Von Sense bis Mähdrescher

Getreideernte auf dem Jura im Wandel der Zeit

Erste Erntemaschinen seit 1960 im Einsatz

21.07.2022 | Stand 21.07.2022, 12:00 Uhr

Eine ordentliche Brotzeit nach getaner Arbeit gehörte schon damals zur Feldarbeit dazu. Foto: Bauer

Von Franz Bauer

Schernfeld – Früher, als die Bauern und Schnitter mit der Sense das Getreide von Hand mähten, begann die Ernte auf den Roggenfeldern um den Tag der Heiligen Anna am 26. Juli. Ernten war harte Arbeit. Bis das Getreide in den Scheunen war, floss viel Schweiß bei den Männern und Frauen. Erst nach und nach erleichterten Maschinen die Erntearbeit. Wo damals Schnitter die Sense schwangen, rollen heute die Mähdrescher.

Die Schnitter genannten Erntehelfer, ausgerüstet mit Getreidesense, Köcher und einem Wetzstein am Gürtel, schnitten nebeneinander in Reihe die Halme um. Dahinter sammelten andere Helfer, meist Frauen, mit der Sichel die Halme und häufelten sie. Die Buben und Mädchen legten die Stricke aus, mit denen die Halme in Garben gebunden wurden. Damit das Getreide trocknete, stellte man die Garben zu Droimandln auf.

Die Technik brachte den „Ableger“. Die Maschine mähte das Getreide und legte es in Häufeln ab. Diese Mähmaschine wurde von Pferden und Ochsen, später von Traktoren gezogen. Gebunden mussten die Häufeln dennoch werden. Der nächste Fortschritt war der Bindemäher. Der schnitt die Halme und legte in kurzen Abständen die bereits zusammengebunden Garben ab.

Wenn das Getreide in den Droimandln „gereift“ war, wurden die Garben auf den Wagen gespießt, ordentlich verladen und in die Scheunen gefahren. Dort mussten die Garben wieder per Hand abgeladen und im Stock zur Einlagerung geschlichtet werden.

Nach der Erntezeit im Herbst und im Winter droschen die Bauern die eingelagerten Garben. Da gab es im Dorf für alle eine große mit einem Elektromotor oder einer Dampfmaschine über einen Riemen angetriebene Dreschmaschine. Manche Bauern hatten eine eigene. Der Dreschwagen musste von Hand bestückt werden, weshalb man zum Dreschen das ganze Gesinde und Helfer aus dem Dorf brauchte. Für die Schulkinder hieß es, nach der Schule den Ranzen ins Eck und als Helfer in den Stock. Beim Dreschen staubte es ordentlich, als das Korn von der Spreu getrennt, die Stelzen ausgeblasen und das Stroh am Ende der Dreschmaschine gebunden ausgeschüttet wurden. Das Getreide wurde ich Säcke gefüllt. Die Bauern lagerten es anschließend ein oder fuhren es zum Müller, zum Lagerhaus oder zur Mälzerei.

Als nächster technischer Fortschritt kam der Mähdrescher. Die ersten Modelle wurden von Traktoren gezogen, bevor sie in der nächsten Stufe selber fuhren. Der Mähdrescher mähte, drosch, band das Stroh oder häckselte es. Die Körner wurden noch in Säcke gefüllt oder schon in einen Korntank befördert. Ludwig Habermayr und Johann Gesell hatten gemeinsam 1960 in Schönfeld auf dem Jura den ersten Mähdrescher. Der Motor hatte 45 PS und war ohne Korntank. Das Getreide wurde während des Dreschens in Säcke gefüllt und dann auf Wagen verladen. Ebenfalls im Jahr 1960 wurde in Schernfeld der erste Mähdrescher eingesetzt. Er gehörte Albert Bittl und war vom Modell Claas Columbus mit einem VW-Motor. Die Schnittbreite war 1,80 Meter.

Die heutigen Mähdrescher auf dem Jura haben eine Schnittbreite von fast zehn Metern. Der größte von Philipp Kerler aus Schönau hat einen V8-Mercedes-Motor mit 530 PS. Die Schnittbreite beträgt neun Meter. Der Korntank fasst bis zu sieben Tonnen. Über das Korntankrohr wird das Getreide auf die Wagen geschüttet und in die Höfe oder Lagerhäuser abtransportiert. Getreidesäcke sind nicht mehr nötig.

EK