30 Jahre Schüleraustausch

Eichstätt: Litauische Schüler zu Gast am Willibald-Gymnasium

04.07.2022 | Stand 04.07.2022, 16:56 Uhr

So sollte Völkerverständigung immer aussehen: Litauische Schüler zusammen mit ihren Austauschpartnern auf dem Abschlussabend am Willibald-Gymnasium. Foto: Mayer

Eichstätt – Der Schüleraustausch zwischen dem Willibald-Gymnasium und dem Jesuiten-Gymnasium Kaunas in Litauen wurde in diesem Jahr von allen Beteiligten noch mehr geschätzt als sonst. Nach der erzwungenen Pandemie-Pause konnten die Litauer nun im 30. Jahr des Austausches endlich wieder nach Eichstätt kommen.

Von der Begegnung waren alle begeistert. Nina aus der Unterstufe und Juna aus der Mittelstufe schwärmten von der Austauschwoche und ihren Austauschschülerinnen. Die Mädchen hatten gleich viele Gemeinsamkeiten gefunden, für die man keine großen Sprachkenntnisse benötigt: Sie machten miteinander Mathehausaufgaben, gaben sich gegenseitig Schminktipps oder aßen den mitgebrachten Baumkuchen. Bei der Vorbereitung des Besuchs waren viele Familien bereit, einen litauischen Austauschschüler oder eine -schülerin aufzunehmen. Diese Bereitschaft wurde auch gleich belohnt: Beispielsweise hatte Junas Austauschpartnerin Migle als Mitbringsel „Faulenzer“-Kekse dabei, eine Spezialität, die aus zerbröselten Keksen, Walnüssen und gezuckerter Kondensmilch besteht. Die litauischen Gäste lernten in dieser Austauschwoche die Umgebung von Eichstätt kennen und unternahmen Ausflüge nach Nürnberg, Regensburg oder Dachau. Claus Schredl und Gisela Albrecht hießen die 44 Jugendlichen und die begleitenden Lehrerinnen willkommen.

Die Leiterin des Austauschs, Lina Milkintiene, wurde von den Deutschlehrerinnen Vilma Paliene und Ingrida Stoniene ebenso wie von der Musiklehrerin Erika Luksiene unterstützt. Schredl betonte dabei, dass dieser Austausch seit 30 Jahren ein Herzensanliegen des Willibald-Gymnasiums sei.

Organisiert wurde der Besuch von Seiten des Willibald-Gymnasiums von Stephan Bleitzhofer: „Das Besondere an diesem Austausch ist, dass er zur Vertiefung der Freundschaft angelegt ist. Da unsere Schülerinnen und Schüler nicht Litauisch lernen, ist es kein Austausch zum Zwecke des Spracherwerbs. So wird das Fremde normal, ohne dass man bei diesem Kontakt auf seinen eigenen Vorteil schaut.“

Dementsprechend wird der Austausch vom Bayerischen Jugendring, durch Comenius und vom Katholischen Fonds unterstützt, um diese persönliche Art der europäischen Zusammenarbeit zu fördern. Die positive Stimmung aller Beteiligten war vom ersten Augenblick deutlich. Wie eng die Beziehung zwischen den beiden Schulen im Laufe der Jahre geworden ist, sieht man auch daran, dass der Austausch auf vielen Ebenen Früchte trägt.

So fahren die Mitglieder der WG-Big-Band unter der Leitung von Thomas Klaschka traditionell mit nach Litauen, die litauischen Teilnehmer führten im Gegenzug beim Sommerkonzert des WG auf Deutsch ein Lied mit Gitarrenbegleitung auf. Obwohl nicht alle litauischen Teilnehmer Deutsch lernen, verstand man sich trotzdem am gemeinsamen Grillabend mit litauischen und bayerischen Volkstänzen, mit dem Aufsagen der schwersten deutschen Zungenbrecher und der lustigen Suche nach der Modequeen.

Ganz so ungetrübt ist die Stimmung der Litauer aber leider sonst nicht. Die Befürchtung, dass der Ukraine-Krieg nicht Russlands letztes militärisches Übergreifen bleibt, beherrschte immer wieder die Gespräche. Eine Angst, die man aufgrund der litauischen Geschichte durchaus nachvollziehen kann. Deshalb steht auch noch nicht fest, wann der Gegenbesuch der Eichstätter stattfinden kann. Beim Abschiedsabend geben Albrecht und Schredl ihrer Hoffnung Ausdruck, die litauischen Freunde und Partner bald wiedersehen und besuchen zu können.

Drei Jahrzehnte währender Kontakt

In den Pfingstferien 1992 wurden die ersten konkreten Kontakte zwischen Kaunas und Eichstätt aufgenommen. Die Anregung dazu kam von dem Mathematiklehrer Dieter Eichiner (1939 – 2010): Er bat darum, dass Alfred Bammesberger, der zu Forschungszwecken in Litauen war, den Kontakt zu einem Gymnasium herstellen möge, das als Partnerschule für das Willibald-Gymnasium geeignet ist. Durch Bammesbergers Verbindung zum litauischen Kultusminister Darius Kuolys kam der Kontakt zum Jesuiten-Gymnasium in Kaunas zustande. Von diesen Tagen um Fronleichnam 1992 an entwickelte sich die bis heute andauernde Partnerschaft.

Im Schuljahr 1992/93 kam der Leiter des Gymnasiums, Pater Baniulis, erstmals nach Eichstätt. Die nächsten Schritte waren Hilfslieferungen nach Litauen, die federführend von Dieter Eichiner betrieben wurden. Er band die Diözese in die Lieferungen ein und schuf damit ein festes Fundament. Der Nachfolger von Pater Baniulis, Pater Gintaras Vitkus, setzte die Kontakte nachhaltig fort. Die Leiter des Willibald-Gymnasiums, Albert Lell, Gerhard Miehling und jetzt Claus Schredl haben zu allen Zeiten die Kontakte auf schulischer Ebene gefördert. Freilich kann eine schulische Partnerschaft nur wirklich gedeihen, wenn sie von den Schülern und ihren Eltern getragen wird. „Rückblickend kann man sagen, dass sich zahlreiche Beziehungen zwischen dem Baltikum und Bayern entwickelt haben. Das ist sehr erfreulich. Dass Dieter Eichiner der geistige Vater dieser Entwicklung ist, darf mit großer Dankbarkeit besonders hervorgehoben werden“, betont Alfred Bammesberger im Rückblick.

jtt