Ihr Olympia-Countdown läuft
Pförringer Taekwondo-Kämpferin Lorena Brandl bereitet sich auf härtesten Wettkampf ihres Lebens vor

21.06.2024 | Stand 23.06.2024, 14:56 Uhr |

Seit ihrem Geburtstag Mitte Mai trägt Lorena Brandl eine Olympia-Kette um ihren Hals. Die Vorfreude auf die Sommerspiele in Paris steigt. Die Pförringerin genießt den Medienrummel um ihre Person, wie sie im Interview verrät. Foto: Heußer

Von Nervosität ist bei Lorena Brandl beim großen Pressetermin im Bundesstützpunkt in Nürnberg nichts zu spüren. Gewohnt locker erklärt die Taekwondo-Kämpferin, die sich im Januar den großen Sportlertraum Olympia mit der direkten Qualifikation erfüllt hat. Nur noch 35 Tage sind es bis zum Auftakt der Sommerspiele in Paris.

Ihr Trainer bezeichnet sie als „kompromissloses Stehaufmännchen“, Freundinnen und Trainingspartnerinnen loben ihren sportlichen Ehrgeiz: Brandl tritt am 10. August als deutsche Topathletin in der Gewichtsklasse +67 Kilogramm auf die Olympia-Matte. Die gebürtige Pförringerin (Landkreis Eichstätt) trägt eine Kette mit den olympischen Ringen um ihren Hals. Ein Geburtstagsgeschenk, dass die 27-Jährige an ihren großen Traum erinnert.

Taekwondo: Lorena Brandl wollte fast schon aufhören

Angefangen hat sie als Einradfahrerin, seit ihrem zehnten Lebensjahr trainiert sie Taekwondo beim Altmannsteiner/Mindelstettener Team Tiger & Dragon. „Bei uns gibt’s halt nur Fußball im Ort – aber im Nebenort gab es Taekwondo.“ Schnell fällt sie wegen ihrer Größe auf (heute: 1,86 Meter). 2011 wird sie von ihrem Trainer Bernhard Bruckbauer entdeckt. Dabei war sich Brandl zunächst gar nicht sicher, ob sie unter Bruckbauer trainieren möchte: „Als 2011 der Trainerwechsel kam, haben alle meine Freundinnen gesagt: Ich hör’ auf. Und ich habe gesagt: Ich hör’ auch auf. Aber mein Papa hat gesagt, du gehst noch einmal ins Training. Einfach aufhören, gibt’s nicht.“

Seitdem hat sich einiges getan: „Ich habe bald gemerkt, es geht in Richtung Leistungssport. Erst war der Biss da, dann die Ziele – und jetzt ist Olympia bald Realität.“ 2022 sicherte sie sich in der Seniorenklasse den ersten Platz beim Grand Prix in Manchester – die erste Goldmedaille für das DTU-Damenteam überhaupt. 2023 erkämpfte sie sich die Goldmedaille beim Grand Prix in China. Seit kurzem trägt die 27-Jährige auch den Titel Europameisterin. Das erste EM-Gold für Deutschland nach 16 Jahren.

So tickt Lorena Brandls Trainer Bernhard Bruckbauer

Trainiert wird sie heute noch von dem Coach, der sie damals entdeckt hat: Bernhard Bruckbauer. Nur wenige Wochen vor dem großen Wettkampf ist Bruckbauer vor allem eins – gelassen. „Es wundert mich auch, dass ich so entspannt bin. Aber langsam kommt die Vorfreude“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Für Brandl hat er in Zusammenarbeit mit Bundestrainer Balazs Toth einen Wochenplan entwickelt. Nach einem Aufbautraining geht es nun für Brandl in die kampfspezifischen Einheiten: „Wir kennen unsere Routine und wissen, wie wir Lorena optimal für einen Wettkampf vorbereiten können. Und bislang schaut es gut aus − sie ist stärker und kämpft besser als je zuvor“, verrät Toth im Interview. Elf mal pro Woche trainiert Brandl dafür. Seite an Seite mit ihrer besten Freundin und Trainingspartnerin Vanessa Körndl aus Altmannstein. Sie trainiert von kleinauf mit Brandl und kann ihre Olympia-Chancen einschätzen: „Die sind sehr gut“, so Körndl. „Man braucht auch einen guten Tag und muss auch vielleicht ein bisschen Glück haben, aber sie kann auf jeden Fall alles schaffen.“

Auch DTU-Kollegin Supharada Kisskalt trainiert mehrfach in der Woche mit Brandl, die hier jeder nur „Lolo“ nennt, im Taekwondo-Bundesstützpunkt: „Im Training ist die Lolo jemand, der einen zum Lachen bringt. Aber wenn ich sie auf der Fläche sehe, wenn sie richtig zusammenbeißt, kann sie schon richtig gefährlich sein. Man könnte schon bisschen Angst kriegen.“

Nicht alle Tage darf man bei Olympia auf die Matte, dessen ist sich auch Brandl bewusst. Ihre Chance will sie deswegen besonders gut nutzen: „Ich weiß nicht, ob es meine einzige ist“, gibt sie zu bedenken. „Das war seit langer Zeit mein Ziel. Ich habe jeden Tag dafür gearbeitet und mich die letzten drei Jahre so richtig darauf mental eingestellt. Jetzt habe ich es geschafft“, reflektiert sie. „Ich will einfach verletzungsfrei dort ankommen und mir eine Medaille erkämpfen, weil ich zur Weltspitze gehöre“, ist Brandl sich sicher. „Wenn ich einen guten Tag habe am 10. August, dann kann ich alle Gegnerinnen schlagen.“