Natur pur – aus aller Welt
Michael Zehentbauer aus Kasing bringt patagonisches Veilchen zum Blühen

29.05.2024 | Stand 30.05.2024, 12:01 Uhr

Einen großen grünen Daumen hat Michael Zehentbauer aus Kasing – hier vor seinem neuen Teich im Garten. Tochter Eva (9) hat mit den Tieren im Garten überhaupt keine Berührungsängste. Fotos: Krammer/privat

Im Garten von Michael Zehentbauer fühlt man sich wie im Paradies: Alles blüht, wächst und gedeiht – es ist Natur pur. Der Maschinenbauingenieur aus Kasing (Landkreis Eichstätt) hat Pflanzen aus aller Welt und nun vermutlich als Erster in ganz Europa ein Veilchen aus den Gebirgen Patagoniens zum Blühen gebracht.



Es ist wie eine kleine Weltreise, wenn man zwischen den vielen Stauden, Blumen, Bäumen und verschiedenen Pflanzen hindurch schlendert: Hier ein Steinbeet für Eidechsen, dort ein Moorbeet, daneben ein Teich für Lurche und Vögel, wenige Schritte weiter ein Staudenbeet, etwas weiter hinten thront ein prächtiges Gewächshaus – und überall sind die unterschiedlichsten Pflanzen aus Südafrika, Neuseeland, Patagonien (Südamerika), Australien und der Heimat zu finden.

Tiere fühlen sich wohl: Von Eidechsen bis Libellen

„Ich will so viel Natur im Garten haben, wie es geht“, sagt Michael Zehentbauer. Und das ist ihm durchaus gelungen: Bei ihm machen es sich Eidechsen, Frösche, Schlupfwespen, Libellen und Weinbergschnecken gemütlich. In dem kniehohen Gras – das der Hobbygärtner nur einmal im Jahr mäht – fühlen sich die Tiere inmitten von Wildblumen wohl, denn es bietet genug Verstecke und Nahrung.

Eigentlich hat der 42-Jährige Maschinenbau studiert und arbeitet bei Airbus als Ingenieur, das Garteln hat er sich mit den Jahren selbst beigebracht: „Ich bin in der Landwirtschaft aufgewachsen, da prägt sich das ein“, sagt er über seine Leidenschaft. Für ihn ist seine Vorliebe für seltene und außergewöhnliche Pflanzen auch mit einer gewissen Herausforderung und Nervenkitzel verbunden: „Schaffe ich es, zu verstehen, wie die Pflanze in der Natur wächst und ihr diese Bedingungen zu bieten?“

Die Antwort in den allermeisten Fällen ist „Ja“. Das zeigt auch sein neuestes Projekt: Zu Ostern hat Zehentbauer einen Teich angelegt. Allein darin hat er um die 50 verschiedenen Pflanzenarten eingesetzt: Viele heimische, aber auch seltene Pflanzen. Wie etwa die Wassernuss, die es laut dem Gartler nur noch an einem einzigen Standort in ganz Bayern gibt – dem Kloster Scheyern– und dank eines Züchters aus Ungarn jetzt auch in Kasing.

Faible für fleischfressende Pflanzen



Ein besonderes Faible hat Zehentbauer für fleischfressende Pflanzen. Im Gewächshaus stehen viele verschiedene Arten Topf an Topf dicht aneinander gereiht. Es ist faszinierend, mit welchen Tricks die Fleischfresser ihre Beute (Mücken, Ameisen und Fliegen) anlocken und dann festhalten: Die einen schnappen zu wie hungrige Mäuler, die anderen verschlingen die Insekten in ihren langgezogenen Hälsen, und wieder andere kleben ihre Beute einfach fest.

Die Vielfalt im Garten von Michael Zehentbauer ist beeindruckend: Von Klappertopf und Kleefarn über Tillandsien aus Südamerika und Akazien aus Australien bis hin zu Wollemia, eine Art, die nur von vielen Millionen Jahren alten Fossilien bekannt war und daher bis 1994 als ausgestorben galt. Mit Brombeeren, Cranberrys, Himbeeren und Heidelbeeren, Spargel, Indianerbananen, Orangen und Zitronen sowie Paprika, Artischocken und Maracuja wächst auch einiges an Obst und Gemüse bei Familie Zehentbauer im Garten. Und mit dem Blauen Eisenhut wächst dort sogar die giftigste Pflanze Europas.

Ein Riesenaufwand für eine kleine weiße Blüte

Sorgen wegen Krankheiten oder Schädlingen, die die ausländischen Pflanzen einschleppen könnten, macht sich Zehentbauer nicht. Die meisten Pflanzen stammen zwar ursprünglich aus dem Ausland, seien aber in Europa gezüchtet. Und wenn er doch mal importiert, würde alles „sehr genau durchgecheckt“ – sogar ein Gesundheitszeugnis sei nötig.

Besonders stolz ist der Kasinger auf ein Veilchen aus den Gebirgen Patagoniens, dass er nach drei Jahren intensiver Pflege zum Blühen gebracht hat. Dem niederländischen Experten für sogenannte Rosulatenveilchen, Ger van den Beuken, zufolge ist Michael Zehentbauer der Erste in ganz Europa, der das geschafft hat. Normalerweise ist das Veilchen in den Anden heimisch, so Zehentbauer. „In den Höhenlagen ist es kühl und trocken, da pfeift der Wind, und das Veilchen bekommt viel UV-Strahlung ab“, erklärt er. „Bei uns ist das genau das Gegenteil.“

Deshalb musst er die empfindliche Pflanze täglich in das kühle Gewächshaus mit starker UV-Lampe umbetten. Als er zwischenzeitlich wegen einer Verletzung mit Krücken unterwegs war, musste sogar seine Frau Christine ran. Und der ganze Aufwand für eine zarte weiße Blüte. „Das schaut nicht spektakulär aus, aber das ist schon etwas ganz Besonderes“, sagt Zehentbauer.

„Jede freie Minute“ wird im Garten verbracht



Wie viel Zeit er im Garten verbringt? „Jede freie Minute.“ Kein Wunder, bei der Menge an Pflanzen. Momentan stellt der Hobbygärtner noch auf Sommerbetrieb um, er ist fleißig am umräumen. Ab August muss er den Garten dann aber langsam schon wieder für den Winter vorbereiten. Dann verbringt er viel Zeit in seinem Labor im Keller: Dort züchtet er steril Pflanzen, vermehrt diese und probiert so einiges aus, um daraus zu lernen. Außerdem tauscht er sich mit Experten auf der ganzen Welt über Erkenntnisse aus.

Platz für Neues zu finden, ist in dem kleinen Paradies von Michael Zehentbauer mittlerweile schwer geworden. „Ich versuche, den Überblick zu behalten“, sagt er mit einem Schmunzeln.