Eichstätt

Geburtstagsfeier mit Napoleon

Willibald-Gymnasium widmete sich der deutsch-französischen Freundschaft – Mit Liveschaltung

24.01.2023 | Stand 24.01.2023, 17:17 Uhr

Sängerin Luan und Königin Marie Antoinette waren zu Besuch an die Schule gekommen.

Eichstätt – Durchs ganze Schulhaus zog der Duft von Baguette und Crêpe, Personen der französischen Geschichte flanierten durch das bunt in den Farben der französischen Flagge geschmückte Schulhaus: Kein Wunder, denn am Freitag feierte das Willibald-Gymnasium das 60. Jubiläum der Unterzeichnung des Élysée-Vertrags. Dazu hatten sich die Französischklassen der Schule jede Menge einfallen lassen.

In seiner Begrüßung verwies Schulleiter Claus Schredl auf die wechselhafte Geschichte der Länder Deutschland und Frankreich im Allgemeinen und der Städte Eichstätt und Verdun im Besonderen: „Dass wir heute in Frieden miteinander leben, ist keine Selbstverständlichkeit“, meinte Schredl, und erklärte seine Aussage mit Blick auf die Schulgeschichte:

Im Jahre 1917 seien viele Schüler des Willibald-Gymnasiums an die Kriegsfront im französischen Verdun eingezogen worden. Die Schule hat davon zahlreiche Berichte, denn viele Schüler hätten zur damaligen Zeit Postkarten an den früheren Schulleiter Englert geschrieben. Dabei wurden auch Bilder vom dortigen Krieg mitgeschickt. Die Schüler berichteten in diesen Postkarten von blutigen Kämpfen, von ihren Ängsten und von Hunger und Kälte. Sie sprechen auch davon, dass viele ihrer Klassenkameraden bereits gefallen sind. In ihren Postkarten bitten sie den Schulleiter darum, Bücher zu schicken für ihre weitere Bildung bis zum Abitur und Unterwäsche gegen die Kälte. Wie Schredl weiter mitteilte, hat die Schule damals etwa 100 Pakete an die Front geschickt. Als im Jahr 2017, also genau 100 Jahre nach den Kämpfen in Verdun, wiederum deutsche Schüler in Verdun zum Schüleraustausch waren, lautete dann die Botschaft in die Heimat glücklicherweise anders: Das Essen ist super, die Freundschaft ist klasse. „Dieser Austausch war nur deswegen möglich, weil wir mit Frankreich in Frieden leben“, sagte der Schulleiter.

Grund genug für das Willibald-Gymnasium, in ausführlicher Weise den 60. Jahrestag des Élysée-Vertrags zwischen Charles de Gaulle und Konrad Adenauer zu feiern. Die Französischlehrer und die Schüler, die am Willibald Gymnasium Französisch lernen – und das ist mit 240 Schülern immerhin etwa ein Drittel der gesamten Schüler –, hatten sich jede Menge einfallen lassen, um diesen Tag würdevoll zu begehen.

Zahlreiche Gestalten der französischen Geschichte wie etwa Napoleon, Marie Antoinette, der Sonnenkönig und Marie Curie, aber auch modernere Gestalten wie etwa die Sängerin Luan, der Fußballer Zinédine Zidane oder die Schauspielerin Laetitia Casta flanierten durch das Schulhaus und gaben auf Wunsch Auskunft über ihre Person – sowohl in französischer als auch in deutscher Sprache. An Verpflegungsständen konnten die Schüler sich mit Crêpe und Baguette mit Camembert eindecken. An weiteren Stationen ertönten die Highlights der französischen Musikgeschichte. Außerdem gab es ein „Wer wird Millionär“ ganz im Zeichen von Frankreich. Wer hätte vorher gewusst, dass es in Paris nur ein einziges Stoppschild gibt?

In der Summe war es also ein buntes Panoptikum mit allen Facetten unseres beliebten Nachbarlandes: kulinarisch, historisch, musikalisch und kulturell. Von vielen als Höhepunkt betrachtet gab es dann gegen Ende des Schultages eine Liveschaltung nach Lyon zu Isabel Arroyo, die vor vier Jahren als Sprachassistentin am WG lehrte. Tosender Applaus war in der Schule zu vernehmen und viele Hände wurden geschwenkt, als sie sich mit einem kleinen Grußwort meldete. Ihre Schüler trugen dann in den beiden Sprachen Ausschnitte aus den berühmten Reden von de Gaulle und Adenauer vor. Die deutsch-französische Freundschaft kann damit am Willibald-Gymnasium wirklich als gelungen gelten.

Auch die Fachschaftsleiterin für Französisch, Johanna Baumann, war voll des Lobes über das Engagement der Schülerinnen und Schüler: „Befreundet sein kann man nur, wenn man sich kennt“, sagte sie im Hinblick auf die Aktionen zum Festtag. „Dieser Tag heute war die praktische Umsetzung des Vertrags, der vor 60 Jahren geschlossen wurde.“

gfs