Eichstätt/Ingolstadt

Eichstätter Missbrauchsfall: Staatsanwaltschaft fordert bei Diözese weitere Akten an

27.10.2022 | Stand 27.10.2022, 11:30 Uhr

Foto: Eberl

Die Staatsanwaltschaft in Ingolstadt hat bei der Diözese Eichstätt weitere Akten zu einem mittlerweile gestorbenen Priester, der wegen sexuellen Missbrauchs in den 1960er-Jahren polizeilich gesucht war, angefordert. Das teilte die Anklagebehörde am Donnerstag der Mediengruppe Bayern mit.



Demnach ist die Staatsanwaltschaft nach der umfassenden Medienberichterstattung hellhörig geworden: Man nehme die Erkenntnisse aus dem Untersuchungsbericht der deutschen Bischofskonferenz in Zusammenarbeit mit Adveniat zum Anlass, „vom Bistum Eichstätt nochmals die Unterlagen zum Fall eines Priesters aus dem Bistum Eichstätt anzufordern“, so Oberstaatsanwältin Veronika Grieser. Bereits 2018 waren Akten übersandt worden: „In dem hier relevanten Fall wurde im Jahr 2019 kein Ermittlungsverfahren eingeleitet, weil sich Anhaltspunkte für verfolgbare Straftaten aus den damals überlassenden Unterlagen nicht ergaben“, so Grieser.

Nun sollen neben den 2018 zur Verfügung gestellten Personalakten des Bistum auch „Akten, die an anderen Stellen zu diesem Geistlichen geführt wurden, zur Prüfung übersandt werden“. Diese Unterlagen würden einer umfassenden strafrechtlichen Prüfung unterzogen, so Grieser. So wolle man abklären, ob sich darin Hinweise für Vorfälle oder Handlungen ergeben, die noch keiner strafrechtlichen Verjährung unterliegen.

„Im Fokus steht dabei insbesondere auch die Frage, ob sich weitere Betroffene gemeldet haben beziehungsweise sich auf die Aufrufe in den vergangenen Tagen noch melden“, führte Grieser weiter aus. Sie versicherte, dass sich aus solchen Meldungen ergebende Anhaltspunkte und Handlungen umfassend strafrechtlich bewertet würden.

Am Wochenende hatte die Mediengruppe Bayern erstmals über den Fall eines 2016 gestorbenen Eichstätter Diözesanpriesters berichtet: Der Mann soll in den 1960er-Jahren in Pfarreien Kinder sexuell missbraucht haben und wurde daraufhin polizeilich gesucht. Der Priester war offenbar mit dem Wissen der Bistumsleitung unter der Führung von Bischof Alois Brems unter falschem Namen als Missionar nach Afrika und Südamerika geschickt worden und nach seiner Rückkehr – als die vorgeworfenen Taten verjährt gewesen wären – nach Garching an der Alz gekommen. 1986 kehrte er in die Diözese Eichstätt zurück und wurde Gemeindepfarrer.

red