Theater-Vorschau

Zwischen Himmel und Hölle

Philipp Moschitz inszeniert Georges Feydeaus „Floh im Ohr“ in Ingolstadt

24.01.2023 | Stand 24.01.2023, 15:58 Uhr

Auf Wolke 7: Manuela Brugger und Luca Skupin. Foto: Knollmann

Von Anja Witzke

Ingolstadt – Ein Paar Hosenträger erregen den Verdacht von Madame Raymonde Chandebise: Ihr Mann betrügt sie. Um Gewissheit zu erlangen, lädt sie ihn mit einem fingierten Liebesbrief zum Rendezvous in ein Hotel. Dort soll er in flagranti erwischt werden.  Doch er schickt einen Freund. Und so wird ein Mechanismus in Gang gesetzt, der rasch außer Kontrolle gerät. Nicht nur, weil sich bald alle inkognito in dem bewussten Etablissement herumtreiben, sondern auch weil der dortige Diener Monsieur Chandebise wie aus dem Gesicht geschnitten ist.

Mit „Floh im Ohr“ hat Georges Feydeau 1907 eine der turbulentesten Verwechslungskomödien der Theatergeschichte über bürgerliche Doppelmoral geschrieben. Philipp Moschitz bringt sie – in der Übersetzung von Elfriede Jelinek – auf die große Bühne des Stadttheaters Ingolstadt. Zuletzt hat er hier mit Inszenierungen wie „Der kleine Horrorladen“, „Die zwölfte Nacht oder Was ihr wollt“ und „Hedwig and the Angry Inch“ Publikums-Hits gelandet.

Moschitz hat sich in vergangenen Jahren viel mit  französischen Komödien von Feydeau, Labiche oder Marivaux beschäftigt und sie auf ihre Relevanz in der heutigen Zeit überprüft. „Unsere Moralvorstellungen und Beziehungsmodelle haben sich geändert“, sagt er. „Deshalb haben wir uns eine besondere Setzung für ,Floh im Ohr‘ überlegt. Den ersten Teil lassen wir nicht in Chandebises gutbürgerlichem Haus spielen, sondern im Himmel.  Der ist bei uns konservativ, heteronormativ, brav und durch die Wolken weichgespült. Der zweite Teil, der bei Feydeau eigentlich in einem Bordell verortet ist, führt bei uns geradewegs in die Hölle. Dort ist alles lasziv, direkt, frivol, crazy.“

Da der Autor vorgesehen hat, dass ein Schauspieler den Hausherren Victor-Emmanuel Chandebise als auch  das Faktotum im Stundenhotel, Poche, spielt, ergibt sich  folgende Personenkonstellation: Matthias Zajgier  ist zugleich Gott und der Diener des Teufels. „Beide Welten haben ihre Daseinsberechtigung.  Aber in der Hölle ist alles losgelöst von tradierten Rollenmustern, deutlich freier, genderfluid“, sagt Regisseur Philipp Moschitz. 

Von oben nach unten geht’s im Fahrstuhl. Thomas Flach ist für die Bühne verantwortlich. Und bei den Kostümen greift Cornelia Petz in die Trickkiste, um die Protagonisten buchstäblich zum Strahlen zu bringen.

Mit 14 Schauspielern und Schauspielerinnen hat Regisseur Philipp Moschitz ein großes Ensemble zu bändigen, vier Gäste hat er aus München mitgebracht. Weil Corona die Proben ein bisschen durcheinandergewirbelt hat, laufen die Proben auf Hochtouren. „Seit dem ersten Durchlauf streichen wir noch wie die Weltmeister“, sagt der Regisseur. „Trotzdem: Ein bisschen Moschitz-Klimbim muss sein.“ 

DK


 Premiere ist am Samstag, 28. Januar, um 19.30 Uhr im Großen Haus.  Kartentelefon (0841) 30547200.