Beilngries

Herbstfest der SPD Beilngries-Altmannstein: Gutes Miteinander und deutliche Worte

Ortsvereine wachsen zusammen – Mitglieder geehrt – Kritik an Verhalten der Landesregierung

26.09.2022 | Stand 26.09.2022, 5:57 Uhr

Für langjährige Parteizugehörigkeit dankten Heike Westphal-Herbert (rechts) und Stefan Rank (links) treuen Genossen. Für seine Verdienste als früherer Vorsitzender des Ortsvereins wurde Rüdiger Stein (5. von links) ausgezeichnet. Foto: F. Rieger

Beilngries – Als kombinierter Ortsverein in gemütlicher Runde weiter zusammenwachsen, langjährige Mitglieder ehren und zu politischen Themen Stellung beziehen – so lässt sich das Herbstfest der SPD Beilngries-Altmannstein, das am Freitagabend in Beilngries stattfand, zusammenfassen. Die im Juli dieses Jahres neu gewählte Doppelspitze des Ortsvereins, Heike Westphal-Herbert und Stefan Rank, zeigte sich sehr zufrieden mit der Besucherzahl. Und die rege geführten Gespräche deuteten auch direkt darauf hin: Es kann gelingen, dass die Sozialdemokraten aus Beilngries (inklusive Kinding) und Altmannstein, wo der Ortsverein aufgelöst wurde, zu einer aktiven Einheit zusammenwachsen.

Zur Arbeit im Verein ließ Heike Westphal-Herbert wissen, dass man sich in Teilbereichen ein wenig digitaler aufstellen möchte. Konkret gehe es dabei um die Terminabsprachen. Sie versicherte aber, dass Einladungen zu Veranstaltungen auch weiterhin schriftlich erfolgen werden – auf digitalem Wege seien die Termine aber oft schon früher einsehbar. Eine Veranstaltung konnte die Co-Vorsitzende bereits ankündigen: Am 14. Oktober soll ein Abend mit Kreistagsmitglied Bernd Weber zum Thema „Energie“ stattfinden. Der eigentlich für das Herbstfest vorgesehene Beitrag Webers zu diesem Thema musste terminbedingt entfallen.

Rüdiger Stein informiert zur Arbeit im Stadtrat

Politisch wurde es trotzdem. Zunächst berichtete Rüdiger Stein von der Arbeit im Beilngrieser Stadtrat, in dem er gemeinsam mit Ricarda Ruckdeschel die sozialdemokratische Fahne hochhält. Viele Sitzungen hat es dort seit der SPD-Jahresversammlung im Juli nicht gegeben – ein Aufreger-Thema aber schon: Die Abstimmung über eine Weiternutzung des Franziskus-Altbaus durch Regens Wagner.

Er selbst sei bei dieser Sitzung terminlich verhindert gewesen und er halte auch nichts davon, gefällte Entscheidungen im Nachgang noch groß anzuzweifeln, so Stein. Ein paar Worte wolle er zu diesem Thema aber dennoch verlieren – und zwar keine plakativen in nur eine Richtung. Es sei selbstredend so, dass man Menschen mit Behinderung einen Platz mitten in der Gesellschaft bieten wolle. Grundsätzlich gehöre es aber auch zur Wahrheit, dass man in der vergangenen Wahlperiode als Stadtrat den Plänen für den neuen Franziskus-Kindergarten nur unter der Prämisse zugestimmt habe, dass der Sulzpark als „grüne Lunge“ die vorübergehend verloren gehende Fläche durch den späteren Abriss des benachbarten Altbaus zurückerhalte. Insbesondere Bürgerliste/Freie Wähler hätten diese Position damals vehement vertreten – und nun massiv für die Weiternutzung des Franziskus-Altbaus plädiert. Ganz so einfach, wie es sich mancher Leserbriefschreiber in der Argumentation gemacht habe, sei die Sachlage auf diesem Areal jedenfalls tatsächlich nicht, sagte Stein.

Der Ausblick drehte sich dann um die kommenden Stadtratssitzung an diesem Donnerstag. Dabei stünden einige heiße Eisen auf der Tagesordnung – insbesondere das Thema Glasfaser und die Rückstaubprobleme nach dem Starkregen vor gut zwei Wochen. „Hat man zu wenig gemacht oder das Falsche?“, fragte ein SPD-Mitglied mit Bezug auf die erfolgten Maßnahmen nach ähnlichen Vorkommnissen in den Jahren 2014 und 2016. Genau das gelte es nun zu analysieren, antwortete Stein. Der Klimawandel lasse sich nicht aufhalten − „und es darf jedenfalls nicht sein, dass künftig nach jedem Platzregen die halbe Stadt unter Wasser steht“, so das Stadtratmitglied.

