130 Kilometer zu Fuß
Seit 40 Jahren pilgern Gläubige aus Pförring an Pfingsten zur Schwarzen Madonna von Altötting

11.05.2023 | Stand 16.09.2023, 22:15 Uhr

Ankunft der Wallfahrer auf dem Kapellplatz in Altötting; hinten die Gnadenkapelle. Foto Kügel Seit vierzig Jahren pilgern alljährlich an Pfingsten bis zu 300 Gläubige von Pförring nach Altötting. den Einzug und das letzte Stück Weg vorbei an der Gnadenkapelle zum Abschlussgottesdienst in der Josephskirche am Pfingstmontag Mittag gehen die beiden Gruppen gemeinsam, angeführt von den Kreuz- und Fahnenträgern. Foto: Kügel (Archiv)

Seit 40 Jahren machen sich an Pfingsten bis zu 300 Gläubige zu Fuß von Pförring aus auf den rund 130 Kilometer langen Weg zur Schwarzen Madonna von Altötting.

Wenn sich am Pfingstsamstag in aller Herrgottsfrüh die Wallfahrer am Pförringer Marktplatz treffen, dann ist das Hallo groß. Denn viele sind schon so lange mit dabei, dass ihre Gruppe für sie zur Familie geworden ist, manche gar seit 1983. Die Wurzeln der Pförringer Altötting-Wallfahrt reichen freilich viel weiter zurück, wie Martin Ott erzählt – nämlich bis ins Jahr 1973, als er noch Schüler im Internat des Klosters Rohr war. „Buam, ihr müsst’s morgen mit auf Altötting gehen, die Leut’ bei der Freisinger Wallfahrt werden immer weniger“, habe Pater Benedikt zum ihm und seinem Mitschüler Georg Biebl gesagt.

Es wurde ein Martyrium



Aus der sportlichen Herausforderung, als die er die 80 Kilometer lange Fußwallfahrt damals gesehen habe, sei ein Martyrium geworden, erinnert sich der 68-Jährige: „Meine Fußsohlen waren eine einzige Blase, weil ich die falschen Schuhe anhatte.“ Als er beim Posthalter, dem legendären Pförringer Tanzlokal, von der Wallfahrt erzählt habe, sei das Interesse bei Gleichaltrigen groß gewesen. „Ein Jahr später sind dann schon 40 Pförringer von Freising aus mitmarschiert, bald darauf ging’s Richtung 100“, staunt Ott bis heute über die große Resonanz. Zuerst sei man wegen der wachsenden Teilnehmerzahl von Freising nach Garching weitergereicht worden. Den Absprung habe man aber ob der langen Strecke – von Pförring aus sind es über 130 Kilometer – erst 1983 gewagt.

Die Strecke wird kurz zuvor abgefahren



Zwei „Pfadfindertrupps“ – Martin Ott und Christoph Mödl aus Pförring sowie Johann Schmidt aus Pettling, Anton Euringer aus Ettling und Franz Obeth aus Stenzenhof – haben die Wege abseits der Hauptstraßen ausgekundschaftet. „Nur ein Mal habe ich mich seitdem im Wald verhaut“, sagt Schmidt, der die Gruppe 1 führt. Immer wieder musste der Streckenverlauf geändert werden, erzählt Schmidt, weil die Wirtshäuser an den Raststellen zugemacht haben, oder wie heuer, weil eine Brücke über die Vils gesperrt ist. Deshalb fahren Anton Euringer und er als Gruppenführer die Strecke immer kurz vorher noch mal ab – inzwischen begleitet von Schmidts Sohn Markus, der – wenn es nach dem Vater geht – nicht nur den Bauernhof weiterführen soll, sondern auch die Fußwallfahrt. Ans Aufhören denkt der Pilgerführer auch mit 67 Jahren noch nicht: „Ich geh mit, soweit’s die Gesundheit zulässt, weil mir am Glauben was liegt.“ Lebender Beweis, dass das Alter allein kein Hinderungsgrund sein muss, ist für Schmidt ein Pilger aus Schelldorf: „Der Willi ist 84 und geht im Oktober auch noch mit den Wolnzachern mit als Vorbeter!“

„Mehr als sportliche Fitness hilft es, seinen Körper zu kennen“, sagt Wolfgang Schöberl. Denn die Pförringer Fußwallfahrt sei sehr intensiv. Nicht nur das Beten und Meditieren, auch das Marschieren. Neulingen rät der erfahrene Wallfahrer deshalb, probeweise mal einige Stunden zügig zu gehen, Wanderschuhe bei Regen und Turnschuhe bei schönem Wetter zu tragen und während der Wallfahrt nicht zu viel, aber regelmäßig zu essen.

Mehr gewinnen als verlieren



Die größte Änderung erlebte die Pförringer Wallfahrt vor gut zehn Jahren. Den Abschlussgottesdienst feiern die Pförringer seither etwas außerhalb in der St. Josephs-Kirche und nicht mehr zusammen mit vielen anderen Wallfahrern in der Basilika. „Die Masse an Leuten in der Basilika hat mir gezeigt, dass ich nicht allein bin mit meinem Glauben“, sagt Heidi Hanel, die auch schon seit 1977 dabei ist. „Aber man gewinnt dadurch mehr, als man verliert“, hat Hanel erfahren: „Ich bin jedesmal wieder begeistert von der Musik von Martin Ott und seinen Musikern und von der Predigt von Pfarrer Thomas Vogl!“

Und noch eins ist der Pförringerin wichtig, die als Sanitäterin bei manchem fußlahmen Wallfahrer nicht nur wunde Füße versorgt, sondern auch Seelenmassage betreibt . „Weil die Gruppe beisammen bleibt, kann man sich bewusst voneinander verabschieden.“ Der wohl meistgehörte Satz heiße: „Nächstes Jahr sehen wir uns wieder!“

Anmeldefrist läuft



„Wo Gott dich hingesät hat, da sollst du blühen!“ Unter diesem Motto steht die diesjährige Pfingstwallfahrt von Pförring nach Altötting von 27. bis 29. Mai. Eingeladen sind, alle, die sich den Strapazen eines langen Fußmarsches gewachsen fühlen und sich in die betende Gemeinschaft einordnen wollen.

Wie schon im Vorjahr müssen sich die Teilnehmer selbst um ihre Nachtquartiere kümmern. Unterstützung leistet dabei das Wallfahrerteam, bestehend aus Johann Schmidt unter Telefon (08457) 1604, Martin Ott, Telefon (08441) 72627, Anton Euringer, Telefon (08403) 1235 und Michael Walser, Telefon (09404) 640176.

Nähere Informationen und das Anmeldeformular gibt es Internet unter www.pfoerring.de. Anmeldeschluss für die Jubiläumswallfahrt ist Montag, 15. Mai.