Nanny, Hope und Nachwuchsfreuden

Nach Drama um Beilngrieser Turmfalken: Große Hoffnung auf ein „Happy end“

28.06.2022 | Stand 28.06.2022, 18:22 Uhr

Prächtige Bilder liefert derzeit der Turmfalken-Livestream aus Beilngries. Der Nachwuchs ist geschlüpft. Foto: Adam (Screenshot)

Von Regine Adam

Vier kleine Wollknäuel mit riesigem Niedlichkeitsfaktor tummeln sich im Nest – und damit ist die Beilngrieser Falkenwelt wohl wieder in Ordnung. Zwar wäre es etwas früh, von „Ende gut, alles gut“ zu sprechen, noch kann viel passieren, aber zumindest stehen alle Zeichen auf ein „Happy end“.



Pepe und seine neue Herzensdame Hope haben Nachwuchs gezeugt und mittlerweile sind die vier Falkenbabys geschlüpft, alle wachsen und gedeihen. Zu beobachten ist das auf dem Youtube-24-Stunden-Livestream von Rainer Mayer und Bernhard Pfaller unter dem Suchbegriff „Turmfalken Beilngries“.

Vor wenigen Wochen sah alles noch nicht so rosig aus: Bis dahin waren Pepe und Falkendame Kicky ein Paar. Kicky hatte fünf Eier gelegt und gerade zu brüten begonnen. Dann kam die Schicksalsnacht: Zum Entsetzen der Fangemeinde wurde Kicky vor laufender Kamera von einem Uhu als Nahrung für dessen eigenen Nachwuchs gerissen. Mayer und Pfaller akzeptierten die Geschehnisse nach dem ersten Schock trotz aller Trauer als „Lauf der Natur“, überließen die Brut dann aber doch nicht ganz ihrem Schicksal.

Sie brachten die fünf verwaisten Eier nach Windsbach in Franken. Von hier hatte sich Michael Jäger gemeldet. Seine Turmfalkendame hatte bis dahin nur zwei Eier gelegt – „trotzdem es das Paar lang und ausgiebig versucht hatte“, verriet Jäger schmunzelnd. Die Falkendame in Franken sollte als „Nanny“ für die Beilngrieser Eier einspringen. „Kickys Eier sollten eine Chance bekommen“, erklärte Jäger. Er hatte sich zuvor bei Fachleuten der Greifvogelhilfe erkundigt und die Information erhalten, „dass Turmfalken recht unkompliziert sind und öfters Küken oder Eier adoptieren“.

Nanny brütet Kickys Eier aus

Und so kam es auch: Kickys Eier wurden tatsächlich von Nanny mit ausgebrütet. Überraschend kamen noch zwei weitere Eier von Nanny selbst dazu, so dass die Falkendame vor die Riesenaufgabe von neun Eiern zum Ausbrüten gestellt war. Sie und ihr Terzel entwickelten sich, mit kleiner Unterstützung von Michael Jäger, der zeitweise Mäuse als leichte Beute anbot, zu guten Eltern und Pflegeeltern: Sieben Küken sind geschlüpft, fünf davon haben trotz der großen Hitze der vergangenen Tage überlebt. Sie fordern lautstark Nahrung und wachsen zu kleinen starken Turmfalken heran, deren Babyflaum schon langsam in Federwuchs übergeht. Ein kleiner Adoptiv-Turmfalke aus Beilngries ist damit sicher mit darunter. Mindestens. Auch diese Brut kann auf Youtube – Suchbegriff „Turmfalken Windsbach“ – beobachtet werden.

Damit aber noch nicht genug: Denn überraschend schnell fand Terzel Pepe in Beilngries eine neue Falkendame – Hope. Sie brütete im Beilngrieser Nistkasten, der sich im alten Brauereigebäude der Firma Prinstner von Besitzer Wilhelm Rose befindet, vier Eier aus. Und diese vier kleinen Wollknäuel entzücken nun ebenfalls die Fangemeinde, die sich im Chat immer wieder Sorgen macht, „dass nur ja keine weiteren Dramen passieren“.

Rainer Mayer und Bernhard Pfaller freuen sich, dass sowohl in Windsbach als auch in Beilngries der Turmfalkennachwuchs gedeiht. „Mir ist allerdings aufgefallen, dass es heuer weniger Mäuse gibt und die Nahrung mit anderen Kleintieren und Großinsekten ergänzt wird“, erzählt Pfaller. Der Naturfreund vermutet hier einen Zusammenhang damit, dass die Anzahl der Eier, die heuer gelegt wurden, grundsätzlich geringer ist. Und so schließt sich der Kreis, warum die Hobbyfilmer und Naturfotografen überhaupt bereits im zweiten Jahr den großen Aufwand eines solchen 24-Stunden-Livestreams auf sich nehmen: Lehrreich und spannend ist es, Natur und freilebende Tiere zu beobachten, Verhaltensweisen und Zusammenhänge zu erleben und zu verstehen. Es werden Bilder übertragen, die sonst niemand zu sehen bekäme. Die Fans freuen sich jedenfalls jetzt schon auf die Falkenerlebnisse 2023.

DK