Eichstätt

Purer Hörgenuss

Musikschule Eichstätt krönt Jubiläumsjahr mit Konzert „Lehrer und Schüler – gestern und heute“

29.10.2022 | Stand 29.10.2022, 17:00 Uhr

Zahlreiche Mitwirkende hatte das Abschlusskonzert des Jubiläumsjahres der Musikschule Eichstätt. Foto: Schlögl

Von Heike Haberl

Eichstätt – „Musik verbindet“ lautete das Motto des Konzerts im Spiegelsaal der Residenz, das den krönenden Abschluss des Jubiläumsjahrs zum 20-jährigen Bestehen der Musikschule Eichstätt sowie ihres Trägervereins bildete. Schülerinnen und Schüler, Ehemalige und Lehrkräfte vereinten sich aus diesem Anlass zum gemeinsamen Musizieren. Und die Ergebnisse begeisterten durchweg.

In die Klangwelt Südamerikas entführte zunächst Rudi Trögls Gitarrengruppe (Nadja Endt, Sophie Krümpel, Samuel Miller, Andreas Schwantner, Titus Taubald) im tänzerischen, glutvoll schwelenden Tango-Rhythmus mit einer wunderbaren, perkussiv durchsetzten und fein pulsiert gezupften Milonga von Juan Buscaglia. Sentimentale Gefühle weckte das Ensemble gleich im Anschluss bei André Popps bewegend dezent interpretiertem „Love is Blue“.

Als Neuheit traten diesmal auch explizit die Lehrkräfte der Musikschule solistisch in Erscheinung – zum Beispiel in der ungewöhnlichen Kombination von Querflöte (Ann Kristina Pscherer-Sandner), Klarinette (Frank Gruber) und Klavier (Schulleiterin Christine Fath-Pscherer). Die teuflischen technischen Anforderungen von Camille Saint-Saëns’ feuriger „Tarantella“ meisterte das Trio mit expressiver Bravour und fesselte das Publikum mit kapriziösen, wilden Tonläufen und wirbelnden Trillern.

In Gestalt des souverän-schwungvoll interpretierten Allegros aus der Bach-Sonate BWV 1033 beeindruckte Klarinettist Markus Beck, ehemaliger Musikschüler und mittlerweile sowohl Vorstandsmitglied des Trägervereins als auch Dirigent der Stadtkapelle Eichstätt, im Verbund mit Pianist Rudolf Pscherer.

Besonders stark vertreten sind an der Eichstätter Musikschule die Flötenformationen: So bezauberte das Blockflöten-Ensemble „Flautissimae“ um Rita Pesold (Gudrun Eigenmann, Marianne Sandner, Regina Linz, Beatrix Kieswald-Kraus), stimmungsschattiert begleitet von Rudi Trögl an der Gitarre, nicht nur anhand von Tourlough OCarolans voll lieblicher Anmut intonierter irischer Melodie „Sidh Beag agus Sidh More“, sondern erfreute das Publikum ebenso durch eine originell-kurzweilige Darbietung des Comedian-Harmonists-Klassikers „Mein kleiner grüner Kaktus“. Das Querflöten-Ensemble „Cuty Fluty“ unter Ann Kristina Pscherer-Sandner dagegen bot in seiner Gründungsbesetzung der ersten Generation (Katharina Dier, Daniela Heigl, Carolin Weihe) in lässig groovender Geschmeidigkeit „The Bare Necessities“ aus dem Film „Das Dschungelbuch“ dar.

Ihr junges Multitalent als Gitarristin, Sängerin und sogar Komponistin stellte die frühere Schülerin Sophie Linder unter Beweis. Wie ergreifend zart sie die Liebesballade „Diamonds and Rust“ von Joan Baez in all ihrer spröden Schönheit gestaltete, berührte zutiefst. Diesen unverwechselbaren, authentischen Folksong-Charakter behielt sie auch bei ihrer faszinierenden Eigenkomposition „Bridge of Don“ bei, die sie auf unter die Haut gehende, intime Weise zum Klingen brachte. Carolin Weihe, ebenfalls ehemalige Schülerin, überzeugte – pianistisch getragen von Rudolf Pscherer – in eleganter Salonkultur mit einer romantisch-schwelgerisch gespielten, träumerisch sich wiegenden „Berceuse“ von Albert Franz Doppler. Über welche mystisch-leuchtenden Farben die Klezmer-Musik verfügen kann, zeigten eindrucksvoll erneut Frank Gruber an der Klarinette und Rudi Trögl an der Gitarre: Als orientalisch flackernden, gebetshaft-eindringlich fließenden Klangstrom entzündeten sie „The eternal candle“ von Ora Bat Chaim. Purer Balsam für die Seele.

Zum rasanten Duett – fast möchte man sagen: Wettrennen – fanden sich Jugend-musiziert-Preisträger Leonhard Ritthaler und sein Lehrer Leonardo Consoli zusammen. Die energetisch-rapide Rhythmik von Kerry Turners „Trigger“ trieben beide zur virtuosen Perfektion voran. Derart angespornt dankte Vereinsvorsitzender Peter Nothaft allen „teachers and friends“ für ihr Engagement.

Mit hörbarer, sichtlicher Spielfreude – und viel Jazz-Feeling! – gab sich zum Finale eine eigens formierte Combo, bestehend aus den Lehrern Klaus Schödel (Trompete), Alexander Espinosa (Jazzgitarre), Raphael Righetti (Klavier) und Jochen Kerschenlohr (Drums), dem smoothen, soften Drive des „Tin Roof Blues“ von den New Orleans Rhythm Kings hin, bevor die vier bei Ted Snyders „The Sheik of Araby“ so richtig loslegten und den Zuhörern in fetzig swingenden Sounds – samt Gesangseinlagen und Soli – kräftig einheizten. Davon zeigte sich nicht nur Musikschulleiterin Christine Fath-Pscherer überrascht.

Das schreit nach Fortsetzung! Eine vergnügliche Stunde voll mannigfaltig-unterhaltsamem Hörgenuss, die eindrücklich vor Augen und Ohren führte, wie viel künstlerisches Potenzial in der Musikschule Eichstätt steckt.

EK