Wo Natur sich mit Kunst verbindet
Shoshanna Ahart eröffnet Ausstellung im Walderlebniszentrum Schernfeld – Poesie von Petra Alt

20.06.2024 | Stand 20.06.2024, 20:00 Uhr |

Wunderschöne Pastellbilder von Shoshanna Ahart (2. v. r.) verbinden sich mit Waldpoesie von Petra Alt (r.): Fasziniert lauschten die Besucher der Vernissage von Aharts Ausstellung „Kunst im Wald“ den literarischen Texten von Petra Alt in den neuen Räumlichkeiten des Walderlebniszentrums Schernfeld. Fotos: Kusche

Welcher Ort passt besser zur Symbiose von Kunst, Literatur und Natur als der neue Seminarraum des Walderlebniszentrums (WEZ) Schernfeld? Schon die Architektur des Holzgebäudes mit seinen wandhohen Panoramafenstern und den verwendeten heimischen Holzsorten macht die Illusion perfekt: Man befindet sich inmitten eines traumhaften Waldes und einer intakten Natur. Wenn dann noch die Pastellbilder von Shoshanna Ahart hier präsentiert werden und Petra Alt dazu passende Gedichte und Prosa aus der deutschen Literatur rezitiert, dann darf man mit Goethes Faust ausrufen: „Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein!“

Bilder verbinden sich mit literarischen Botschaften

Markus Bernholt, Leiter des WEZ, war sichtlich stolz auf seine Räumlichkeiten und auf die besondere Reihe „Kunst im Wald“, die mit Aharts Ausstellung eröffnet wurde. Mit Alt hatte die Malerin eine Kennerin der Waldpoesie in ihre Vernissage geholt und gerade das Zusammenspiel zwischen den beiden Künsten war reizvoll. So erlebten die Besucher einen jener seltenen Momente, in denen die Bilder zu sprechen scheinen und sich mit den literarischen Botschaften verbinden.

Zuvor erschloss Alt die besondere Beziehung, die der Mensch seit Jahrhunderten zum Wald hat, aus dem die Märchen und Geschichten kommen, aber auch die floralen Muster und Grundideen der menschlichen Architektur. Bäume waren Vorbilder für die Säulen von Kathedralen, gotische Kirchen stecken voller Naturmotive, Waldsymbole wie Blätter und Ranken leben in Stoffen, Tapeten und Teppichen weiter. In der Romantik verlor der Wald seinen Schrecken und wurde zum Ort der Träume und des sich Versenkens, wie bereits Achim von Arnim in seinem Gedicht „Stolze Einsamkeit“ bekannte. Heute kennt man in der Medizin die heilende, lindernde Kraft des Waldbadens für Körper und Seele. Aharts Bilder sah Alt als bleibende Momentaufnahmen flüchtiger Naturerlebnisse, die es uns erlauben, innezuhalten.

Die Künstlerin erläuterte ihre besondere Maltechnik als Freilichtmalerin, die sich seit mehr als 25 Jahren der Pastellmalerei auf schwerem, grob strukturiertem Pastellpapier verschrieben hat. Sie trägt das weiche Pastell dick auf und sprüht häufig über die Schichten, um so ein zusätzliches Pastell über das vorhandene zu legen. Eine Visualisierung dieser Technik am Entstehungsprozess eines Bildes machte diese besondere Vorgehensweise gut nachvollziehbar. Um exakt die gleichen Lichtverhältnisse in der Landschaft vorzufinden, arbeitet Ahart in 4-Stunden-Blöcken und kehrt über Tage hinweg zu ihren Objekten zurück, bis sie diese nach vier bis fünf Tagen vollendet hat.

Dann kam der große Augenblick, in dem Alt die Besucher vor zehn Bilder Aharts führte, sie diese intensiv betrachten ließ und dabei unter anderem Texte von Novalis, Rainer Maria Rilke und Hermann Hesse vortrug. Die Bilder hatten Titel wie „Farben des Herbstes“ oder „Blick durch die Apfelbäume“. Und wie deutlich kommunizierten sie plötzlich über die dazu rezitierten Gedichte und Prosaausschnitte mit dem Betrachter!

Suggestive Kraft durch das Kopfkino

Die Texte fügten sich passgenau in die Strahlkraft und Perspektive der Pastellbilder ein und verstärkten deren suggestive Kraft durch das Kopfkino, das sich bei den zuhörenden Kunstbetrachtern einstellte. So geschah dies etwa beim Bild „Zwölf Uhr mittags hinter Pietenfeld“, das die letzten Häuser des Ortes, Felder, Wälder und einen einsamen Weg zeigt. Wenn man dazu die symbolistischen Verse von Detlev von Liliencrons Gedicht „Sehnsucht“ hört, dann wird diese Einsamkeit in der Natur erst richtig spürbar und das Bild entfaltet sein ganzes Mysterium: „Ich ging den Weg entlang, der einsam lag, / Den stets allein ich gehe jeden Tag. / Die Heide schweigt, das Feld ist menschenleer; / Der Wind nur weht im Knickbusch um mich her.“

Doch eines der gezeigten Bilder war gar kein Gemälde. Denn ganz am Ende führte Alt die Besuchergruppe vor das große Panoramafenster, hinter dem man nichts als Wald sah. Und hier, vor dem größten und natürlichsten aller Bilder, las sie aus Robert Walsers großer Hommage an die Wälder, die er schlicht „Vom Wald“ nannte. Ein würdiger Abschluss für eine außergewöhnliche Vernissage, bei der sich Literatur, Kunst und Natur die Hände reichten.

Die Ausstellung mit 17 Pastellgemälden ist bis Samstag, 20. Juli, montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr sowie nach Voranmeldung unter 0841/31094000 zu sehen. Weitere Veranstaltungen im Rahmen der neuen Reihe „Kunst im Wald“ sind unter www.aelf-ip.bayern.de/forstwirtschaft/wald/339037/index.php abrufbar.

EK