Bodenständig und unermüdlich
Dollnsteiner Pädagoge, Heimatforscher und Musiker Bernhard Eder gestorben

14.01.2023 | Stand 17.09.2023, 5:33 Uhr |

Bei einer Veranstaltung an der Schernfelder Schule vor drei Jahren: Bernhard Eder. Jetzt ist der Dollnsteiner mit 84 Jahren gestorben. Foto: Reichmeyer

Es besteht kein Zweifel: Mit Bernhard Eder hat die Marktgemeinde Dollnstein eine prägende Gestalt verloren. Am 3. Januar ist er in den Mittagsstunden in der Eichstätter Klinik gestorben.



Gezeichnet von einer schweren Krankheit konnte Bernhard Eder, fürsorglich von seiner Ehefrau Elisabeth begleitet, noch am Vorabend des vierten Adventssonntags in „seiner“ Dollnsteiner Pfarrkirche den Gottesdienst mitfeiern: dort, wo er immer wieder in kunsthistorischen Führungen seinen Zuhörern die Schönheit und Pracht des Gotteshauses, fach- und sachkundig sowie mit innerer Herzenswärme, nähergebracht hat.

Dass Eder um die Jahreswende gestorben ist, mag Symbolkraft für sein Leben und seine Arbeit gehabt haben, denn der engagierte Pädagoge, begeisterte Musikliebhaber, tatkräftige Heimatforscher und emsige Wanderfreund mochte keine halben Sachen. Ihm war es regelrecht zuwider, wenn eine Sache nicht vorwärts ging, sich auf der Stelle bewegte oder nicht zu Ende gebracht wurde. Das wussten auch die Menschen, die mit ihm zu tun hatten. Stillstand gab es für ihn nicht. Sein Blick war stets nach vorne gerichtet, kritisch-hinterfragend, selbstreflexiv, klar und analytisch. Aufgewachsen ist er in der Brückenstraße in Dollnstein als eines von fünf Geschwistern. Die Kindheit war geprägt vom Zweiten Weltkrieg und die ihn begleitende „Not, Angst und Entbehrung“, wie es Eder selbst in seinen biographischen Erinnerungen bei der Verabschiedung aus dem aktiven 39-jährigen Schuldienst niedergeschrieben hat. Nach dem Krieg besuchte er die Volksschule in Dollnstein, ging nach Eichstätt auf das humanistische Gymnasium, wo er 1958 sein Abitur bestand, um anschließend das Theologiestudium aufzunehmen.

Pfarrer Harrer rät zum Theologiestudium



Der damalige Dollnsteiner Pfarrer Harrer habe in ihm „die nötige Begabung und auch Berufung dafür erkannt“, erinnerte sich Eder in seinen Memoiren. Doch nach sieben Semestern wechselte Eder an die Pädagogische Hochschule über, wo er seinen Worten zufolge eine handfeste pädagogische Ausbildung erhielt: fach-, aber viel mehr praxisorientiert als heute. Nach seiner Lehramtsprüfung 1963 war er als Aushilfslehrer in Irlahüll tätig, bevor er nach Wilprechtszell (Landkreis Aichach-Friedberg) kam. Von dort ging es 1968 nach Obereichstätt, wo er gleich den Kirchenchor übernahm, 1971 dann der Wechsel nach Dollnstein. 1986 wurde er dort zum stellvertretenden Schulleiter ernannt und 1991 zum Konrektor. Von 1994 bis zu seinem Ausscheiden aus dem Dienst war er dann Schulleiter an der Grund- und Teilhauptschule Schernfeld. Der damalige Schulamtsdirektor Josef Richter charakterisierte Eder als einen äußerst pflichtbewussten, fachlich sehr kompetenten Lehrer mit hohem persönlichen Einsatz, als heimatverbundenen Pädagogen und verlässlichen Schulleiter.

Doch Eder engagierte sich auch in seinem Heimatort Dollnstein, vor allem auf historischem Gebiet. Für die Vereine erstellte er Zeittafeln für Jubiläumsschriften und lieferte historische Fakten. Sein Engagement und Wirken bei den Dollnsteiner Burgfreunden sei besonders hervorgehoben. Für seine Verdienste wurde Eder 2019 zum Ehrenmitglied ernannt. Vorsitzender Andreas Margraf bezeichnete Eder damals als „maßgebenden Förderer und Bewahrer des kulturellen und geschichtlichen Erbes von Dollnstein“. Sein langjähriger leidenschaftlicher und streitbarer Einsatz für den Erhalt der alten Bausubstanz manifestierte sich zunächst in zahlreichen Presseartikeln und in Leserbriefen, die bis in die 1980er-Jahre zurückreichen. Zweifelsohne hätte es ohne Eders außerordentliches Engagement keine Sanierung des Burgensembles gegeben. Ebenso tragen Teile des Ausstellungskonzeptes seine Handschrift.

Jahrzehnte im Einsatz für Dollnsteiner Gemeinschaft



Großen Anteil hatte Eder 1987 am Gelingen des Festes „600 Jahre Marktrecht“. So war er geistiger Vater, Initiator und Motor dafür, dass Dollnstein-Buch, Festakt, historischer Markt, Festspiel und Festumzug zu einem unvergesslichen geschichtlichen Erlebnis wurden. Auch 2007 bei der 1000-Jahr-Feier hat er sich wieder mit seiner ganzen Kraft und Energie im Arbeitskreis beim ganzjährigen Programm eingebracht. Nicht zu vergessen sind die musikalischen Aktivitäten von Bernhard Eder – etwa als Leiter des Kirchenchors Obereichstätt, den er außer zwischen 1980 und 1988, als er sowohl Organist der Dollnsteiner Pfarrei St. Peter und Paul als auch Leiter des Liederkranzes war, bis 2004 führte. 2005 erhielt Eder die Marktnadel in Gold vom inzwischen ebenfalls gestorbenen Dollnsteiner Bürgermeister Hans Harrer. Er leistete Pionierarbeit an der Kreisbildstelle Eichstätt, dem heutigen Medienzentrum des Landkreises, die er dann von 1985 bis 1995 auch leitete. „Mit Leib und Seele war Bernhard Eder bei dieser Entwicklung stets ganz vorne mit dabei“, wie sein Bruder und Nachfolger als Kreisbildstellenleiter Ludwig Eder anmerkt.

Nun ist Bernhard Eder gestorben und mit ihm auch eine Pädagogen-Spezies, die seinesgleichen sucht: bodenständig, unermüdlich, begeisternd und hingebungsvoll im Einsatz für seine Heimat. Dem von humanistischer Bildung geprägten Bernhard Eder rufen wir deshalb zu: Vale, magister optime; vale, custos patriae!

EK



Das Requiem findet am Mittwoch, 18. Januar, 14.30 Uhr in der Pfarrkirche St. Peter und Paul statt, anschließend die Urnenbeisetzung auf dem Friedhof in Dollnstein.