Ein Brückenbauer auf dem Pilgerpfad
Altmannsteiner Künstler Werner Engelmann gestaltet Darstellung für den Lingkor in Hüttenberg

14.06.2024 | Stand 16.06.2024, 11:31 Uhr |

Eine ikonographische Darstellung des tibetischen Schmieds Thangtong Gyalpo soll den Lingkor in Hüttenberg beschließen. Fotos: K. Schmied

Jahre voller intensiver Erfahrungen durch das Studium der Thangka-Darstellungen haben dazu geführt, dass Künstler Werner Engelmann aus untrüglichem Empfinden heraus die Farben wählt für seine ikonographischen Werke. Jahre voll von intensiver Arbeit führten vor annähernd 650 Jahren dazu, dass auch ein tibetischer Schmied als Meister seines Fachs in die Geschichte eingegangen ist: Thangtong Gyalpo.

Wenngleich sein Name nicht jedem geläufig sein mag, so hat er sich mit dem Bau zahlreicher Kettenbrücken in Tibet ein unübersehbares Denkmal gesetzt.

Ein Brückenbauer war er also, der in Ost-Tibet geborene Schmied, der von 1385 bis 1464 lebte und in Indien studierte. Als er nach Tibet zurückkam, spezialisierte er sich auf Bronzefigurgüsse, weiß Engelmann aus der Auseinandersetzung mit dem Künstlerkollegen. Diese Figuren dienten religiösen Zwecken, stellten Götter dar. „Später kam er zu einem Materialwechsel, von Bronze zu Eisen. Wahrscheinlich wegen dieser Eisenphase hat er sich mit der Ausführung von Kettenhängebrücken befasst“, so Engelmann weiter. Bauwerke mit Bestand: „Diese Brücken sind heute noch in mehrfacher Hinsicht in Tibet zu nutzen.“ So machte auch der Tibet-Reisende Heinrich Harrer Bekanntschaft mit ihnen. Und genau da kommt dessen Heimatort Hüttenberg in Kärnten ins Spiel.

In der Altmannsteiner Partnergemeinde gibt es den Lingkor, den tibetischen Gebetspfad mit seinen 530 Stufen. „Als dieser in Planung war, war es Harrers Wunsch, auch ein Brückensegment zu installieren“, weiß Engelmann, der an der künstlerischen Gestaltung mitwirkte und wirkt. Erst vor einem Jahr wurden seine acht Darstellungen des Padmasambhava, des Lotusgeborenen, dort eingeweiht. Nun soll der Brückenschmied wetterfest in einem Metallrahmen thronend einen Platz dort bekommen. Wo? „Am Ende der Hängebrücke. Denn dort hört die Führung des Pilgerpfads auf, für den Nutzer ein abruptes Ende. Meine Idee seit einer Weile war: Dem müsste man Abhilfe schaffen.“

Auf einer 130 Mal 140 Zentimeter messenden Kunststoffplatte blickt Thangtong Gyalpo in satte Acrylfarben gegossen dem Betrachter entgegen – in Mediationshaltung auf einem Gazellenfell sitzend, einen roten Meditationsgürtel über der Brust und eine Schädelschale mit Nektarvase in der linken Hand haltend. „In seiner rechten Hand hält er eine Kette mit den für die Ikonographie typischen fünf Gliedern.“ Sie zeichnet ihn als Schmied aus.Thangtong Gyalpo war aber noch viel mehr. „Er ist bis heute in Tibet verehrt als Kulturheros. Er war laiengläubiger Buddhist und hat trotzdem ein Kloster gegründet. Er hat in der tibetischen Klostertradition Theateraufführungen aktiviert und diese mit selbst geschriebenen Musikstücken bereichert.“ Für sein umfangreiches Wissen steht der Bücherkorb, den Engelmann rechts hinter ihm platziert hat. Dort wurden traditionell die Schriften aufbewahrt – gleichformatige Blätter, übereinander gelegt.

Der Brückenschmied wartet nun im Steinertal auf die Abreise nach Hüttenberg, wo ein Kärntner Schmied das Werk vollenden wird, wie Engelmann sagt. „Die Hüttenberger kommen heuer zur 140-Jahr-Feier der Steinsdorfer Feuerwehr, da möchte ich ihnen das Bild mitgeben.“ Nächstes Jahr findet in der Partnergemeinde wieder der Reiftanz statt. „Bis dahin sollte er am Ende der Kettenbrücke stehen“, wünscht sich Engelmann für Thangtong Gyalpo.

DK