Nacht der offenen Kirchen in Eichstätt
Borgiaskapelle im ersten Stock des Priesterseminars kann besucht werden

21.04.2024 | Stand 21.04.2024, 19:00 Uhr

Der Barockmaler Matthias Zink schuf das Bild auf dem Altar in der früheren Hauskapelle des Jesuitenkollegs. Foto: Hupp

Unter den knapp zwei Dutzend Kirchen und Kapellen, die bei der Nacht der offenen Kirchen, am Freitag, 26. April, in Eichstätt geöffnet sind, ist die Borgiaskapelle. Sie liegt im Priesterseminar, im ersten Stock, und grenzt an den Chor der Schutzengelkirche. Der hohe, rechteckige Raum über der Sakristei war einst Hauskapelle des Anfang des 17. Jahrhundert errichteten Jesuitenkollegs.

Heutzutage werde die Kapelle nur gelegentlich benutzt, etwa für Messen der Seminaristen, erzählt Michael Wohner im Gespräch mit dem EICHSTÄTTER KURIER. Der Leiter des Priesterseminars weist darauf hin, dass sie „sehr hellhörig“ sei: Über dem Raum liegt das frühere Bischofs-Oratorium, von wo aus die Fürstbischöfe einst die Messen in der Schutzengelkirche mitverfolgen konnten. Bei der Nacht der offenen Kirchen werden in der Schutzengelkirche Chöre und Musiker auftreten. In der Borgiaskapelle geht es etwas stiller zu, lautet das Angebot: „Mit Texten, Bildern und Impulsen zur Ruhe kommen“.

Über eine enge, steile Treppe erreicht man die Kapelle in dem Anfang der 1620er errichteten Gebäude, in dem der Wohnbereich der Jesuiten lag. In den Quellen findet sich der erste Hinweis zur Nutzung als Hauskapelle 1657. Der Fürstbischof habe dort „mehrere Male“ die Messe zelebriert. Es wird auch von Diakonenweihen in der Kapelle berichtet. Ursprünglich war sie wohl dem polnischen Jesuitenheiligen Stanislaus Kostka geweiht. Ab 1699 findet sich als Patron der heilige Franz Borgia, ebenfalls ein Jesuit. Auf dem Altarbild ist er kniend dargestellt. Des Weiteren gibt es Darstellungen des heiligen Franz Xaver, des zweiten Eichstätter Stadtpatrons, sowie der heiligen Aloysius Gonzaga und Ignatius von Loyola. Alle diese Bilder stammen von dem seinerzeit in Eichstätt lebenden Barockmaler Matthias Zink und sind entsprechend mit „M.Z.“ signiert.

An der Südwand hängt ein weiteres Werk Zinks, das „sich von den anderen Leinwandgemälden erheblich unterscheidet“: die Szene der drei gekreuzigten japanischen Märtyrer von Nagasaki. Der Maler hat versucht die Gesichter mit asiatischen Zügen darzustellen und drei verschiedene Stadien der Kreuzigung gemalt: Ein Jesuit wird mit gefesselten Händen zu einem am Boden liegenden Kreuz geführt. Das Kreuz eines weiteren Ordensmanns wird gerade aufgerichtet. Engel eilen ihm bereits entgegen. Mit einer Lanze wird dem dritten Jesuiten, der auch bereits am Kreuz hängt, in die linke Seite gestochen.