Mindelstetten

Ein Fest für die Tradition

144. Bauernjahrtag in Offendorf lockt den ganzen Tag über viele Besucher in den Vereinsbahnhof

25.01.2023 | Stand 25.01.2023, 15:59 Uhr

Die Kelsbachbuam, Gäste und Fahnenabordnungen beim Kirchenzug zum 144. Bauernjahrtag in Offendorf (oben). Uwe Döring spielte und sang Gstanzl von den Geschehnissen in der Gemeinde (links). Nach 38 Jahren als Schriftführer wurde Xaver Schneider verabschiedet. Auf dem Foto rechts zu sehen sind Michael Hofmayer (von links), Christl Schneider, Xaver Schneider und Alfons Waldinger. Fotos: Schoberer

Von Sebastian Schoberer

Offendorf – Zu seinem 144. Jahrtag hatte der Christliche Bauern- und Arbeiterbund Offendorf eingeladen. Zahlreiche Mitglieder und Geschäftsleute sind gekommen. Vor dem Gottesdienst stellten sich die Vereine mit ihren Abordnungen mit den Gästen zum Kirchenzug auf. Angeführt von den Klängen der Kelsbachbuam ging es bei leichtem Schneefall zur Kirche Mariä Himmelfahrt.

Gottesdienst mit „Waldlermesse“

In der Messe zu Ehren der gestorbenen Mitglieder ging Pfarrer Josef Schemmerer in seiner Predigt auf den Bund der Menschen mit Gott ein. Bei seinen Recherchen im Internet fand er nur einen einzigen „Christlichen Bauern- und Arbeiterbund“ weltweit, der so einen Namen trägt. „Bei einem christlichen Bund haben wir immer einen Blick auf den anderen“, so Schemmerer. So sollte jeder in seinem Beruf oder Alltag seine Heiligkeit leben und alles mit Liebe tun und somit Christus in unserer Welt gegenwärtig machen. Der Christliche Bauern- und Arbeiterbund sollte seine Arbeit als Sinn und Bestätigung für den Anderen erkennen. Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst vom Männerchor Mindelstetten-Offendorf mit der „Waldlermesse“ unter der Leitung von Wolfgang Schauer.

Nach der Messe zogen die Kirchenbesucher mit den Kelsbachbuam und den Fahnenabordnungen unter der Führung vom stellvertretenden Vorsitzenden Michael Hofmayer mit Christa Waldinger und Barbara Hofmayer zu Fuß zum Vereinsbahnhof Offendorf. Der Vorsitzende Alfons Waldinger konnte zahlreiche Gäste aus Politik und Wirtschaft zur Jahresversammlung begrüßen. Der stellvertretende Landrat Bernhard Sammiller (CSU) überbrachte die Grüße des Landkreises Eichstätt. „Wir leben in einer besonderen und durch Corona einer sonderbaren Zeit“, so Sammiller. Rund um die Landwirtschaft gebe es immer wieder Schlagzeilen. Waren es vor 20 Jahren BSE und vor zehn Jahren die Proteste und Demonstrationen der Landwirte, sind es heute die enormen Kosten für Düngemittel und Energie. „Die Landwirtschaft steht oft in der Kritik und sorgt doch für das tägliche Brot – dafür ein herzliches Vergelt’s Gott“, so Sammillers Fazit.

„Regional handeln und regional einkaufen“

Bezirksrat Reinhard Eichiner (CSU) freute sich, am Jahrtag teilnehmen zu können. „Zu Beginn mit Blasmusik, der schönen Messe mit den kräftigen Stimmen des Männerchores und das anschließende Miteinander, das ist das, was diese Gemeinschaft ausmacht“, so Eichiner. In einer Zeit, in der sich die Gesellschaft spaltet und Ellenbogenpolitik populär ist, wünsche er sich mehr Miteinander und mehr gegenseitigen Respekt. Das Brauchtum und die Kultur werde beim Jahrtag aktiv gepflegt. Er dankte allen Helfern und Organisatoren, die sich darum kümmern und daran arbeiten.

