Bangen um ein Ticket für Paris
Das Knie: Eichstätter Radsportlerin Ricarda Bauernfeind sagt für deutsche Meisterschaft ab

21.06.2024 | Stand 21.06.2024, 19:11 Uhr |

Starke Ergebnisse fuhr die letztjährige Tour-de-France-Etappensiegerin Ricarda Bauernfeind auch in dieser Saison bereits ein. Zuletzt musste die 24-Jährige allerdings pausieren. Foto: Imago Images

Ricarda Bauernfeind ist aktuell schlecht zu erreichen. MRT-Termin, lange Sitzungen beim Physiotherapeuten, Chiropraktiker und Orthopäden. Die Eichstätter Profi-Rennradfahrerin ist verletzt – Knieprobleme machen ihr seit Wochen zu schaffen.



Jetzt musste die 24-Jährige des Teams Canyon-Sram sogar ihre Teilnahme an den nationalen Titelkämpfen an diesem Wochenende absagen. Obwohl sie sich mit diesem Wettkampf für Olympia qualifizieren könnte.

„Mental ist es ziemlich schwierig“, sagt Bauernfeind im Gespräch.„Ich muss die Füße stillhalten, auch wenn es schwerfällt.“ Die Deutschen Meisterschaften, die an diesem Wochenende in Donaueschingen stattfinden, fallen in den Zeitraum der Olympia-Qualifikation. Noch steht nicht fest, wer nach Paris reisen darf. In Kürze verkündet der Bund Deutscher Radfahrer den Kader. Bis dahin müssen die Athleten zeigen, was in ihnen steckt. Hat Bauernfeind somit ihre Chance auf ein Olympia-Ticket verpasst?

Bauernfeind: Schon länger Knieprobleme

Bereits vor drei Wochen seien bei ihr Knieprobleme aufgetreten. „Ich hatte eigentlich fünf Stunden Training, aber schon nach zwei Stunden habe ich gemerkt, dass das Knie zieht. Ich bin dann noch fast bis nach Hause zurückgekommen. Fünf Kilometer davor ging dann aber gar nichts mehr, und ich konnte nur noch einbeinig fahren.“ Die Ursache für ihre Schmerzen war zunächst unklar, mit jedem Tag wurden die Beschwerden aber schlimmer. Deshalb musste sie bereits die Tour de Suisse (15. bis 18. Juni) absagen.

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„Es war eine Entzündung entstanden aus einer Hüftfehlstellung“, erfährt sie schließlich in der vergangenen Woche. Hämatome in Regenbogenfarben zieren nun den Körper der 24-jährigen Athletin. Ein Chiropraktiker hat ihre Hüfte und andere Gelenke wieder eingerenkt – „die schlimmsten Schmerzen meines Lebens in 90 Minuten“. Seitdem gehe es jeden Tag ein bisschen besser. „Übungen zuhause, Schwimmen, Wärme, Kälte, ich probiere alles aus.“ Vor wenigen Tagen konnte sie wieder aufs Rad steigen. Ganz fit sei sie trotzdem nicht. „Ich sehe ein Licht am Ende des Tunnels, auch wenn der noch ziemlich lang ist.“

Bauernfeind muss neues Vertrauen in ihr Knie finden

Bauernfeind berichtet, dass sie nun erst neues Vertrauen in ihr Knie fassen müsse. „Ich darf mich nicht aufs Rad setzen und den Schmerz suchen.“ Eine logische Konsequenz für ihr Team, das trotz der Verletzung hinter der Sportlerin stehe, war die Absage der Deutschen Meisterschaften. „Die Entscheidung wurde mir abgenommen vom Trainer“, sagt Bauernfeind.

Wenn es nach ihr ginge, würde sie schon am Dienstag wieder im Sattel sitzen und ihr nächstes Rennen bestreiten: Die Thüringen-Rundfahrt (25. bis 30. Juni) fällt gerade noch in den Qualifikationszeitraum. Ob sie dazu fit genug ist, will sie in Absprache mit ihrem Team erst am Sonntag entscheiden. „Ich will um den Olympia-Platz kämpfen“, sagt Bauernfeind, deren größerer Anreiz aber die Tour de France Mitte August ist.

Trotz starker Leistungen in den vergangenen Monaten stellt die 24-Jährige ein mögliches Paris-Ticket sogar etwas in Frage: „Ich hätte auch vor den Deutschen Meisterschaften daran zweifeln müssen. Es ist noch alles offen. Ich kann nur hoffen, dass die gezeigten Leistungen gereicht haben.“ Die deutsche „Radsportlerin des Jahres 2023“ konnte erst im Mai ihren Status als internationale Top-Athletin unterstreichen, als sie überraschend am sechsten Tag der Vuelta in Spanien die Teamführung des Canyon-Sram übernahm und dann den sechsten Platz in der Gesamtwertung holte.