Betrüger am Telefon
Präventionstheater in Hollenbach findet bei den Besuchern großen Anklang

11.07.2024 | Stand 11.07.2024, 5:00 Uhr |
Walter Mika

Mit einem Schockanruf konfrontiert wird eine Seniorin (auf der Bühne Susanne Mika) von zwei Betrügerinnen (links stehend Sonja Kulzinger mit Telefon und Larissa Kittelmann). Viele Menschen fallen auf dreister Betrüger herein. Foto: Walter Mika

Ein Wohnzimmer mit Tisch und Stuhl als Bühnenbild sowie ein Stehtisch seitlich vor der Bühne mit Laptop und Funktelefon, sinnbildlich für ein Callcenter irgendwo im Ausland, bildeten die Kulisse für das Präventionstheater „Lug und Betrug“, das die Theatergruppe der Krebsbachtaler Dorfbühne Hollenbach in Kooperation mit dem Kriminalfachdezernat 4 Augsburg am Freitag aufführte. Etwa 70 Besucher, vornehmlich im fortgeschrittenen Alter, fanden sich im Pfarrzentrum ein, wo sie die Betrugsmaschen skrupelloser Betrüger als Schauspiel vor Augen geführt bekamen.

„Das, was sie jetzt sehen, ist keine graue Theorie, es passiert leider immer wieder“, stimmten Kriminalhauptkommissarin Barbara Macheiner und ihr Kollege die gespannten Zuschauer auf die sechs einzelnen Szenen ein.

Zuvor richtete Michael Jakob, Leiter der Polizeiinspektion Aichach, ein Grußwort an die Anwesenden, verbunden mit der Aufforderung, bei Bedarf jederzeit mit der Polizeiinspektion Aichach in Kontakt zu treten. Schon in der ersten Szene wurde ein fataler Fehler, den Geschädigte immer wieder begehen, offenkundig aufgezeigt: Der falsche Handwerker, der nach einem Wasserrohrbruch

„Mama, hilf mir, ich habe eine Frau überfahren“

in der Nachbarschaft den Druck der Leitungen überprüfen soll, wird gutgläubig hereingebeten. Während er die ältere Dame geschickt ablenkt, schleicht sein Kompagnon mit ins Haus – mit dem Ziel, Geld und Wertsachen mitgehen zu lassen.

„Bitte lassen Sie keine fremden Personen ins Haus, auch nicht, wenn sich die Person unwohl fühlt und nach einem Glas Wasser bittet. Sie kann sich auch vor dem Haus ausruhen und ein Glas Wasser trinken“, so die Kriminalexpertin.

„Mama hilf mir, ich hab eine Frau überfahren und sitze jetzt im Gefängnis“, so beginnen oft Schockanrufe. Die Absicht dahinter: Große Summen für eine Kaution, damit die Tochter oder der Sohn freikommen.

Hier werde enormer seelischer Druck aufgebaut, das gehe oft über Stunden, erklärte Barbara Macheiner. Generell würden Polizei, Staatsanwalt oder Gericht niemals eine Kaution fordern, stellte sie klar. Daher solle man in diesen Fällen sofort den Polizei-Notruf 110 wählen. Sofort den Hörer auflegen, sollte man auch bei telefonischen Gewinnmitteilungen. Bevor der angeblich hohe Gewinn ausbezahlt werde, sollten die Angerufenen Transport- und Versicherungskosten überweisen. Der versprochene Gewinn kommt natürlich nie an.

Push-Nachrichten fragen nach Bankdaten

Viele Menschen fallen auch immer häufiger auf Internet-Betrüger herein. Dabei ploppen Push-Nachrichten am Computer auf mit der Aufforderung, Bankdaten und EC-Karten-Nummern mitzuteilen, um eine Aktualisierung vornehmen zu können.

Mit einer generierten EC-Karte ist den Betrügern dann Tür und Tor geöffnet, Einkäufe über die Geschädigten zu tätigen. „Keinerlei Daten übermitteln, die Bank hat alle Daten“, erklärte Macheiner und riet dazu, bei der Bank nachzufragen.

Dreist aber erfolgreich verläuft immer häufiger der Trick mit dem falschen Polizisten. Der teilt am Telefon mit, in der Nachbarschaft treibe ein Einbrecher sein Unwesen, der es nach bisherigen Ermittlungen auch auf das Haus des Angerufenen abgesehen habe.

Um im Falle eines Einbruchs größeren Schaden zu verhindern, sei es notwendig, alle Wertsachen unverzüglich in Polizeigewahrsam zu übergeben. Ein Kollege komme umgehend vorbei und nimmt die Wertsachen entgegen. So würde die richtige Polizei niemals vorgehen, weshalb auch hier nur zum Polizei-Notruf zu raten sei.

Unterhaltsamer und informativer Theaterabend

Nach einer guten Stunde – eine geplante Pause wurde wegen des EM-Spiels Deutschland gegen Spanien gestrichen – ging die höchst interessante, informative, aber auch unterhaltsame Veranstaltung zu Ende. Unterhaltsam war sie in erster Linie aufgrund der humorvollen Darbietungen durch das Ensemble, bei dem Susanne Mika, Sonja Kulzinger, Andrea Kistler, Larissa Kittelmann, Sophia Eber und der einzigen männliche Darsteller Matthias Göttler mitwirkten.

Wie gut das Präventionstheater ankam und wie sehr die Betrugsmaschen den Leuten unter den Nägel brennen, zeigte sich bei der anschließenden Fragerunde, die von zahlreichen Senioren in Anspruch genommen wurde.

mik