Bürgermeister Alfred Paulus (CWG) stellte die Frage, ob es einen Bauernjahrtag in der heutigen Zeit noch brauche. Damals herrschte Armut und Seuchen bedrohten das Leben der Menschen. Damals schlossen sich Menschen in Bruderschaften zusammen, um sich gegenseitig zu helfen. Damals waren die Menschen im Dorf Selbstversorger, heute sind die Lieferketten 40000 Kilometer lang. Corona ist wieder eine Seuche und Medikamente werden knapp. Hier sieht er dringenden Handlungsbedarf, um die große Abhängigkeit abzubauen. Er richtete einen Appell an die Gäste als Verbraucher. „Regional handeln und regional einkaufen“, so Paulus. Damit stärke man die eigene Region und trage seinen Teil für den Schutz der Umwelt und des Klimas bei. Der Christiche Bauern- und Arbeiterbund Offendorf sei so wichtig wie eh und je. Füreinander da zu sein und sich gegenseitig zu helfen sei das Gebot der Stunde.

Vorsitzender Waldinger brachte seine Freude über das persönliche Wiedersehen aller Mitglieder und Gäste zum Ausdruck. „Ich wurde heuer von vielen Mitglieder angesprochen, die sich auf den Gottesdienst zum Bauernjahrtag freuten“, so Waldinger. Der Jahrtag mache Sinn und er sei dankbar für die vielen guten Gespräche während des Tages.

Die Versammlung gedachte zunächst der in den vergangenen drei Jahren Gestorbenen. Dies waren Walburga Hofmayer, Xaver Straßburger, Walburga Wittmann, Maria Scheimer, Josefine Schmied, Frieda Haag, Emmeram Batz, Frieda Pollinger, Walburga Schoberer, Magdalena Hageneder, Bernhard Schlagbauer, Monika Straßburger, Martin Schoberer und Josef Feldmann.

Derzeit habe der Verein 258 Mitglieder. Durch die Todesfälle und die Umstellung auf das Sepa-Lastschriftverfahren habe sich die Mitgliederzahl von 270 etwas reduziert. Trotz der Abbuchung des Vereinsbeitrages werde künftig noch jeder eine persönliche Einladung erhalten. Er dankte allen Kuchenbäckerinnen und den Organisatorinnen Anni Batz und Michaela Weigl. Sein weiterer Dank ging an Franziska und Alfons Pfaller für die Organisation des Volkstanzes.

Ehrung für 38 Jahre als Schriftführer

Waldinger ließ das abgelaufene Jahr Revue passieren. Der Verein beteiligte sich mit der Standarte bei allen kirchlichen Festen, am Schießen der Vereine, an der Zehn-Jahres-Feier des Vereinsbahnhofs und am Markteinzug. In der vergangenen Jahresversammlung wurde mit Martin Schneider ein neuer Schriftführer gefunden. Dieser löste seinen Onkel Xaver Schneider nach 38 Dienstjahren ab. Martin Schneider verlas als seine erste Amtshandlung den Tätigkeitsbericht. Kassier Martin Schlagbauer berichtete von geordneten Finanzen. Zahlreiche Spenden machen den Jahrtag maßgeblich möglich. Traditionell gab Schlagbauer zur Freude der Besucher zwei Witze zum Besten.

Der Verein spendierte am Nachmittag Kaffee und Kuchen. Dabei blieben noch viele Mitglieder bei geselliger Runde sitzen. Auch am Abend konnte Waldinger eine große Anzahl an Gästen begrüßen. Sein besonderer Gruß ging an eine große Delegation aus Mindelstetten, die mit der neuen Vorstandsriege des Christlichen Bauern-, Arbeiter- und Handwerkerbundes zu Besuch war. Waldinger nutzte die Gelegenheit, um den bisherigen Schriftführer Xaver Schneider für seine jahrelange Tätigkeit zu danken. Er überreichte eine Urkunde und ein Geschenk.

Zur Unterhaltung spielte Uwe Döring vom Förderverein für Bayerische Sprache und Dialekte mit zwei weiteren Musikern auf. Dazwischen gab es Witze und kleine Erzählungen. Döring bereicherte den Abend mit gesungenen Gstanzln, die den Bürgermeister, Mitglieder der Vorstandsriege und so manch andere Begebenheiten aufs Korn nahmen. So wunderte er sich, dass kurz nach der Neugestaltung des Marktplatzes in Mindelstetten dieser für 100000 Euro nachgebessert werden musste. Er sparte aber auch nicht mit Lob. So sei das Gemeindezentrum mit Geschäften und Arzt sehr gelungen.

DK