelblatt des Historischen Vereins 1971“ schrieb, bat er, die Arbeit an der Willibaldsburg fortzusetzen. Sei das nicht möglich, sollten Eichstätter Männer in Ingolstadt beim Festungsbau unterkommen. Die Bitte wurde nicht erfüllt, die Umbaumaßnahme eingestellt.

Der Magistrat bemühte sich darum, Aufträge zu erteilen, um Arbeit anbieten zu können. So wurde die Schlagbrücke erneuert, das „Sautor“ in der Sebastiangasse abgebrochen, ebenso das Spitaltor; dort wurde ein geplantes Gittertor nicht verwirklicht. Ferner erhielten einige Straßen einen Pflasterbelag und man pflanzte Maulbeerbäume, deren Blätter den Seidenraupen als Nahrung dienen.

Bürgermeister Holl holte 1834 aus dem Schwarzwald die Spinnlehrerin Brigitta Mager nach Eichstätt, die den Frauen das sogenannte Doppelflachspinnen beibrachte. Durch die Gewinnung von Seidenfäden hoffte man Verdienst zu erreichen. Die Maulbeersetzlinge bekamen Seidenraupenzüchter um 5 bis 15 Kreuzer je Stück. Raupeneier konnten ebenfalls gekauft werden. Bestellungen nahm die Stadtverwaltung entgegen. Und als 1843 in Eichstätt ein Tierschutzverein gegründet wurde, trug sich Bürgermeister Holl sofort in die Mitgliederliste ein.

Getreide für 8470 Gulden zur Versorgung der Armen



1847 war ein berüchtigtes Hungerjahr. Es folgte eine mehrjährige Brotknappheit und „das tägliche Brot“ wurde sehr teuer. Der Magistrat kaufte deshalb um 8470 Gulden Getreide, ließ daraus Brot backen und gab es an arme Bewohner günstig ab. Ein schönes Stadtbild war dem Bürgermeister auch ein Anliegen. So gab er im Mai 1847 eine Zeitungsmeldung heraus, in der Hausbesitzer gebeten wurden, das Gras vor den Gebäuden „auszurotten“. Er versicherte aber zugleich, dass die Stadt bei Nichtbefolgung der Bitte die Behörde nicht zur „Strafeinschreitung“ veranlassen werde.

Joseph Holl war als Magistratsrat und Bürgermeister mit dem Umbau des Rathauses befasst. Seine Anregung war es, den alten Treppenturm durch eine neue, heute noch vorhandene Form zu ersetzen, von dem Turm aus konnte der Wächter in alle vier Himmelsrichtungen blicken. So ist manche Spur der Tätigkeit von Bürgermeister Joseph Holl heute noch sichtbar.

EK