Einen Appell unabhängig der Kommunalpolitik sprach Stein auch noch aus. Ihm missfalle die Aufgeregtheit, mit der seit einiger Zeit in der Gesellschaft diskutiert werde – über Themen, die eine solche Vehemenz insbesondere in Zeiten von Krieg in Europa und Energiekrise eigentlich nicht wert seien. Stein spielte auf die Winnetou-Debatte und Ähnliches an und sagte: „Lasst uns doch nicht über solche Sachen streiten – das ist beschämend.“

Auch die große Politik kommt zur Sprache

In eine ähnliche Richtung argumentierte Stefan Rank zur politischen Gesamtlage. Er monierte, dass von führenden Politikern Polemik und Populismus betrieben würden − beispielsweise, wenn Hubert Aiwanger (Freie Wähler) bei einer Bierzeltrede in Eichstätt verlauten lasse, dass der Klettverschluss einst nur erfunden worden sei, weil Studierte nicht in der Lage seien, sich die Schuhe zu binden. Das habe mit seriöser Politik nichts zu tun. Selbiges warf Rank auch der CSU vor. „Sie wittert ihre Chance“, von den aktuell enorm großen Krisen zu profitieren − und spiele dabei Landesregierung und Opposition zugleich. Letzteres geschehe in einer populistischen und scharfen Form, die „nicht nur billig, sondern gefährlich“ sei.

Genau wie Stein verwies Rank unter anderem darauf, dass sich bayerische Ministerpräsidenten – Horst Seehofer, Markus Söder – als vermeintliche Anwälte des Bürgers gegen Windräder und Stromtrassen gesträubt hätten und nun der jetzigen Bundesregierung die Versäumnisse in die Schuhe schieben möchten. In Zeiten wie diesen sei es eigentlich unerlässlich, über Parteigrenzen hinweg das Beste für den Bürger zu bewirken, so Rank. Stattdessen werde von der Union stets die Ampel attackiert.

Letzterer wiederum bescheinigte der Co-Vorsitzende des SPD-Ortsverbandes, zwar gewiss nicht immer alles richtig zu machen, aber eben zumindest den notwendigen Mut zur Entscheidung und auch die Bereitschaft, Fehler zu korrigieren, zu besitzen. Er jedenfalls sei „froh über diesen Kanzler“. Und man könne als SPD in Bayern auch definitiv „mit Kraft und Mut“ der Landtagswahl entgegenblicken.

LANGJÄHRIGE GENOSSEN AUSGEZEICHNET

„Danke“ sagen – das war den Führungskräften des SPD-Ortsvereins Beilngries-Altmannstein bei ihrem Herbstfest am Freitagabend ein besonders großes Anliegen. „Danke“ führ jahrzehntelange Parteizugehörigkeit und das dabei erbrachte Engagement. „Für viele von euch ist die SPD eine Lebensaufgabe, die das Leben begleitet hat – und immer noch begleitet“, sagte Heike Westphal-Herbert, die den Ortsverein gemeinsam mit Stefan Rank leitet, zu den versammelten „Jubilaren“. Sie wisse ganz genau, wie stressig der Alltag mit Beruf und Familie oft sein könne. Und doch hätten viele der Geehrten sich in unterschiedlicher Weise in die örtlichen SPD-Gremien eingebracht, „dafür möchte ich meinen tiefsten Respekt ausdrücken“, so Westphal-Herbert. Und Rank betonte: „Ihr habt euch verdient gemacht um die Partei.“

Im Rahmen des Herbstfestes geehrt und mit Präsent sowie – je nach Dauer der Parteizugehörigkeit – mit Urkunde bedacht wurden Ricarda Ruckdeschel (25 Jahre), Rita Haller (35 Jahre), Otto Hofmann (35 Jahre), Willibald Schmidt (35 Jahre), Florian Demmel (35 Jahre), Irmgard Schittler (40 Jahre), Erwin Schrems (40 Jahre) und Hans Reichmann (55 Jahre). Einen triftigen Grund, der Feier nicht beiwohnen zu können, hatten Marianne und Jürgen Rauhut. Sie feiern nicht nur 50-Jähriges bei der SPD, sondern dieser Tage auch ihren 50. Hochzeitstag. Genau wie weitere zu ehrende Genossen, die am Freitag nicht da sein konnten, erhalten sie Urkunde und/oder Präsent nachgereicht.

Eine andere Auszeichnung, die der im Frühsommer gewählten neuen Doppelspitze des Ortsvereins ein großes Anliegen war, konnte derweil am Freitag vor Ort erfolgen. Rüdiger Stein, der die Beilngrieser SPD sieben Jahre lang geführt hatte und sie seit 2014 – phasenweise als Einzelkämpfer, inzwischen im Duo mit Ricarda Ruckdeschel – im Stadtrat vertritt, erhielt für seine großen Verdienste ebenfalls ein Präsent sowie eine Anstecknadel überreicht. Und Rank dankte seinem Parteifreund mit folgenden Worten: „Ohne Dich würden wir heute wohl hier nicht so sitzen.“