„Nah aber gleichzeitig doch so fern“
Ausstellung „Missing Something“ – Isabell Fieger stellt fortschreitende Entfremdung dar

09.09.2023 | Stand 12.09.2023, 16:13 Uhr

Mit der Alginat-Abguss-Technik fertigte die Eichstätter Studentin einen Abdruck ihrer eigenen Hand und der Hand ihrer Großmutter an. Foto: Isabel Fieger

Im Diözesanmuseum Eichstätt werden in einer Sonderausstellung vielfältige zeitgenössische Kunstwerke zu dem Thema „Missing Something“ junger Studierender aus dem Seminar „Kuratorische Praxis“ der Dozentin Petia Knebel gezeigt.

Isabel Fieger, gebürtig aus Neuburg, studiert in Eichstätt im letzten Semester Grundschullehramt mit dem Schwerpunkt Kunstpädagogik. „Die angehende Lehrerin hat nicht nur ein Herz für Kinder, sondern für alle Generationen und das zeigt sie in ihrem wahrhaft berührenden Werk“, so die Dozentin. Der Titel der Arbeit aus Gips und Holz lautet „Nah und doch so fern“ und veranschaulicht Fiegers Ideen, welche sie aus ganz persönlichen Erfahrungen und Gefühlen heraus entwickelt hat.

„Mein Anliegen ist die Darstellung zwischenmenschlicher Gefühle von Personen, die sich physisch im gleichen Umfeld befinden, sich aber gefühlt jeden Tag immer weiter entfremden. In einer derartigen Situation vermisst man sein geliebtes Gegenüber. Es gibt Situationen, in denen das Lächeln im Gesicht meiner Großmutter von Tag zu Tag schwindet, die gemeinsamen Unterhaltungen und Unternehmungen primär in der Erinnerung verankert seien, obwohl man nebeneinander am Tisch sitzt oder einen gemeinsamen Spaziergang unternimmt. Es scheint so, als wäre nach einem langen Leben etwas in der Vergangenheit verloren gegangen. Man ist sich in diesem Moment nah aber gleichzeitig doch so fern.“

Auf einem Galeriesockel sind zwei Arme gegenübergestellt, sie könnten sich beinahe an den Fingerspitzen berühren. Es sind die Arme der Künstlerin und ihrer Großmutter. Die 22-Jährige überzeugte diese, sich auf die aufwendige Alginat-Abguss-Technik einzulassen, denn nur so werden die Spuren der Arbeit vergangener Jahrzehnte in der Oberfläche der Haut sichtbar. Auch wenn der Ausgangspunkt des Kunstwerks die sensible Wahrnehmung des sich aus der Welt Zurückziehens eines älteren Menschen war, so wurde die Ausstellung zum Anlass der Zusammenarbeit in der die Nähe und nicht die empfundene Ferne im Vordergrund stand und die gestalterische Absicht steuerte.

EK



Die Ausstellung „Missing Something“ ist im Domschatz- und Diözesanmuseum Eichstätt bis zum 31. Oktober zu sehen. Öffnungszeiten: Mi. – So. und Feiertag von 10.30 bis 17 Uhr.