HEiDi-App
Uni Eichstätt entwickelt Handy-Leitfaden für Einsatzkräfte der Krisenintervention

19.10.2022 | Stand 22.09.2023, 4:22 Uhr |

Robert Steinhauser will mit einer in der Entwicklung befindlichen Handy-App den Einsatzkräften Hilfestellung. Foto: Schulte Strathaus, upd

An der Katholischen Universität Eichstätt wird derzeit ein Handy-Leitfaden für Einsatzkräfte der Krisenintervention entwickelt. Die HEiDi-App soll Einsatzkräften der Psychosozialen Notfallversorgung ein Werkzeug an die Hand geben, um ad hoc passende Informationen zu haben.



Nicht nur für Rettungskräfte, sondern auch für Kriseninterventionsteams birgt jede Einsatzlage spezielle Herausforderungen, auf die sie reagieren müssen. Situationsgerechte Fachinformationen zur Ersten Hilfe für die Seele digital bündeln und Werkzeuge zum Einsatzmanagement bieten – diese Ziele verfolgt der an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) tätige Psychologe Robert Steinhauser mit der Entwicklung einer speziellen und kostenlosen App für Einsatzkräfte der Psychosozialen Notfallversorgung.

Das Projekt „HEiDi – Die Hilfeapp für Einsatzdienste“ wird derzeit von der KU getragen. Neben bundesweiten Hilfsorganisationen und Fachverbänden bringt auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe seine Expertise bei der Entwicklung der App ein. Steinhauser ist in der psychologischen Grundlagenforschung tätig – etwa rund um die kognitive Verarbeitung von unerwarteten Ereignissen. Und er engagiert sich als fachlicher Leiter im Kriseninterventionsteam des Landkreises Eichstätt.

Oft Spezialwissen erforderlich

„Jede Situation, zu der wir gerufen werden, bringt spezielle Anforderungen an die Versorgung mit sich. Und trotz unserer Ausbildung habe ich mir oft gewünscht, bereits auf der Anfahrt anhand des Einsatzstichwortes zu wissen, worauf ich mich bei der Betreuung konzentrieren muss“, schildert Steinhauser. Denn: Ein Lexikon zum Nachschlagen hat niemand im Einsatz mit dabei. Er erinnert sich an einen seiner ersten Einsätze in der Krisenintervention: Es war ein Motorradunfall, bei dem der Biker nach einem Zusammenstoß mit einem Auto gestorben ist. Steinhauser musste sich um den Autofahrer kümmern. „Mir ist erst im Nachgang bewusst geworden, dass ich einen wesentlichen Aspekt nicht berücksichtigt habe: Ein Unfallverursacher gehört zu einer der höchsten Risikogruppen für Suizid“, blickt er zurück.

Auf eine komplett andere Einsatzlage musste sich der Kriseninterventionsdienst in Eichstätt nach der Flutkatastrophe im Ahrtal einstellen, zu der Ehrenamtliche ebenfalls ausrückten. „Der zeitliche Abstand zum eigentlichen Ereignis lag Tage zurück, so dass andere psychische Prozesse dominierten“, weiß Steinhauser. Das müsse anders aufgefangen werden. Zusammengefasst: Es gibt immer wieder Einsatzlagen, die Spezialwissen erfordern.

Inhaltlicher Input kommt dazu auch vom Lehrstuhl für Biologische und Klinische Psychologie der KU. Die Plattform soll ein modularer Baukasten sein, die sie nutzenden Organisationen können passend zu ihren eigenen Abläufen und Erfordernissen etwa definieren, wie sie welche Informationen aufbereiten, zu welchen Einsatzstichworten hinterlegen wollen. Aktuell wird eine Testversion der HEiDi-App programmiert – finanziert von einem Innovationsfonds des Projektes „Mensch in Bewegung“ an der KU. Wohl im Dezember wird Steinhauser einen ersten Prototyp vorstellen.

Für die Zeit nach der Anschubfinanzierung der Anwendung, die explizit kostenlos angeboten werden soll, laufen Gespräche. Zum dauerhaften Betrieb sind mehrere Hunderttausend Euro erforderlich; es soll ein gemeinnütziger Verein gegründet werden.

EK/smo