Ein Brotlaib für zehn Milliarden
Neue Sonderausstellung zur Inflation auf Burg Kipfenberg

11.11.2023 | Stand 11.11.2023, 17:00 Uhr

Im Römer- und Bajuwarenmuseum in Kipfenberg sind Geldscheine und Münzen aus der Inflationszeit zu sehen. Fotos: Gabler

Im Römer- und Bajuwarenmuseum auf Burg Kipfenberg ist die Sonderausstellung „Inflationsgeld – Münzen, Geldscheine und Gutscheine in Milliardenhöhe“ eröffnet worden. Der Kurator, Eichstätts Kreisheimatpfleger und wissenschaftlicher Leiter des Museums, Karl Heinz Rieder, hat dazu viel Anschauungsmaterial zusammengetragen. Er präsentierte dieses jetzt 100 Jahre nach der Währungsumstellung im Jahr 1923 mit Erläuterungen im Rahmen eines kleinen Festabends auf der Burg. Als Jugendlicher hatte er bei einem Onkel in Euerwang alte Geldscheine aus dieser Zeit gefunden.

Bei dem heute promovierten Historiker und Archäologen ist bereits damals ein „Jäger- und Sammler-Trieb" erwacht. Fortan nahm er sich dieses Themas an und sammelte alles an Münzen, was er bekommen konnte. Rieder hat sie aufbereitet und katalogisiert. Ein Jahrhundert später kam ihm die Idee, diese Zeit mit dem damaligen Zahlungsmittel in Form einer Ausstellung aufleben zu lassen. Kipfenbergs Museumsleiterin Claudia Stougard war von der Idee begeistert und leitete alles Nötige in die Wege. Zu sehen sind jetzt 10 Pfennige aus Zink, 1 und 2 Pfennige aus Kupfer, Rentenpfennige aus Messing, Münzen aus Aluminium, Nickel und Eisen, sowie die Rentenmark nach 1923, und dazu viele alte Scheine und Gutscheine, beispielsweise von der Glashütte Grösdorf oder vom Sägewerk Winter und Freis.

Die Inflation von 1914 bis November 1923 wird als eine der radikalsten Geldentwertungen in großen Industrienationen bezeichnet. Die Vorgeschichte dieser „Hyperinflation“ fand sich in der Finanzierung des Ersten Weltkriegs. Mit dem Ende des Kriegs hatte die „Mark“ offiziell bereits mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren. Aufgrund hoher Reparaturzahlungen weitete der Staat die Geldmenge massiv aus. Einkaufen wurde mehr oder weniger in Mengenform erledigt. Es konnte passieren, dass man am Morgen einen Laib Brot für zehn Millionen kaufen konnte, am Abend möglicherweise zehn Milliarden hinlegen musste. Es war ein astronomischer Werteverfall im Stundenrhythmus. Im November vor 100 Jahren befand sich Deutschland in der Übergangsphase der ausgehenden Inflation zum Währungswechsel. „Geldscheine oder Münzen aus dieser Zeit sind ein anschauliches Zeitzeugnis einer heute kaum vorstellbaren Zeit“, sagte Rieder bei der Eröffnung.

Die Ausstellung läuft bis zum 3. März 2024 und kann an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 16 Uhr besucht werden.